Dem Himmel so nah  -  von Ramona KRIPPNER

St. Peter bin ich genannt...

So lautet die erste Zeile des bekanntesten Spruchs auf der St. Petersglocke, die die Kölner liebevoll "dicker Pitter" nennen. Noch ist sie mit einem Gewicht von über 24 Tonnen die größte freischwingend geläutete Glocke der Welt, das heißt, sie wird am geraden Joch aufgehängt geläutet. Abgelöst wird dieser Rekord von einer 2016 gegossenen und über 25 Tonnen schweren, ebenfalls dann freischwingender, Glocke, die in der dann neu erbauten "Kathedrale der Erlösung des Volkes" in Bukarest ihren Platz haben wird, vermutlich noch in diesem Jahr. 
Ihre Faszination verliert unser dicker Pitter dadurch für uns natürlich nicht. Schließlich ist er die Glocke Nr. 1 im Domgeläut des Kölner Domes.

Die St. Petersglocke hatte allerdings eine Vorgängerin, die "Gloriosa", auch "Kaiserglocke" genannt. Mit einem Gewicht von 27.180 Kilogramm war sie sogar noch schwerer als die heutige. Im Jahr 1875 gegossen, wurde die "Gloriosa" 1918 im Ersten Weltkrieg wieder eingeschmolzen. Zum einen, da kriegswichtiges Material daraus hergestellt werden sollte, zum anderen passte wohl ihr Ton nicht zum restlichen Geläut.

Konrad Adenauer, damals Oberbürgermeister und Karl Joseph Kardinal Schulte sprachen sich dafür aus, dass es für die "Gloriosa" einen Ersatz geben sollte. Nur wollte zuerst niemand die neue Glocke gießen. Vielen Glockengießern aus ganz Europa war das Risiko zu groß, schließlich war allen die misslungene "Gloriosa" bekannt. Am 13. März 1922, nach Anforderung des Domkapitels, fand sich endlich Heinrich Ulrich, Glockengießermeister aus Apolda/Thüringen. Er war letztendlich bereit, den Auftrag zum Guss unserer St. Petersglocke anzunehmen und auszuführen, was gar nicht so einfach war, denn für die angeforderte Größe der Glocke musste zuerst ein neuer Schmelzofen gebaut werden, da der vorhandene die Menge an Metall gar nicht fassen konnte. 
Mit der Fertigstellung kam dann ein neues Problem auf. Während der Inflation konnte der Papiergeldentwertung nicht gefolgt werden und auch mit Notgeld konnte der Dom die Glocke nicht einlösen. Das Material für diese kostete damals über eine Million Mark und nach der Inflation fehlten immer noch 5.000 Dollar. Diese allerdings wurden dann von reichen Kölner Bürgern gespendet.

Nebenbei: Der Guss der St. Petersglocke dauerte gerade einmal 9 Minuten und 32 Sekunden. Und wie wir alle wissen, ist er diesmal gelungen.

Wer nun denkt, die Glocke wäre nun gleich nach Köln gekommen, der irrt. Weil die Auftraggeber Angst hatten, die Glocke könnte womöglich als Reparationsgut beschlagnahmt werden, blieb sie für anderthalb Jahre in der Gießerei. Erst im November 1924 wurde die Glocke auf dem Schienenweg nach Köln transportiert. Unter Glockengeläut mehrerer Kirchen und auch des Domes und feierlich geschmückt, legte sie am 24. November 1924 unter Begleitung von tausenden Menschen das letzte Stück Weg vom Rheinauhafen zum Dom auf einem Tieflader zurück. Am 30. November wurde sie vor ca. 20.000 Menschen von Erzbischof Karl Joseph Kardinal Schulte geweiht.

Es dauerte mehrere Wochen, bis die Glocke an ihrem Platz im Glockenstuhl hing, der zuerst verstärkt werden musste, um das Gewicht tragen zu können. Um die 3,20 Meter hohe und 3,22 Meter breite Glocke überhaupt in den Dom zu bekommen, musste der Mittelpfeiler des Hauptportals entfernt werden, denn durch die anderen Türen passte sie nicht.

Heiligabend sollte sie dann das erste mal erklingen. Aufgrund eines technischen Fehlers aber riss das Seil der Läutemaschine nach den ersten drei Schlägen. Es dauerte nun 10 Monate, bis zum 28. Oktober um 12 Uhr mittags, als der dicke Pitter zum ersten Mal in der Stadt zu hören war. Im Laufe der Jahre folgten einige Reparaturen, unter anderem, als sich 2011 am Dreikönigstag der Klöppel aus der Aufhängung löste und auf die Wartungsebene dees Glockenstuhls aufschlug. Am 2. Dezember des selben Jahres erst wurde der neue Klöppel befestigt und die Glocke am 7. Dezember das erste Mal wieder geläutet.

Seit einiger Zeit schweigt unser dicker Pitter wieder. Seit April 2017 ist der Klöppel abgebaut, weil der Anschlag zu hart war. Um das Material zu schonen und den Klang zu verbessern, wird an einem weicheren Anschlag gearbeitet. Wir alle hoffen, dass spätestens am Heiligabend unsere St. Petersglocke wieder ertönen wird. Bis dahin lauschen wir den Klängen ihrer Schwestern...

Bis bald
eure Ramona

Bis in den Himmel

Egal, wie oft ich schon über ihn geschrieben habe...für mich bleibt er ein Wunder...der Kölner Dom. 
Wie oft habe ich schon staunend davor gestanden und diesen Himmelsstürmer bewundert. Ein besonderer Moment ist es jedesmal, wenn ich aus der Bahnhofshalle ins Freie trete und ihn da stehen sehe. Dieser gewaltige Riese, der bei genauer Betrachtung doch so filigran und zerbrechlich wirkt mit seinem Strebewerk und den unzähligen Türmchen bzw. Fialen, die in der gotischen Bauweise über den Strebepfeilern und Wimpergen (eine Art Giebel über einem Portal oder Fenster) ihren Platz haben. Und so wunderschön er auch von allen Seiten und aus jeder Perspektive anzuschauen ist, der Hauptblickfang ist wohl die Westfassade mit den beiden Türmen.

Wenn ich auf der Domplatte stehe und nach oben schaue, habe ich das Gefühl, sie würden direkt in den Himmel wachsen. Mir wird bewußt, wie klein ich doch bin und wieder, so wie eigentlich immer, macht sich Ehrfurcht breit. Aber auch ein Gefühl des Geborgenseins. Es ist schwer, hierfür die richtigen Worte zu finden, die muss am besten jeder für sich selbst finden, aber ich bin mir sicher, ihr versteht, was ich meine.

Zu dem Besonderen, was man beim Anblick dieser Fassade empfindet, kommt die Tatsache hinzu, dass dies die größte, je gebaute Kirchenfassade ist, mit einer Größe von ca. 7.000 Quadratmetern Fläche. Und obwohl ihre Entstehung mehrere Jahrhunderte dauerte, wovon der Stillstand der Bauzeit natürlich bedacht werden muss, ist sie in ihrer Gestaltung vollkommen gleichartig, als wäre sie zeitlich zusammenhängend gebaut worden. Dieses ist nur möglich gewesen, weil sich beim Weiterbau exakt an den noch erhaltenen Plan aus Pergament gehalten wurde, von welchem ich bereits berichet habe. 
(Zur Erinnerung: Sulpiz Boisserèe und sein Freund Georg Moller fanden je eine Hälfte des Plans in Paris und Darmstadt).

Ohne diesen "Fassadenplan F" oder auch "Riss F" würde diese Seite des Kölner Doms heute vermutlich nicht so aussehen, wie Meister Gerhard oder seine direkten Nachfolger sich die vollendete Westfassade vorgestellt hatten. Für mich grenzt es auch hier an ein Wunder, dass dieses Pergament überhaupt die Jahrhunderte überdauern konnte. Aber es sollte wohl so sein und wie glücklich ich persönlich darüber bin, brauche ich glaube ich nicht erwähnen.

Dieser Fassadenplan mit einer Höhe von gut 4 Metern wurde wahrscheinlich bereits um das Jahr 1280 von Dombaumeister Arnold oder dessen Sohn Johannes gezeichnet, der später auch sein Nachfolger wurde.
Die Art der Grundstuktur jedoch könnte ein Hinweis darauf sein, dass dieser Plan auf einen Entwurf Meister Gerhards, dem ersten Dombaumeister, zurückgeht, also sogar noch älter ist. 
Was waren diese Menschen für Genies...
Das Gefühl gerade ist für mich wieder nicht in Worte zu fassen.

Mit dem Bau der Westfassade wurde dann um 1360 begonnen. Um genau zu sein, mit dem Bau des Südturms. Es dauerte ca. 50 Jahre, bis zweieinhalb Geschosse errichtet waren. Die ersten 6 Meter der Westwand der Nordturms entstanden jedoch erst im 16. Jahrhundert.

Dann ruhte alles...für 300 Jahre...

...bis da jemand kam, der sich die Vollendung des Kölner Doms zum Ziel der Erfüllung seiner Träume machte. Danke Sulpiz...

Die Faszination für diese "meine" wunderschöne Kathedrale wird wohl niemals vergehen und ich hoffe, ich kann ein Stück davon weitergeben.

"Triumph der Eucharistie"

Wenn ihr schon einmal morgens ganz früh im Dom wart, zu einer Zeit, in der sich nur sehr wenige Menschen dort aufhalten, habt auch ihr sicherlich diese besondere Stimmung wahrgenommen. Man hat das Gefühl, den Dom fast ganz für sich allein zu haben, bevor ihn kurze Zeit später wieder Menschenströme durchwandern.

Diese unglaubliche Stille und Ruhe, wenn selbst ein Flüstern noch zu laut erscheint. 
In dieser Stille nehme ich ihn ganz anders wahr. 
Und um dieses endlich einmal erleben zu können, bin ich bereits um 3 Uhr morgens zuhause aufgebrochen, um kurz nachdem die Türen des Doms geöffnet werden, da zu sein. Nachdem mein letzter Versuch dank eines Wintereinbruchs auf der Autobahn scheiterte, hat es diesmal geklappt.

Draußen geht gerade die Sonne auf und wirft schon vorsichtige Lichter durch die Fenster in den Innenraum. Jetzt verändert sich der Anblick hier drin fast minütlich. Wunderschön. Aber mir fällt noch etwas anderes ins Auge: zwischen den Langhauspfeilern hängen 8 Teppiche. Ich erinnere mich, dass ich diese schon einmal hier gesehen habe und freue mich, dass ich die richtige Zeit für meinen Köln-Besuch gewählt habe. Diese Teppiche hängen nämlich jedes Jahr um diese Zeit hier. Dieses Jahr noch bis zum 16.Mai, ihr solltet euch also beeilen, solltet ihr sie noch sehen wollen (falls dies nicht schon längst geschehen ist).

Bei diesen Teppichen handelt es sich um die sogenannten "Rubensteppiche", benannt nach Peter Paul Rubens, der sie entworfen hat. Hergestellt aber wurden sie in der Brüsseler Manufaktur Frans van der Hecke. Bei den Exemplaren hier handelt es sich bereits um eine Zweitanfertigung. Nachdem die ursprünglichen Teppiche (von denen es einst 11 gab) für ein Kloster in Madrid gedacht waren, und die alttestamentarischen Bildnisse sich so großer Beliebtheit erfreuten, wurde die Serie mehrmals hergestellt.

Mit den Darstellungen sollte das katholische Eucharistieverständnis hervorgehoben werden. Es war also auch eine politische Botschaft gegen die Reformation. Ebenso wie die Szenen aus dem alten Testament sind Triumphbildnisse zu sehen, wie etwa Triumphwagen, von Löwen, Engeln und Pferden gezogen, die unten liegende Symbole des Unglaubens überwinden, was den Namen "Triumph der Eucharistie" erklärt.
(Zur Erklärung: Eucharistie bezeichnet den Dank an Gott für das, was er für uns getan hat und tut. Weiterhin ist sie Bestandteil des Gottesdienstes in Bezug auf das Abendmahl).

Im Dom befinden sich die Teppiche seit (wahrscheinlich) 1687 als Geschenk des Wilhelm Egon von Fürstenberg. Dieser war Fürstbischof von Straßburg und wollte nun auch Kurfürst und Erzbischof von Köln werden. Er hoffte, die Schenkung der Teppiche würde ihm dazu verhelfen. Die Wahl fiel allerdings nicht auf ihn, sondern auf Joseph Clemens von Bayern, den Kandidaten des Papstes. Nachdem sich von Fürstenberg auch mit militärischer Gewalt das Erzbistum Köln bzw. die Herrschaft darüber, nicht einverleiben konnte, flüchtete er nach Paris. Aber ohne die Teppiche. Die blieben im Dom, wo sie zunächst über den gotischen Wandmalereien der Chorschranken angebracht wurden.

Als der Domchor 1842 instandgesetzt wurde, nahm man die barocken Rubensteppiche ab. Sie paßten geschmacklich nicht mehr in die Zeit. Für eine Weile wurden sie noch als Prozessionsteppiche benutzt, worunter sie ziemlich litten, bevor sie irgendwann ganz vergessen wurden.
Erst eine Ausstellung 1954/55 und die Restaurierung 20 Jahre später, die ihrerseits über 10 Jahre dauerte, brachte sie wieder in die Öffenlichkeit.
Aus konservatorischen Gründen hängen die kostbaren Teppiche nur für wenige Wochen jedes Jahr im Dom. Die restliche Zeit werden sie in Depoträumen aufbewahrt.

Jedes Teil hier im Dom hat seine ganz eigene Geschichte und irgendwie entdecke ich immer noch etwas neues. Es ist faszinierend, findet ihr nicht auch?

Schaut euch die Rubensteppiche ruhig noch einmal an, vielleicht jetzt aus einer anderen Perspektive...bevor sie schützend gelagert wieder für ein Jahr gut aufgehoben ruhen.

Bis bald
eure Ramona

Übrigens: Einen Teil der Fotos dieser wunderschönen Teppiche hat uns unser Kölschgänger-Freund Heiko Mißfeldt zur Verfügung gestellt. Lieben Dank hierfür ?

Letzte Ruhestätte - Kölner Dom Teil 2

Unser Kölner Dom. Ein Ort der Begegnung, der inneren Einkehr, Heimat zahlreicher Reliquien...und Friedhof...

Der Domherrenfriedhof draußen vor dem östlichen Domchor gelegen, von dem ich euch im ersten Teil von "Letzte Ruhestätte - Kölner Dom" erzählt hatte, ist nicht der einzige Ort, an welchem hochrangige Menschen beigesetzt wurden. Seit in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit den Ausgrabungen im bzw. unter dem Kölner Dom begonnen wurde, wurden unzählige Gräber entdeckt. Die Gebeine der Menschen, welche nicht identifiziert werden konnten, kamen in eines der drei Massengräber, die sich unter dem Dom befinden sollen, eines davon zum Beispiel bei der Christopherus-Figur, welche sich am Übergang vom südlichen Querhaus in den Chorumgang an einer Säule befindet. Mystische Bilder aus alten Zeiten schleichen sich in meine Fantasie. Unser Dom ist voller Geheimnisse. Werden sie je alle entdeckt und entschlüsselt sein? Wer weiss...

Weiter zu den offensichtlichen Gräbern. Machen wir einen kleinen Rundgang. Bereits 1261 fand in der Achskapelle die erste Beisetzung in einem sogenannten Hochgrab statt. Von niemand geringerem als DEM Mann, der 1248 den Grundstein für unseren "Himmelsstürmer" legte. Erzbischof Konrad von Hochstaden. Allerdings musste der Erzbischof noch einmal umziehen, als 1322 der Dreikönigenschrein seinen Platz einnahm, nämlich in die benachbarte Johanneskapelle. Jene Kapelle, in der sich heute auch der Originalplan, der sogenannte Riss F, der Grundriss der Westfassade, geschützt vor Licht, hinter einem grünen Vorhang verbirgt.
Hier laufen also die Anfänge zusammen...zumindest ein Teil derer. Ich fühle mich gerade wieder sehr demütig angesichts dessen. Nebenbei gesagt handelt es sich bei der Liegefigur um das bedeutendste Bronzewerk Deutschlands des 13. Jahrhundert.

Auch die Gebeine Rainald von Dassels, welcher die Überreste der Heiligen drei Könige 1164 von Mailand nach Köln brachte, bekam seinen Platz hier im Dom in der Marienkapelle. Die mittelalterliche Liegefigur aus Bronze gefertigt, auf der verzierten aus Sandstein bestehenden Tumba (anderes Wort für Hochgrab; bezeichnet ein freistehendes Grabmal in Form eines Sarkophags), wurde Ende des 18. Jahrhunderts durch französische Truppen zerstört und vom Kölner Bildhauer Alexander Iven Anfang des 20. Jahrhunderts aus Kalkstein neu geschaffen.

Jetzt kommen wir zu etwas kuriosem: Vielleicht ist jemandem von euch schon mal aufgefallen, dass immer im September eines jeden Jahres, ein Kranz an einem Steingrab, welches sich ebenfalls in der Marienkapelle befindet, niedergelegt wird? Seit 600! Jahren findet dieses Ritual bereits statt. Zu Ehren des Grafen Gottfried von Arnsberg. Als Dank und aus Treue. Denn der Graf verlieh der Gemeinde Neheim, welche heute zu Arnsberg gehört im Jahre 1358 die Stadtrechte und schenkte ihr ein großes Waldgebiet. Es wurde von ihm aber auch in einer Stiftsurkunde festgelegt, wie die Stadt die Jahrestage dessen zu begehen hat, unter anderem eben die Huldigung am Grab. Und zwar bis in alle Ewigkeit. Und wie gesagt: Seit 600 Jahren wird sich daran gehalten. Dass er hier begraben wurde, liegt daran, dass der kinderlose Graf seine Güter im Jahre 1368 dem Domstift vermachte. Das Arnsberger Land kam so gegen eine hohe Zahlung unter die Herrschaft des Kölner Erzbischofs.

Des Weiteren finden sich die Gebeine des Erzbischofs Engelbert I., welcher am 7. November 1225 von der eigenen Familie kaltblütig ermordet wurde, in einem Schrein in der Schatzkammer des Domes.
Es ist schier unermeßlich, wieviel Geschichte hier in der Luft liegt. Auch Frauen wurden hier beigesetzt. Königin Richeza von Polen, um nur eine zu nennen. Ursprünglich, bis zum Abbruch 1816 im Stift Sankt Maria ad Gradus (Maria zu den Stufen) beerdigt, steht ihr Sarkophag bis heute in der Johanneskapelle des Kölner Domes. Ich könnte immer weiter aufzählen. Und dabei existieren längst nicht mehr so viele Gräber, wie einst, denn viele von ihnen wurden während der französischen Revolution Opfer von Plünderungen.

Heute werden im Kölner Dom "nur" noch Erzbischöfe beigesetzt. Ihre Särge werden in der Krypta, welche nicht öffentlich zugänglich ist, in Wandnischen eingemauert. So ruhen hier unter anderem Kardinal Frings und Kardinal Meisner.
Mit dem Sterben ist nicht alles zu Ende...hier haben Menschen ihre letzte Ruhestätte bekommen und wir werden sie so nie vergessen.

Spürt ihr das auch gerade? Diese Verbindung zu unserer wunderschönen Kathedrale? Sie wird niemals aufhören, denjenigen ihre Geschichte zu erzählen, die offenen Herzens durch ihre Hallen schreiten...

Quia semper - In Ewigkeit

Die drei Heiligen...eingebettet in goldener Umgebung, sicher verwahrt im Chor des Kölner Domes. Das ist das Bild, welches wir vor Augen haben, wenn von ihnen die Rede ist. Dabei war das nicht von Anfang an so, denn als die Gebeine am 23. Juli 1164 von Rainald von Dassel von Mailand nach Köln gebracht wurden, gab es ja unseren Dom noch nicht. Die Reliquien wurden zuerst im "alten" Dom, dem Vorgänger des heutigen Domes aufbewahrt. Die Geschichte, dass aufgrund der Tatsache, dass Köln daraufhin eine der größten Pilgerstätte Mitteleuropas bot, eine größere Kirche her musste, hatte ich in einem früheren Beitrag bereits geschrieben. Und bis der Schrein seinen heutigen Platz fand, verging lange Zeit. Ursprünglich sollte er in der Vierung des Domes stehen (Vierung = ihr erinnert euch? Aufeinandertreffen von Haupt- und Querschiff bzw. Trennung von Chor und Langhaus). 
Umgesetzt werden konnte dieses Vorhaben aber nicht, weil in dieser mittelalterlichen Zeit nur der Domchor vollendet war. Quer und Langhaus waren nicht fertig und konnten für Gottesdienste noch nicht genutzt werden. Daher fand er seinen Platz mit der Chorweihe 1322 in der Mittelkapelle des Chorumganges. Nach der Säkularisation (Trennung zwischen Religion und Staat 1803) wurde der Dreikönigenschrein 1864 in die damals neue Schatzkammer des Domes gebracht. Der Reliquienverehrung stand man zu dieser Zeit schon lange skeptisch gegenüber. Der liturgische Gebrauch war nicht mehr gegeben und der Schrein war mehr oder weniger noch als Museumsstück dienlich. Als Neubeginn des geistigen Lebens, in dem im zweiten Weltkrieg zerstörten Deutschland, wirkte das Dombaufest 1948. Der Dreikönigenschrein wurde im Binnenchor erhöht aufgestellt, hinter dem Hochaltar. Dort steht er noch heute.

Betritt man den Dom und blickt geradeaus durch das Langhaus, bildet er dort das optische Zentrum dieser ohnehin monumentalen Kathedrale. Und der Gedanke geht natürlich zu den Heiligen, die er beherbergen soll. Und das sind außer den (vermutlich, so genau weiß man das nicht) drei heiligen Königen noch der heilige Gregor von Spoleto und einige Partikel von Felix von Afrika und Nabor (Gregor als Priester, sowie Felix und Nabor waren christliche Märtyrer und katholische Heilige, gestorben um 304).

Aber betrachten wir mal dieses Kunstwerk...diesen Schrein. Geschaffen in einer "Bauzeit" von fast 40 Jahren von Nicolaus von Verdun, wie vermutet wird. Über ihn berichtete Michael in seinem Beitrag am vergangenen Samstag. Quellen oder Dokumente, wer nun den Schrein erschaffen hat, gibt es nicht, aber es sprechen einige Details am Schrein selbst, ebenso wie die Tatsache, dass er als überragender Künstler bekannt war und die anspruchsvollsten Aufträge jener Zeit bekam, dafür. So gilt er bis heute als Erbauer des Dreikönigenschreins. Auch, wenn sicherlich noch mehrere Menschen daran beteiligt waren.
Das, was Nicolaus von Verdun da erschaffen hat, übertrifft alles bisher dagewesene an Größe und Inhalt der Bildnisse am Schrein. Die Ehrfurcht, die Michael in seinem Beitrag zum Ausdruck brachte, fühle auch ich bei dem Gedanken daran, durch welcher Menschen Hände dieser Schrein, lange vor unserer Zeit, entstanden ist.

Nicolaus von Verdun hat Heilige, Könige, Engel und auch biblische Gestalten und Begebenheiten auf seinem Schrein verewigt. Und sich selbst mit dem Schrein der Heiligen...Chapeau!

Bis bald 
eure Ramona

Am Anfang war...

...der Chor. Das war, wie wir ja wissen, der erste Abschnitt unserer gotischen Kathedrale, der erbaut wurde und ist somit der älteste Teil.

Jedesmal, wenn ich im Dom bin und der Chorumgang geöffnet ist, nutze ich die Gelegenheit für einen Rundgang und immer wieder bin ich auf's neue fasziniert. Zum einen ist es diese Stimmung, die man ja sowieso überall im Dom spürt, und ich bin mir fast sicher, dass genau diese Stimmung niemanden kalt läßt, aber in diesem Bereich herrscht nochmal eine besondere Atmosphäre.

Ich weiss, ich gerate gerade wieder ins schwärmen, aber bei "meinem" Dom kann ich einfach nicht anders. Hier spürt man etwas bedeutendes, das Alter, hier wird die Geschichte des Kölner Domes wieder lebendig. Das liegt zum einen sicherlich am Schrein der Heiligen Drei Könige als Mittelpunkt, aber auch an den sich im Chor befindenden Kapellen (den Chorumgang mit den Kapellen nennt man auch Kapellenkranz). Sieben sind es und auf eine möchte ich jetzt besonders eingehen. Es ist die Achskapelle, auch Dreikönigenkapelle genannt. Durch deren Fenster bei den beiden Tag- und Nachtgleichen im Frühjahr und Herbst bei Sonnenaufgang und schönem Wetter Chor und Langhaus in einer Linie in ein wunderschönes Licht getaucht werden, erinnert ihr euch?
Und dieses Fenster ist kein geringeres als das älteste erhaltene Fenster des Domes, nämlich das zweibahnige Bibelfenster. Ich spüre im Dom ja immer Ehrfurcht und Demut, vor dem, was hier vor langer Zeit von Menschenhand geschaffen wurde, aber zu wissen, dass dieses Fenster tatsächlich noch aus dem Jahr 1260 stammt und Meister Gerhard vielleicht selbst noch an der Gestaltung beteiligt gewesen ist, und jetzt davor stehen zu können bzw. zu dürfen, läßt meine Ehrfurcht noch größer werden.

Das besondere an dieser Kapelle ist, dass von 1322 bis 1864 hier der Dreikönigenschrein stand. Ursprünglich war zur Erinnerung dessen hier auch ein Mosaik verlegt, welches die Fahnen der drei Heiligen zeigte. Bei Ausgrabungen im Jahre 1947 wurde dieses jedoch zerstört. Über der offenen Ausgrabungsstelle wurde damals eine Betondecke eingebracht, die aufgrund durchgerosterer Stahlträger aber 1977 erneuert werden mußte. Hierauf wurden nun Mettlacher Fliesen verlegt. 1974 hatte man diese aus der (nicht mehr bestehenden) Dominikanerkirche in Düsseldorf gerettet.

Düsseldorfer Fliesen im Kölner Dom?? Naja, wir wollen mal darüber hinwegsehen.

In die unterste Stufe des Altarpodestes wurde sogar eine Inschrift diesbezüglich eingemeißelt. 
Aber noch etwas ist besonders an dieser Kapelle. Hier wurde einst ein Herz beigesetzt. Das Herz der französischen Königin Maria von Medici. In der Mitte findet man eine verlegte Marmortafel, die an beides erinnert, an den Dreikönigenschrein und an die im Jahre 1642 verstorbene Mutter der Könige, Königin der Franzosen.

Ebenfalls bemerkenswert finde ich auch die weitere Ausstattung dieser Kapelle. Nachdem das Mausoleum, welches die drei Heiligen Könige beherbergte, abgetragen worden war, wurde die Achskapelle umgestaltet. Die Hauptfarben, von Kirchenmaler Friedrich Schimmel aufgetragen, waren rot, blau und gold.

Wenn ihr das nächste Mal im Dom seid, schaut euch diese Kapelle etwas näher an. Ich bin mir sicher, auch ihr werdet diese Faszination und Ehrfurcht spüren.

Begegnungen - Frau Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, ehemalige Dombaumeisterin von Köln

Es ist Montag, der 19.03.2018, 10.00 Uhr vormittags. So langsam werde ich ein "kleines bißchen" nervös, weil ich gleich jemanden treffen werde, der von mir und ganz bestimmt von vielen Kölnern noch heute in einem Atemzug mit dem Kölner Dom genannt wird...Frau Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, ehemalige Dombaumeisterin von Köln. Am 01.01.1999 trat die am 23. Juli 1947 in Ludwigsburg geborene Architektin, Kunsthistorikerin, Denkmalpflegerin und Hochschullehrerin, als Nachfolgerin des langjährigen Dombaumeisters Arnold Wolff und als erste Frau dieses Amt an, welches sie 13 Jahre lang ausübte, bis sie am 01.09.2012 in den Ruhestand ging. 
Unter anderem haben wir ihr das Südquerhausfenster, das sogenannte "Richterfenster" zu verdanken und wenn ich ehrlich sein darf - ich finde es toll. Auch wenn seinerzeit viel darüber diskutiert wurde, ob ein solches, nicht biblisches Fenster, eine Daseinsberechtigung im Kölner Dom hat.

10:25 Uhr. Es ist soweit und Frau Prof. Dr. Schock-Werner empfängt mich sehr herzlich bei sich zuhause. Meine Aufregung verfliegt schnell in dieser angenehmen Atmosphäre. Bevor ich mit meinen Fragen beginne, fällt mir aber noch der direkte Blick auf den Dom aus dieser Wohnung auf. Einfach Phantastisch.

Meine erste Frage ist, wie es sich damals anfühlte, dieses besondere Amt anzutreten und in die Fußstapfen Meister Gerhards und dessen Nachfolger zu treten. Sie sagte, dass es, als sie das Amt antrat, schon ein Triumpfgefühl war, weil es genau das war, was sie schon immer machen wollte. Bis zu diesem Zeitpunkt lehrte Sie an der Universität in Erlangen, wollte aber gern zurück in die Praxis und als der damalige Dombaumeister Arnold Wolff, den sie da schon gut kannte, in den Ruhestand ging, bewarb sie sich für dieses Amt. Als erste Frau wohlgemerkt, was aber bei ihrer Bewerbung kein Problem darstellte. Außerdem führte bei ihrer fachlichen Kompetenz aufgrund ihrer Ausbildungen kaum ein Weg an ihr vorbei. Oder anders gesagt: Man hätte niemand besseren finden können! Es gab allerdings auch einen Moment, als sie im Chorgestühl saß und dachte: "bist du wahnsinnig, das kannst du doch überhaupt nie ausfüllen, diese Aufgabe". Diese Sorge legte sich aber bald und wie wir wissen, war sie unbegründet.

Auf meine Frage, ob es auch schwierige Entscheidungen gab, antwortete sie, dass es schon einige große Entscheidungen zu treffen gab, städtebaulich die entscheidendste war das Zugangsgebäude auf der Südseite. Gleichzeitig gab es die Störungen im Innenraum des Domes durch die vielen Turmbesteiger. Auf ihre Initiative und im vollkommenen Einverständnis mit der Denkmalpflege wurde daraufhin der uns bekannte Tunnel durch das Fundament gegraben (Heutiger Turmaufstieg und Zugang zu den Grabungen).

Eine weiteres Thema war die neue Beleuchtung. Aufgrund neuerer Gegebenheiten wird diese noch auf LED umgestellt. 
Auch fiel die Verschönerung der Ostseite des Domes im Jahre 2000 schon in ihre Amtszeit.
Und dann das "Richterfenster". Sie sagte, natürlich fragt man sich im Vorfeld, ob das richtig ist, was man macht oder ob man dem Dom eher schadet, denn wenn etwas schiefgeht, muss man sich dann später doch Vorwürfe machen. Das gilt übrigens für alle anderen Entscheidungen ebenso. Aber wie wir heute wissen, war dies eine sehr gute Entscheidung, denn die Kölner lieben dieses Fenster.

Ich fragte sie weiterhin, welches ihre Lieblingsorte im Dom sind. Am schönsten findet sie es im West-Triforium, wegen des schönen Blickes durch die Kirche, auf dem Vierungsturm und auch im Chorumgang vor dem großen Fassadenriß. Und selbst der Schrein der heiligen drei Könige fasziniert sie noch immer sehr. Bei den Führungen, die sie heute noch macht, finden daher viele Superlative Verwendung, um den Dom zu beschreiben.

Ihre Aufgaben den Dom zum heutigen Zeitpunkt betreffend, beinhalten zum Beispiel, dass sie sich bereit erklärt hat, mit dem Assistenten des aktuellen Dombaumeisters, eine "Technikgeschichte des Domes" entstehen zu lassen und zwar unter den Glocken in der Läuteebene, was allgemeinhin als Abstellraum für allerhand Dinge gedient hat die sonst keinen Platz hatten und wo auch ganz viele Dinge landen (Technikgeschichte). Das macht sie ehrenamtlich, und das gerne, denn eigentlich hätte sie das schon gerne während ihrer Amtszeit als Dombaumeisterin getan, was aber mangels Zeit nicht möglich war.

Ich wollte gerne von ihr wissen, was für sie das kölsche Gefühl ist. Sie sagte, das sei zum einen das Interesse an der eigenen Geschichte, welches in Köln deutlich ausgeprägter ist als anderswo und auch, sich zu engagieren. Sich mit der Stadt zu identifizieren. Und die vielen kölschen Lieder, über Stadt und Dom, was man auch in keiner anderen Stadt findet. 
Zum anderen die Freude daran, neugierig und begeisterungsfähig zu sein. Und die Kölner für irgendetwas zu begeistern, sei wesentlich einfacher, als die Menschen andernorts. Dann das Leben in der Stadt. Die Menschen hier sind urban, gehen raus unter Leute, in die Stadt, selbst an Sonntagen ist hier immer Leben. Und zu guter Letzt die Toleranz, auch Menschen zu akzeptieren, die anders sind, oder vielleicht auch einfach nur woanders herkommen. 
Trotz der Nachteile, wie Ärger mit der Verwaltung oder dass die Stadt nicht die sauberste ist...überwiegt doch alles vorher gesagte.

Ob sie Karneval feiert? Ja, tut sie. Und das mittendrin. Denn, wenn man, wie sie sagt, nicht die Stadt verläßt, was die einzige Alternative sei, dann könne man gar nicht anders. Sie persönlich findet es toll, wenn diese Stadt einfach mal ein paar Tage völlig "aussteigt". Sie erinnerte sich an ihren ersten Karneval in Köln, kurz nach ihrem Amtsantritt, als alles noch fremd und dadurch auch etwas belastend war. Beim singen, klatschen und schunkeln fielen diese Belastungen schnell von ihr ab. Manche Probleme schrumpfen dann wie von selbst. Und das ist noch heute so.

Auf meine Frage nach Ihren Rückzugsorten antwortete sie, dass sie, wenn sie mal Zeit hat, gern mit dem Rad am Rhein entlangfährt. Ansonsten ist ihre Wohnung mit Blick auf den Dom ihr liebster Rückzugsort.

Was würde sie tun, wenn sie einen Tag Oberbürgermeistern wäre?
Nun, und das sagte sie mit einem Lachen, sie würde dem FC sagen, dass er den Grüngürtel nicht vollbauen dürfe. Des Weiteren würde sie jemanden einstellen, der in die nicht funktionierende Verwaltung eingreift. Und auch wenn dies bereits geschehen sein sollte, eine Wirkung dessen wäre nicht spürbar.

An diesem Punkt möchte ich euch gerne das Buch "Köln auf den Punkt" von Prof. Dr. Schock-Werner empfehlen. Darin macht sie deutlich, dass sie ihre Stadt zwar liebt, sagt aber auch, was ihr nicht gefällt. Das ist das Ergebnis ihrer Kolumne im Stadtanzeiger, die sie seit einigen Jahren mit Artikeln füllt. Aus den ursprünglich vielleicht mal 5 geplanten Beiträgen sind inzwischen ca. 70 geworden.

Ihr Verhältnis zu Köln und den Kölnern? Bei aller liebevoll kritischer Sicht auf die Stadt ist sie sehr froh, hier gelandet zu sein und hier mit den Kölnern zu wohnen, zu leben und zu arbeiten.

Ich fragte sie noch nach ihrem Gefühl, wie die Kölner ihren Dom sehen. Sie sagte, das sei ein Phänomen. Sie kennt kein Bauwerk in Europa, zu dem die Bevölkerung nicht nur der Stadt, sondern der ganzen Region ein so intensiv emotionales Verhältnis hat. Und auch von Menschen, die von außerhalb kommen, hört man immer wieder diesen Satz: "Immer wenn ich in die Stadt komme, gehe ich zuerst in den Dom". Und dann heißt es "unser Dom".
Das größte Kompliment, welches Frau Prof. Dr. Schock-Werner bekam, war, dass sie irgendwann bei den Menschen "unsere Dombaumeisterin" wurde. Kann es eine schönere Liebeserklärung der Kölner an ihre Dombaumeisterin geben?
Als ich nach dem Interview wieder auf die Straße trete, bin ich um eine sehr schöne Begegnung reicher. 
Sie hat den Dom während ihrer Amtszeit geliebt und tut es noch immer. Ich habe selten einen Menschen so voller Herzenswärme, Begeisterung, Humor und einer so großartigen Ausstrahlung kennenlernen dürfen und darauf bin ich stolz. Für diese Begegnung danke ich Ihnen, Frau Prof. Dr. Schock-Werner, sehr.

Hut ab

"Gestatten: Ernst-Friedrich Zwirner, meines Zeichens Architekt und Dombaumeister zu Köln. Geboren wurde ich in Jakobswalde in Oberschlesien am 28.Februar 1802.

Mein Amt als Dombaumeister des Kölner Doms trat ich am 14. August 1833 nach dem Tode meines Vorgängers Friedrich Adolf Ahlert an. Trotz meiner Bedenken, als Protestant diese Stellung anzunehmen, zu der mich die staatliche Bauverwaltung in Berlin vorgesehen hatte, begann ich mit meiner Arbeit in diesem hohen Amt. Doch hatte ich gegen Widerstände mit den Konservativen zu kämpfen..."

Was meinte Zwirner damit? Nun, er setzte etwas durch, wofür wir ihm heute nur dankbar sein können. Denn als es darum ging, im Zuge der Domvollendung den Dachstuhl zu kontruieren, setzte er auf Stahl. Und tatsächlich setzte er sich gegen die Kräfte um August Reichensperger (Politiker, Jurist, und auch Förderer des Kölner Doms) durch, die an alten Traditionen festhalten wollten, sprich, einem Dachstuhl aus Holz, schließlich war ja der Dachstuhl des um 1300 fertig gewordenen Chores auch aus Eichenholz gefertigt worden.

(Zur Ergänzung: 1824 wurden die Eichenbalken des Chor-Dachstuhls durch Tannenholz ersetzt, da das erstgedeckte Bleidach nicht mehr vollständig war und der ursprüngliche Dachstuhl zu Teilen verwittert war. 1883 erhielt dann auch der Chor einen Dachstuhl aus Stahl).

Die schlagkräftigen Argumente Ernst-Friedrich Zwirners für eine Stahlkonstruktion überzeugten dann in einer scharfen Diskussion. Die Brandgefahr wäre deutlich verringert, ebenso konnte der Widerstand gegen Wind besser gewährleistet werden. Auch war Stahl in dieser Zeit günstiger als Holz. 
Im Gewicht würden sich beide Baumaterialien nur unwesentlich voneinander unterscheiden. So entstand ca. 30 Jahre vor dem Bau des Pariser Eiffelturmes eines der wichtigsten Denkmäler frühen Eisenbaus.

Der gesamte Dachstuhl hat ein Gewicht von ca. 180 Tonnen. Das allein ist schon beeindruckend. Dazu kommt aber noch das Gewicht der Bleiplatten, mit dem das Dach des Kölner Doms gedeckt ist. Dieses beläuft sich dann auch noch einmal auf ca. 600 Tonnen. Jedesmal, wenn wir uns also im Dom aufhalten, haben wir insgesamt ein Gewicht von ca. 780 Tonnen Dach über uns. Der Gedanke, dass die Fundamente und Mauerwerke all das tragen, läßt mich ehrfürchtig werden und wieder einmal wird mir bewußt, was für ein imposantes und wundervolles Bauwerk wir hier betreten dürfen.

Und Zwirner hat mit seiner modernen Denkweise und dem daraus resultierenden Ergebnis für noch etwas gesorgt. Damals natürlich noch nicht wissen könnend, was Jahrzehnte später geschehen sollte. Der eiserne Dachstuhl unseres Doms nämlich hat im zweiten Weltkrieg 14 schwere Bombentreffer mit Brandbomben fast unbeschadet überstanden.

Herr Ernst-Friedrich Zwirner, auch heute, über 150 Jahre nach Ihrem Wirken verneige man sich vor Ihnen in Dankbarkeit für Ihr Tun um unseren geliebten Kölner Dom.

Die Kehrseite der Medaille

Unser Dom...wir alle kennen und lieben ihn. Was von ihm ausgeht, was er ausstrahlt, innen wie außen, was er uns damit gibt, ist unbeschreiblich. Von seiner Entstehung und seinem langen Weg und Kampf über die Jahrhunderte, habe ich euch erzählt. Sein Schöpfer, Meister Gerhard, wußte, er würde ihn niemals vollendet sehen. So Gott wolle, würde er allenfalls die Vollendung des Domchores erleben. Er wußte, seine Arbeit würden noch Generationen nach ihm weiterführen. Viele Generationen...

Aber ob ihm auch bewußt war, was er den Menschen wirklich schenkte mit dieser Kathedrale? Vielleicht war es das. Und es war der Auftrag seines Lebens. Nachdem er schon an einem der Vorbilder des Kölner Domes, der Kathedrale von Amiens in Frankreich mitgearbeitet hatte, war es nun an ihm, ein solches Bauwerk in Köln zu erschaffen...

Jedesmal, wenn ich den Dom betrete, durch das Mittelschiff direkt zum Domchor schaue und diesen Anblick auf mich wirken lasse, denke ich an ihn und frage mich, ob er uns zusieht. Ob er sieht, dass seine Träume und Visionen wahr wurden. Diese Kathedrale ist Heimat. Ort der Begegnung, der Zuflucht, der Hoffnung und der Liebe. Und wir alle hoffen, dass das ewig so bleiben wird.

Aber jetzt kommen wir zu einem Knackpunkt. Wie oft habe ich, und ich wette, auch ihr, schon gehört: "Der Dom ist so schön, wenn nur diese hässlichen Gerüste nicht da dran wären" oder "das verschandelt den ganzen Dom". Diese Gerüste sind aber, ohne es dramatisieren zu wollen, lebensnotwendig für unseren Dom. Am Hauptgerüst z. B. sind mehrere Gerüstbauer ca. 2 Jahre lang damit beschäftigt, ein solches Gerüst anzubringen. Diese Arbeiten können nur bei perfektem Wetter ausgeführt werden, was wohl auch die lange Aufbauzeit erklärt. Hängt ein solches Gerüst, bleibt es für 10 Jahre an derselben Stelle. Somit hat man die Möglichkeit, brüchige Stellen auszubessern, ja, ganze Teile, wie Türmchen, zu erneuern und auszutauschen, die zuvor in monatelanger, liebevoller und originalgetreuer Handarbeit von Menschen gefertigt wurden, die stolz darauf sind, ein Teil derer zu sein, die dazu beitragen, den Dom zu erhalten. Damit er den Menschen, die ihn lieben, bleibt.

Was würde im Umkehrschluss passieren, wenn es diese Gerüste nicht gäbe? Manche mögen jetzt sagen: es würde schöner aussehen. Ja, aber für wie lange? Unser Dom würde zerfallen. Es passiert ab und zu, dass ein Stück Gestein abbricht und herunterfällt. Noch ist das nicht oft, aber ohne die ständigen Arbeiten am Dom wäre das bald die Regel. Die Domplatte, bzw. das ganze Gelände um den Dom herum müsste abgeriegelt werden, auch das Betreten unserer Kathedrale wäre dadurch nicht mehr möglich. Das alles würde nicht heute oder morgen geschehen, aber der Verlust unseres Domes wäre unaufhaltsam...ein Gedanke, den ich nichtmal zu Ende denken möchte...
Für mich persönlich gehören die Gerüste zum Dom, genauso, wie der Dom zu Köln gehört.

Frau Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, ehemalige Dombaumeisterin des Kölner Domes, sagte einmal in einer Dokumentation, und ich zitiere: "Der Kölner Dom ohne Gerüst ist keine Wunschvorstellung, der Kölner Dom ohne Gerüst ist eine Schreckensvorstellung, denn der Kölner Dom ohne Gerüst ist der Dom ohne Pflege".

Halten wir uns das immer vor Augen, wenn wir den Dom betrachten, dann werden er und die Gerüste, die eine Art Lebensader für ihn sind, zur Einheit auf dem Weg zur Ewigkeit...

Fratzen, Engel und Dämonen

Himmlisches Jerusalem auf Erden werde ich genannt. Ein Gebirge aus Stein werde ich genannt. Und tatsächlich bin ich das auch. Und wen meine äußere Erscheinung schon fasziniert, ist ergriffen, wenn er mich schließlich betritt und umgeben ist von meinen gewaltigen Säulen, den kunstvollen Fenstern, darüber den Gewölbedecken, meine mich tragenden Fundamente, um nur einiges zu nennen. Außen dieses unglaublich filigran wirkende Strebewerk. Aber wer dort genauer hinsieht, findet noch etwas anderes. Kennt ihr diese Wimmelbilder? So ähnlich verhält es sich auch mit diesen "Wesen". Manche sind schon etwas schwer zu entdecken, da sie nicht, wie andere ihrer Artgenossen weiter unten, direkt zu sehen sind. Sie schauen von weiter oben auf uns herab.

Wovon ich euch erzähle? Von den vielen, vielen kleinen und großen Figuren, mit denen man mich verschönert hat. Ok, verschönert trifft es nicht unbedingt, denn außer den Engeln, wovon sich übrigens gleich 8 allein an meinem Vierungsturm tummeln, jeder einzelne über 4 Meter gross und über 2 Tonnen schwer, Heiligen und Aposteln, trifft man auch auf recht schräge Gestalten. Mischwesen mit hässlichen Fratzen, Dämonen, Hexen, hundeähnlichen Tiergestalten, Geißböcken (oder ähnliches) und ja, selbst Teufel bevölkern mich geradezu.

Aber was, und ich sage bewusst, "um Himmels Willen" haben solche Kreaturen auf einer Kathedrale wie mir zu suchen? Das passt doch nicht - könnte man meinen. Aber...und jetzt kommt der Himmel wieder ins Spiel...viele dieser Wesen aus Stein sind Wasserspeier, die das in Rinnen gesammelte Regen- und Schmelzwasser von mir fernhalten sollen. Ohne diese Wasserspeier würden meine Mauern sehr viel schneller verwittert sein und auch die sensiblen Fenster, die teils sehr alt sind, hätten gelitten. All die Menschen, die ihre ganze Kraft daransetzen, mich zu erhalten, kämen ja mit ihrer Arbeit gar nicht mehr hinterher und das wäre sehr schade, denn stellt euch Köln mal ohne Dom vor...wahrlich kein schöner Gedanke, also schnell weg damit.

Einige dieser Wasserspeier wurden schon sehr früh an meinem gerade vollendeten Chor angebracht, andere erst später, zum Teil erst im 19. und 20. Jahrhundert. Einige stammen sogar aus diesem Jahrhundert, sind also noch relativ jung. Erstaunlich, an was schon meine ersten Baumeister so alles dachten. 
Manche Speier mussten allerdings schon erneuert werden, weil der Zahn der Zeit an ihnen nagte. Einige Originale bzw. Gipsmodelle der Originale befinden sich heute im Depot der Dombauhütte, während andere längst verschollen sind.

Warum aber nahm man nun solch dämonische Kreaturen, die doch dem Liebreiz der Engel so widersprachen? Im Mittelalter (und ihr wißt ja, der Grundstein für mich wurde bereits 1248 gelegt), glaubte man noch sehr an Dämonen. Eine Möglichkeit, was man sich also bei der Wahl dieser Kreaturen dachte, ist die, dass man glaubte, damit Böses von mir fernhalten zu können, sogar, dass bei Unwettern dämonische Kräfte am Werk waren. So heißt es, dass der Teufel in einer Sturmnacht im Oktober 1434 aus Zorn über die Wallfahrt der Menschen zu den drei Heiligen einen schweren Stein nach dem Schrein geworfen, aber knapp verfehlt haben soll. Seltsam, daran kann ich mich gar nicht erinnern.

Des Weiteren dienten Wasserspeier auch dazu, auf Moral und Sitte hinzuweisen, indem man Bildnisse menschlicher Ausschweifungen an mir anbrachte. Übrigens nicht nur an mir, auch andere Bauten wurden auf diese Weise verschand..."verschönert". Noch dazu kommen hunderte von Mini-Zierwasserspeiern. Die haben, wie einige ihrer großen Brüder und Schwestern keine weitere Funktion, außer einfach nur da zu sein.
Sehenswert sind sie allesamt. Wenn ihr mich das nächste Mal besucht, schaut mich mal etwas genauer an. Ihr werdet überrascht sein.

Begegnungen - Der Dompropst der Hohen Domkirche St. Petrus zu Köln


Wie vielen Menschen begegnet man im Leben. Tausenden. Familie, Freunden, Arbeitskollegen. Denjenigen, an denen man vorbeigeht, ohne sie jedoch wirklich wahrzunehmen. Und dann gibt es Menschen, die man gerne kennenlernen möchte, um etwas über sie und ihr Wirken zu erfahren, weil man etwas mit ihnen teilt. In diesem Fall, von dem ich euch erzählen möchte, handelt es sich um die Liebe zu unserem Dom. Und ich hatte das Glück und die Ehre (auch Dank des Mitwirkens seines Medienreferenten, Herrn Markus Frädrich), den Hausherrn des Kölner Doms, Herrn Dompropst Gerd Bachner, kennenlernen zu dürfen.

Geboren wurde er am 23.04.1945 in Burgstädt/Sachsen und wurde 1972 im Erzbistum Köln zum Priester geweiht. Seit dem 19.04.2015 bekleidet er das Amt des Dompropstes.


Es ist Dienstag, der 05.12.2017, 10.00 Uhr vormittags, als ich in der Dompropstei auf das herzlichste empfangen werde. Schon beim Betreten der Räumlichkeiten spürt man die Harmonie und Freundlichkeit, die hier herrscht, was mir meine ja doch etwas vorhandene Nervosität zum großen Teil nimmt. Nachdem wir im Büro des Dompropstes Platz genommen haben, darf ich ihm die Fragen stellen, um die es mir besonders geht und schon an dieser Stelle möchte ich mich sehr für die Zeit bedanken, die er sich für die Beantwortung genommen hat.

Nun zu meinen Fragen. Die erste, die ich ihm stelle, ist die nach dem Arbeitsalltag bzw. den Aufgaben eines Dompropstes. Er antwortet darauf, dass diese sehr vielfältig seien, was ihn selbst überraschte, als er das Amt des Dompropstes antrat, in welches er in den ca. 3 Jahren seiner Amtszeit hineingewachsen ist. Denn obwohl er bereits seit 2005 dem Domkapitel als Domkapitular angehört hat, ist es doch noch einmal ein Unterschied, Domkapitular zu sein, oder das Metropolitankapitel als Dompropst zu leiten. Der Dom gehört ja sich selbst, das Metropolitankapitel verwaltet diesen und der Dompropst leitet das Metropolitankapitel. Aus diesem Grund ist auch der Dompropst der Hausherr und nicht der Bischof, obwohl der Dom Bischofskirche ist.

(Zur Erklärung: Ein Domkapitel ist die Leitungskörperschaft einer Bischofskirche. Weil man Erzbistümer wie Köln auch als „Metropolitanbistümer“ bezeichnet, heißt das Domkapitel in Köln offiziell „Metropolitankapitel“).

Zu seinen Aufgaben gehört es, Dienstgeber für alle Mitarbeiter/innen zu sein (184 derzeit), wovon allein ca. 100 davon der Dombauhütte in den verschiedensten Berufen, wie Steinmetze, Restauratoren, Gerüstbauer, Elektriker, Mitarbeiter der Glaswerkstatt usw., angehören. Ebenso gehören die Mitarbeiter/innen der Dompropstei, der Rendantur (Abteilung für das Kassenwesen) und auch deren Personalabteilung, der Dombaumeister, mit dem er trotz aller Eigenverantwortlichkeit dessen alle Bauvorhaben am Dom bespricht, die Domschweizer, Küster, die hauptamtlichen Musiker, die Mitarbeiter/innen der Schatzkammer und Turmbesteigung sowie des Kiosks am Domkloster 4 und einige andere mehr zu den Menschen, die ihre Arbeit im und am Dom verrichten. Diesen Menschen Dienstvorgesetzter zu sein, so sagte Herr Prälat Bachner, sei ihm eine große Freude. Und er sagte noch etwas, was mich persönlich sehr berührte, nämlich, dass der Dom ein Schatz ist, seine Mitarbeiter aber sein größter Schatz seien, weil sie ihm, stets mit voller Freude, am Dom arbeiten zu dürfen, zur Seite stehen.

Nun ist der Dompropst aber kein Verwaltungsmensch, nein, in erster Linie ist er, und das mit Leib und Seele, seit nunmehr 45 Jahren Priester, was, wie er sagt, für ihn eine sehr erfüllende Aufgabe ist, sei es die Feier der Eucharistie, die Gebete in und mit der Gemeinde oder die Gottesdienste. Ebenso ist die Beichte für ihn ein sehr wichtigtes Thema und er berichtet, dass immer mehr junge Menschen dorthin kommen und danach gestärkt durch das Sakrament der Versöhnung weiter ihr Leben gestalten können. Diesen Menschen zur Seite zu stehen, gibt auch ihm selbst Kraft und Hoffnung.

Eine weitere Aufgabe ist die Repäsentation in die Stadt hinein. Köln und der Dom sind eine Einheit und er erlebt immer wieder, wie sehr die Menschen ihren Dom in ihr Herz geschlossen haben, was ihn in seiner Arbeit natürlich sehr unterstützt. Dazu kommen all die, die den Erhalt des Domes unterstützen, z. B. als Mitglied im Zentral-Dombauverein zu Köln. Als Dompropst, so sagt er, ist er viel unter den Bürgern unterwegs, aber eben nicht nur als Dompropst, sondern als Priester, wobei sich so einige Gespräche über den Dom, aber auch über den Glauben und Gott ergeben. Dass der Dom nicht nur kulturelles Gut ist, sondern auch Haus Gottes, möchte er so in den Menschen wachrufen.

Mit Aktionen, wie "Silent Mod" im letzten Jahr oder einer geplanten llumination am Roncalliplatz im September 2018, wo um Erhalt und auch Schaffung des Friedens aufgerufen werden soll, ebenso wie in Bezug mit Gott zu kommen, setzt er Zeichen dafür, dass sich hier Tradition und Moderne gut miteinander kombinieren lassen. Auch in den sozialen Medien ist viel über den Kölner Dom und den Gottesdiensten sowie verschiedene Events zu finden, um auch junge Menschen damit erreichen zu können. Auch wir "Kölschgänger" versuchen, einen kleinen Teil dazu beizutragen.

Als Leiter des Metropolitankapitels beschäftigt sich der Dompropst aber auch mit Projekten, wie zum Beispiel der "Historischen Mitte". Hierbei handelt es sich um eine Sanierung bzw. den Neubau verschiedener Gebäudekomplexe am Roncalliplatz. Das Römisch-Germanische Museum und dessen Verwaltungsgebäude, das Stadtmuseum und das Kurienhaus sollen zu einem gemeinsamen, zukunftsweisenden Ensemble vereint werden. Das würde dann die römisch-germanische Geschichte der Stadt Köln, sowie die Stadtgeschichte selbst und die Dombaugeschichte an einem Ort zusammenführen. Ein für mich wunderbarer Gedanke. Darüber entscheiden, ob dieses Projekt Realität wird, wird das Domkapitel und der Rat der Stadt im nächsten Frühjahr.

Ich kann an dieser Stelle nur sagen, dass man bei den Ausführungen von Herrn Dompropst Bachner in jedem Satz spürt, dass er seine Aufgabe lebt, sie für ihn Berufung ist und nicht nur Beruf.

Als nächstes erwähne ich, dass ich den Dom gerne einfach mal für mich hätte, ganz allein und in der Stille und frage ihn, wie er das sieht. Er kann diesen Wunsch teilen, sagt aber auch, dass es angesichts der Tatsache, dass der Dom die Sehenswürdigkeit Nr. 1 in Deutschland und der damit verbundenen Besucherzahl, welche in Spitzenzeiten (im Sommer oder auch jetzt zur Adventszeit) bis zu 36.000 Menschen täglich beträgt, schwierig ist, den Menschen, die den Dom besuchen wollen, aber gleichzeitig auch der Stille gerecht zu werden. Also werden zu den verschiedenen Gottesdiensten und Messen immer wieder bestimmte Teile des Doms für Besucher gesperrt, um in dieser Zeit die von den Menschen im Gebet benötigte Ruhe und Stille etwas gewährleisten zu können. Lediglich die Sakramentskapelle ist immer für Besucher gesperrt, hier findet auch der Dompropst die Stille zum Gebet, oder zur Anbetung.

Wer den Dom aber wirklich nur mit ganz wenigen Menschen teilen möchte, der kann an einer der angebotenen Nachtführungen teilnehmen, in der man die Stille und Mystik des Domes genießen kann, oder die von Herrn Dompropst Bachner ins Leben gerufenen "abendlichen Glaubenswege", bei denen es aber nicht um eine kunsthistorische Führung geht, sondern um eine geistliche. Für diese Führung, die immer am ersten Mittwoch des Monats stattfindet, sollte man sich frühzeitig im DOMFORUM anmelden, da an dieser Führung jeweils max. 40 Personen teilnehmen können. Die Führung ist kostenlos und beginnt in den Sommermonaten abends um 21.00 Uhr, wenn der Dom geschlossen wird und in den Wintermonaten um 19.30 Uhr.

Zum Schluss frage ich den Dompropst nach seinen Lieblingsorten im Dom. Er sagt, einer der Plätze sei die Empore im Westportal, das Triforium, weil man dort von dem, was sich unten im Dom abspielt, nicht viel mitbekommt, und einen wunderbaren Gesamtblick in den Dom bekommt.

Der zweite Ort ist der Schrein der Heiligen Drei Könige. Dort hält er sich gerne auf, weil die Botschaft der Könige, wie er sagt, für sein Leben steht. Die Botschaft der Heiligen Drei Könige ist es, unterwegs zu Gott zu sein. Und das ist sein eigener Weg. Die Heiligen Drei Könige sind ihm Vorbild.

Als das Interview nach einer halben Stunde vorbei ist, verlasse ich die Dompropstei wieder, voller Dankbarkeit, in den letzten 30 Minuten einen sehr warmherzigen und freundlichen Menschen kennengelernt haben zu dürfen.

Es gibt Begegnungen dieser und jener Art. Diese war eine ganz besondere, für die ich Herrn Dompropst Gerd Bachner von ganzem Herzen Danke sage.


 

St. Gereon und die wissende Säule

 

Sie ist schon von außen eine Erscheinung. St. Gereon. Ich bin zu Fuß unterwegs in Köln, unweit des Domes, als ich auf diese Basilika stoße. Sie gehört zu den zwölf großen romanischen Kirchen in Köln, wobei sie nicht einfach eine Kirche ist, nein, St. Gereon erhielt 1920 einen höheren Rang, als sie durch Papst Benedikt XV zu einer Basilica minor erhoben wurde, was die Bindung an den römischen Bischof und die Bedeutung dieser Kirche für ihre Umgegend betont. Das aber nur am Rande, denn das für mich persönlich wirklich faszinierende ist, dass die Entstehung dieser Kirche bereits im 4. Jahrhundert begann und sie damit eine der ältesten Kirchen Deutschlands ist, die noch Bestand hat. 
Ich öffne die Eingangstür, trete ein und befinde mich zunächst in einem Vorraum. Allein schon dort findet man unter anderem eine kleine Kapelle für sich, in der figürlich die Maria mit dem Leichnam des gekreuzigten Jesus im Arm dargestellt ist. Ich gehe auf das große Portal zu. Bilder des Innenraumes kenne ich bereits aus Büchern und dem Internet, aber was mich beim Eintreten dann wirklich erwartet, ist unbeschreiblich. Ich betrete, mal wieder, eine andere Welt. Der mehreckige Kuppelbau mit seinen Farben an der Decke, so hoch, dass er förmlich in den Himmel zu wachsen scheint, den bunten Fenstern, ebenso wie das Alter dieser Kirche, welches man beim Anblick dieses Raumes regelrecht spüren kann, läßt mich andächtig oder besser gesagt, eher ehrfürchtig werden. 

 

Direkt neben dem Eingang befindet sich etwas, bei dem man sich - laut einer Legende - gut überlegen sollte, näher zu kommen. Die Blutsäule. In dieser Legende heißt es, diese Säule weiß zu unterscheiden, ob jemand gut oder böse ist. Die Inschrift der über der Säule angebrachten Tafel scheint dies zu bestätigen, denn übersetzt steht dort sinngemäß, dass man es glauben soll, über diese Säule lief vor langer Zeit Blut und wer schlimmes getan hat, wird dort seine Strafe erhalten. Man hatte also den Glauben, diese furchterregende Steinsäule werde diejenigen, die schwere Sünden begangen haben, richten. Wie aber kam es dazu...in dieser Legende soll über diese Säule das Blut der heiligen Märtyrer geflossen sein, welche zur Legion des heiligen Gereon gehörten. Und tatsächlich heißt es weiter, dass der merowingische König Thiederich plötzlich tot umfiel, nachdem er in einer Schlacht seinen Bruder Theudebert besiegte, seinen Bruder und seinen Neffen tötete, um an die Macht zu gelangen, und sich dann, seine ihn warnenden Ratgeber noch verhöhnend, vor diese "wissende" Säule stellte. Man fand lediglich eine Stichwunde bei ihm, aber niemand konnte erklären, wo diese herkam.
Nicht, dass es für mich einen Grund gäbe, Angst zu haben, nun vor dieser Säule zu stehen, aber ein seltsames Gefühl ist es bei dem Gedanken an diese Legende dennoch...

 

Immer noch von dem Gefühl erfüllt, was diese wunderschöne Kirche in mir ausgelöst hat, trete ich wieder nach draußen und setze meinen Spaziergang fort. 

Ich kann euch einen Besuch dieser Kirche wirklich nur empfehlen.

 

Aber Vorsicht bei der Blutsäule...

Engel, Heinzel, Lichtermeer

Diese Zeit, die nun vor uns liegt, hat mich von Kindertagen an fasziniert. Wenn in der Vorweihnachtszeit überall in den Fenstern und auch draußen in den Vorgärtern die Lichter leuchten und glänzen. Manche bunt blinkend, andere schlicht weiss. Mancherorts begegnet man sogar Schneemännern, Rentieren oder anderen winter- und weihnachtlichen Figuren. Wenn es dann vielleicht sogar noch schneit, ist es perfekt.

An dieser Faszination hat sich bis heute für mich nichts geändert. Ich habe es mir bewahren können, diese Glitzerwelt durch die Augen eines Kindes sehen zu können. Umso mehr freue ich mich dementsprechend darauf, in wenigen Tagen wieder nach Köln zu kommen...was diesmal mehrere Gründe hat.
Klar - und eigentlich brauche ich das, glaube ich, gar nicht mehr besonders zu erwähnen, aber er steht nunmal ganz oben..."mein" Dom. Der erste Weg, nachdem ich mein Gepäck im Hotel "entsorgt" habe, geht direkt dahin. Und es wird sein, wie jedesmal, wenn ich ihn dann wieder betrete...wie ein nach Hause kommen - endlich wieder...
Eine Kerze anzünden, einen kleinen Rundgang machen, den typischen Geruch, der mich schon beim Eintreten empfängt, wahrnehmen, zur Ruhe kommen.

Und dann wird's ernst  Nein Spass! Aber da es dann bereits Mittag sein wird, haben die Weihnachtsmärkte schon geöffnet und ich werde mich mit wachsender Begeisterung auf einen ausgedehnten Bummel über am ersten Tag mindestens schonmal zwei Märkte begeben. An erster Stelle - bietet sich ja auch an - natürlich über den am Dom. Laut Vorhersage soll es in dieser Zeit sogar etwas Schnee geben. Viele werden davon nicht begeistert sein, was ich teilweise auch nachvollziehen kann. Für mich wäre es ein Traum. Schnee in Köln hatte ich bisher noch nicht 

Dann gehts weiter zu den Heinzelmännchen in der Altstadt. Dort herrscht wieder eine ganz andere, aber ebenfalls besondere Atmosphäre. Der Markt besteht aus Gassen, nach Themen gegliedert, mit Namen, wie zum Beispiel Naschgasse oder Spielzeuggasse und viele mehr. 
Besonders zu erwähnen ist dort die Eisbahn, die sogar über die Dauer des Weihnachtsmarktes hinaus geöffnet ist, nämlich bis in den Januar hinein.

Am nächsten Tag gehts dann zum Markt der Engel am Neumarkt. Jeder Weihnachtsmarkt hat seine ganz eigene Stimmung, seinen ganz eigenen Zauber. Und mal sehen, auf welchen es mich dann noch verschlägt. 
Mein persönliches Highlight aber, was ich in diesen Tagen erleben werde, und darauf bin ich besonders stolz und fühle mich auch sehr geehrt, wird mein Termin bei Herrn Dompropst Bachner sein...
Wie sehr ich mich dem Dom verbunden fühle, habe ich schon oft zum Ausdruck gebracht, und jetzt ein Gespräch mit dem "Hausherrn" führen zu dürfen, über seine Arbeit, über sein Leben als Dompropst, ist etwas ganz besonderes für mich, worüber ich euch gerne beim nächsten Mal berichten werde.

Bis dahin wünsche ich euch eine Zeit voller Ruhe, Liebe und Besinnlichkeit in dieser sonst so hektischen Welt.

Ein Apfel für das Jesuskind

Wenn ich an Köln denke, denke ich zuerst - natürlich - an "meinen" Dom. Köln und der Dom sind einfach untrennbar miteinander verbunden und beide haben mich schon bei meinem ersten Besuch in ihren Bann gezogen...und nie mehr losgelassen...

Und doch stehen in seinem Schatten 12 romanische Kirchen innerhalb der ehemaligen Stadtmauer Kölns, die ebenfalls ihre Geschichten zu erzählen haben. So wie St. Maria im Kapitol. Kapitol deshalb, weil sie, zumindestest zum Teil, auf Steinblöcken des römischen Haupttempels errichtet wurde. 
Im Laufe ihrer Geschichte wurde sie mehrfach zerstört durch Brand und Krieg und doch immer wieder aufgebaut. Sie war lange Zeit die bedeutendste Kirche Kölns (also nach dem Dom natürlich). Feierte doch der Erzbischof die erste Weihnachtsmesse immer in St. Maria im Kapitol, die zweite wurde in St. Caecilien zelebriert und die dritte schließlich im Dom. Auch der Rat zog am Dreikönigstag in der Prozession, in der die heiligen drei Könige geehrt wurden, von St. Maria im Kapitol zum Dom.
Gab es Sturm oder Feuer in der Stadt...hier wurde die Glocke, auch Bramglocke genannt, geläutet.

Es ranken sich einige Legenden um diese Kirche, und von einer möchte ich euch erzählen.

Wenn man sich wundert, dass man bei der Marienstatue, die sich in der Kirche befindet, immer wieder frische Äpfel vorfindet, so hat das nicht seinen Grund darin, dass die Besucher der Gottesdienste stets gut versorgt sein sollen, sondern diese Tradition geht auf die sogenannte "Apfellegende" des heiligen Herman Joseph zurück, der vor ca. 900 Jahren als Kind jeden Tag in diese Kirche kam. Man sagt, er hatte schon von klein auf eine besondere Verbindung zu Maria und ihrem Kinde. So bot er ihr eines Tages einen Apfel für ihr Kind an, die Gottesmutter beugte sich zu ihm herunter und nahm sein Geschenk für ihr Kind an. Als seine Eltern das nötige Schulgeld für ihn nicht mehr aufbringen konnten, wurde ihm von Maria zum Dank eine Stelle offenbart, an dem er wertvolle Münzen fand. Er konnte weiter zur Schule gehen und auch seine Eltern hatten keine Sorgen mehr...
Diese Legende hält sich bis heute, denn nach wie vor werden noch heute an dieser Stelle Äpfel abgelegt.

Neben den Legenden gibt es aber noch mehr, was heute fasziniert. 
Sehenswert neben der heute noch aus dem 
11. Jahrhundert erhaltenen, ca. 5 Meter hohen, mit Reliefs verzierten Holztür, die es so im gesamten mitteleuropäischen Raum nicht mehr zu finden gibt, sind die Knochen eines eiszeitlichen Grönlandwals, der sich vermutlich in einem Rheinarm verirrte und dort verendete. Ein Wal im Rhein? Groß und breit ist der Fluss ja, aber...und doch...tatsächlich ereignete sich ein solcher Vorfall im Jahre 1966 noch einmal. Bereits vor Jahrhunderten gefunden, hängen die Knochen an einer Kette über einem Beichtstuhl. Bekannt sind sie in Köln als "Zint Märjensrepp" (Rippe der heiligen Maria).

Auch wenn für mich meine "kleine Dorfkirche" nach wie vor das schönste, mystischste und bedeutendste Bauwerk ist und immer bleiben wird...die romanischen Kirchen Kölns sind es wert, auch ihnen Aufmerksamkeit zu schenken.
Lasst euch auf eine Reise in die Vergangenheit entführen, wenn ihr sie besucht...

Das Wahrzeichen vor dem Wahrzeichen

Fragt man einen Kölner, was das Wahrzeichen seiner Stadt ist, bekommt man zur Antwort: "unser Dom". Ich muss das allerdings etwas erweitern, denn diese Frage würde wohl jeder so beantworten, ob Kölner oder Nicht-Kölner. Aber das heutige Wahrzeichen Kölns hatte einen Vorgänger, der - sagen wir mal - etwa 300 Jahre lang die Stellung gehalten hatte. Während dieser Zeit war es nicht der Dom selbst, der weithin sichtbar war, sondern ein knarrendes, quietschendes Ungetüm. Es war der mittelalterliche Baukran, der auf dem halbfertigen Südturm thronte. 
(Ich füge meinen Beiträgen immer gerne dazu passende Fotos bei, man möge mir verzeihen, dass mir das, was den Kran betrifft, aus "alterstechnischen" Gründen diesmal leider nicht möglich ist :-).

Man muß sagen, dass dieser Kran in seiner Zeit eine wirkliche Arbeitserleichterung darstellte. Zwar mußte er von Menschen in einem "Laufrad" angetrieben werden, aber es konnten mit dieser Konstruktion, die 25 m hoch war, bis zu sage und schreibe 2 Tonnen Gewicht gehoben werden.

Als die Arbeiten am Dom 1560 eingestellt wurden, blieb der Kran auf dem Südturm stehen. Man hatte ihn da gelassen, für den Fall, dass am Dom weitergebaut würde.

Als Köln 1815 preußisch wurde, sorgte die neue Obrigkeit für Ordnung in der Stadt. So wurde der Kran auf dem Südturm, ja nun einige hundert Jahre alt, im Jahre 1816 einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen, der er aber nicht standhielt. Gegen den Plan des Abrisses wehrten sich die Kölner Bürger und so wurde eine zweite Überprüfung angesetzt, die aber zum gleichen Ergebnis führte. Der Kran war morsch und außerdem rund 2 Meter aus seiner einstigen Position verschoben. Zur Beruhigung der aufgebrachten Bürger wurde aber zuerst nur der Ausleger abgebaut.

Und jetzt etwas faszinierendes: Bei dieser Demontage wurde ein Zettel gefunden, auf dem in alter Schrift stand, dass am 
10. Oktober 1693 gegen 18:00 Uhr ein Blitz in die Spitze des Krans eingeschlagen hatte und dabei einen Brand verursachte . Bis dieser gelöscht werden konnte, war allerdings schon erheblicher Schaden entstanden. Das aber nur am Rande...

Auch wenn der ehemalige Bürgermeister der Domstadt, der 1818 verstarb, in seinem Testament verfügte, dass 1.800 Taler aus seinem Nachlass für den Bau eines neuen Auslegers verwendet werden sollten, und dies auch tatsächlich geschah, verstummte das Quietschen des Krans im Jahre 1868 endgültig. Denn als die Arbeiten am Südturm im Jahre 1867 weiter vorangingen, war der Kran im Weg. 
Er hatte seine Schuldigkeit getan.

Was aber ist aus ihm geworden...?

Eigentlich würde man jetzt vermuten, er wäre schlicht und einfach zerlegt und entsorgt worden. Aber weit gefehlt!

Aus dem guten Stück wurden z. B. kleine Sachen geschnitzt und in verschiedenen Geschäften als Erinnerungsstück an den Domkran verkauft. Es wurden sogar Möbelstücke daraus gebaut. Viele dieser Dinge haben leider Unruhen oder den
2. Weltkrieg nicht überstanden. Einige wenige dieser Kunstwerke aber gibt es noch heute. So wie ein ca. 60 cm hohes Kreuz, welches sich im Besitz des Domes befindet, ebenso eine Miniatur des Domkrans, hergestellt aus dem Holz des Originals. Sehr beeindruckend finde ich allerdings auch, dass ein aufwändig geschnitzter Stuhl aus eben diesem Holz und mit erster Polsterung seinen Weg zurück dahin fand, wo er einst entstanden war...in den Kölner Dom. 
Dieser Stuhl befand sich im Familienbesitz einer alten Dame, die ihn schließlich dem Kölner Dom schenkte, nachdem er sie auf vielen Stationen, wie z. B. Singapur und zuletzt Spanien begleitet hatte.

So ist der alte Kran zwar nicht mehr da...aber das, was aus ihm wurde - oder zumindest ein Teil davon - bleibt unserem Dom, der seit nunmehr fast 140 Jahren das Wahrzeichen Kölns ist... so doch erhalten.

Ein Glücksrad im Kölner Dom

Klingt etwas seltsam, weil man ein solches in einem Dom eher nicht vermuten würde oder? Aber dazu gleich mehr...

Betritt man den Dom, schaut man zuerst fasziniert nach oben zu den Gewölbedecken, zu den teils noch aus dem Mittelalter stammenden Fenstern oder durch das Mittelschiff Richtung Dreikönigenschrein. Der ein oder andere zündet eine Kerze an und beginnt dann seinen Rundgang durch den Dom, bewundert die vielen alten und teils riesigen Gemälde oder Skulpuren, die einzelnen Chorkapellen mit ihren kostbaren Kunstwerken, unter anderem dem Originalriß der Westfassade, der unter einem grünen Samtvorhang in einem Glaskasten aufbewahrt wird (ich erwähnte ihn schon mal in einem früheren Beitrag). 
Schließlich steht man dann vor dem "Bauwerk", für welches der Dom gebaut wurde.

Geht man ein Stück zurück, kann man in einer der Holzbänke Platz nehmen, um für einen Moment zur Ruhe zu kommen oder um die Stimmung, die man im Dom spürt, einfach auf sich wirken zu lassen, bevor man anschließend wieder hinaus geht.

Ein Kunstwerk allerdings - nimmt man kaum bis gar nicht wahr.

Während man sich nämlich auf die eben genannten konzentriert, tritt man es buchstäblich mit Füßen. Und dabei handelt es sich um das Kunstwerk "Chormosaik", der Fußboden im Bereich der Vierung, des Binnenchors und des Chorumgangs, wohingegen im restlichen Dom eher schlichte Platten liegen.

Die Entwürfe für all das lieferte Ende des 19. Jahrhunderts August Ottmar Essenwein, ein Architekt, der sich aber auch an der Restaurierung von Kirchen, wie z. B. der Frauenkirche in Nürnberg oder des Braunschweiger Domes, sowie einiger Kölner Kirchen, wie St. Maria im Kapitol oder Groß St. Martin beteiligte.

Das Domkapitel wünschte allerdings keine Abbildungen von heiligen Gegenständen oder Personen, einem Kreuz oder Sakramenten, um diese eben nicht "mit Füßen zu treten". Und so entschied er sich für Dinge wie Tierkreiszeichen, menschliche Temperamente, die Himmelsrichtungen und vier Elemente Wasser, Feuer, Erde und Luft. 
Weiterhin erscheinen zwischen den Chorgestühlen Lebensalter von Menschen und deren Tätigkeiten unter Planeten. Im Hochchor sind der Kaiser mit den 7 freien Künsten, großen europäischen Flüssen und Nationalkirchen zu sehen, vor dem Hochaltar erscheint der Papst (alles aus damaliger Zeit natürlich). 
Essenwein stellte für den Chorumgang eine Liste mit Namen von 93 Bischöfen und Erzbischöfen Kölns zusammen, allen voran Hildebold und Konrad von Hochstaden, der am 15. August 1248 den Grundstein zum Bau unseres schönen Domes legte.

Aber da war doch noch was mit einem Glücksrad...

Es handelt sich natürlich nicht um ein solches Glücksrad, wie man es jetzt vielleicht vor Augen hat. Nein, es ist ein weiteres Mosaik im Binnenchor und ich würde es eher "Rad des Schicksals" nennen. Es soll die Wechselfälle des Lebens symbolisieren, gleichzeitig aber auch vor allzu großer Gier nach irdischen Gütern warnen. 
Vorbild war vermutlich eine ähnliche Darstellung in der Kathedrale von Siena.

Wenn ich das nächste Mal da bin, werde ich...wie immer, weil ich gar nicht anders kann...wieder den Blick durch meinen Dom schweifen lassen...auch wie immer voller Ehrfurcht und niemals endender Faszination. Aber ich werde auch mit dem Blick nach unten gerichtet eines der größten Kunstwerke im Dom wahrnehmen und betrachten - das Chormosaik. Und ich bin mir sicher, ihr werdet das auch...

Letzte Ruhestätte - Kölner Dom

Bei meinem letzten Besuch in Köln drehte ich, wie schon so oft, meine Runden um den Dom. Von dem faszinierenden Anblick, der sich mir jedesmal bietet, werde ich wohl nie genug bekommen. Tagsüber, wenn man von den Fratzen der Wasserspeier angestarrt wird und doch weiß, dass sie einem guten Zweck dienen. Zumindest die meisten von ihnen. Einige haben auch keine weitere Funktion, außer einfach da zu sein. Die Einblicke in das filigrane Strebewerk, jede einzelne Facette dieses außergewöhnlichen Bauwerks.
Dann nachts, wenn die Beleuchtung an ist und unseren gotischen Himmelsstürmer in ein mystisches Licht taucht. Dieser Anblick ist für mich bis heute unbeschreiblich.

Bei einem dieser Rundgänge ist mir diesmal etwas ins Auge gefallen, was ich...klar...des öfteren schon gesehen hatte, ich hatte mir aber keine weiteren Gedanken darüber gemacht. An was es lag, dass es diesmal anders war, ob es ein besonderes Licht war, was gerade darauf fiel, oder meine Stimmung - ich kann es nicht mal sagen. Ich blieb gegenüber des Domchores stehen und blickte auf - zum Teil schon ziemlich alte - Grabsteine.

Ich stand vor dem Domherrenfriedhof, der Begräbnisstätte von Domkapitularen, Weihbischöfen und Dompröpsten, welche bereits 1925 enstanden war. Diese Gruftanlage beherbergt 88 Plätze, ist ca. 10 Meter lang und in der Mitte ca. 3 Meter breit. Sie erstreckt sich auf jeder Seite über je 11 Bestattungsräume in vier Ebenen. Vor dem Hochkreuz befinden sich abnehmbare Platten, über die man in die Gruft gelangt. 
Ein schöner Ort für diejenigen, die hier gewirkt und ihren Dienst für Kirche und Menschen getan haben. Nah bei ihrem Dom. Nur die Erzbischöfe liegen noch näher bestattet. Sie fanden den ewigen Frieden in der Krypta des Doms, in der Gruft unter dem Hochchor.

Als wache sie über den Friedhof, befindet sich dort auch die sogenannte Domsäule. Der einzig erhaltene Rest einer Basilika, die einst dort östlich zwischen Dom und Rhein lag und sich an den Dom anschloss: 
St. Maria ad gradus (Maria zu den Stufen), vollendet im Jahre 1062.

Nach der französischen Besatzung drohte vielen Stifts- und Klosterkirchen der Abbruch, oder eine Umnutzung. Nachdem St. Maria ad gradus zuerst als Lagerraum herhalten mußte, wurde sie 1817 abgerissen. Als 1827 dann der Domhügel abgetragen wurde, gingen auch die Fundamente verloren. 
Nur diese eine Säule blieb...

Wenn ihr das nächste mal am Dom vorbeikommt, bleibt einen Moment stehen... und lasst diesen Ort auf euch wirken.

Im Dom, am Dom und um den Dom herum

Unser Dom...man kennt ihn von außen, seine Erscheinung...man kennt ihn von innen und nimmt vieles wahr, was sich in ihm befindet. Bewundert ihn. Und das zu Recht. Doch da gibt es noch etwas. Etwas, was oft aufgrund der Ehrfurcht und der Demut, die wir bei seinem Anblick spüren, in den Hintergrund tritt. Und das sind die Menschen, die in ihm wirken, an ihm und um ihn herum arbeiten. Ohne deren wertvolle Arbeit er wohl nicht das wäre, was er heute immer noch ist...

Im Dom steht ganz oben der Dompropst. Er ist der Vorgesetzte von allen im Dom angestellten Menschen, egal, ob haupt- oder ehrenamtlich, sowie des Domkapitels. (Zur Erklärung, was in einem Verein der Vorstand ist, bezeichnet man im Kölner Dom als Domkapitel). Er repräsentiert den Dom nach außen. Ähnlich der Dombaumeister, der für alles zuständig ist, was die Erhaltung des Doms betrifft. Die ca. 60 Menschen, die in der Dombauhütte beschäftigt sind, z. B. Steinmetze, bearbeiten dann das, was der Dombaumeister "in Auftrag gibt". Nur um es in kurzen Worten zu erklären. Man sieht, es greift eins ins andere über. Die Aufgaben sind sicher noch vielfältiger, aber das würde wahrscheinlich hier den Rahmen sprengen.

Da gibt es den Organisten, ohne dessen musikalische Begleitung die Gottesdienste oder Messen nur halb so feierlich wären.

Den Archivar, der nicht nur für die Verwahrung von alten Schriftstücken zuständig ist, sondern sich auch um die Finanzierung von Restaurierungsarbeiten an den alten Kunstwerken sorgt und kümmert.

Den Küster, der unter anderem dafür zuständig ist, dass Wein und Hostien für die Messen vorrätig sind, und der auch die Glocken läutet. Ja, das geht heute zwar per Knopfdruck, aber auch das muss ja getan werden.

Den Dechant, der für die Organisation der Messen verantwortlich ist und wie diese gestaltet werden.

Die Putzfrauen. Die vielen Besucher hinterlassen natürlich ihre Spuren. Und während die eine sich um den Fußboden kümmert, befreit ihre Kollegin das Inventar vom Staub.

Für die tägliche (und nächtliche) Ordnung im Dom, auch für Ruhe während der Messen, sorgen die Domschweizer. Sie sorgen auch dafür, dass der Dom morgens geöffnet und abends wieder geschlossen wird.

Und was passiert draußen am Dom und drumherum?

Straßenkehrer sorgen täglich viele Stunden dafür, dass die Domplatte sauber ist. Und bei den Tausenden von Menschen jeden Tag, ist das wahrhaftig eine Aufgabe.

Ebenso eine im wahrsten Sinne des Wortes gewaltige Aufgabe haben die Dachdecker des Doms. Immerhin umfaßt das Dach des Kölner Doms eine Größe von 12.000 Quadratmetern. Und wie so viele andere, die hier arbeiten, werden auch sie niemals fertig mit ihrer Arbeit. Selbst heute gibt es da hoch oben noch immer einige Kriegsschäden, die wegen der vielen immer wieder anfallenden Reparaturen einfach noch nicht behoben werden konnten.

All diesen Menschen, durch die unser Dom lebt, deren Wirken aber größtenteils im Verborgenen stattfindet, gebührt großer Respekt und auch großer Dank, der an dieser Stelle einmal ausgesprochen sein soll. 
Herzlichen Dank allen, die dem Dom all ihre Kraft zur Verfügung stellen, um ihn uns als das erleben zu lassen, was er ist...ein Wunder der Menschheit und ein Ort der Begegnung.

Auf Sand gebaut...

...das ist unser Dom. Gebaut auf Rheinsand. Und dennoch steht er fest auf Fundamenten, die, so sagen Statiker, noch viel mehr Gewicht tragen könnten als seine 120.000 Tonnen Gesamtgewicht. 
120.000 Tonnen - unvorstellbar oder?
Außerdem befindet er sich in einem Erdbebengebiet. Aber selbst, wenn es mal beben sollte, und ich drücke es mal so aus - haut es ihn nicht um. Denn man wußte schon im Mittelalter davon und verwendete zwischen den extrem harten und bruchsicheren Basaltsteinen den weicheren und elastischen Tuffstein, der bei Druck nachgibt. Ich bewundere immer wieder das Wissen und Können Meister Gerhards, der wirklich ALLES bedacht hat.

Was aber ist jetzt am Fundament des Kölner Doms so besonders? 
Es reicht 16 Meter in die Tiefe. Und es wiegt - 120.000 Tonnen. Der Dom wiegt nämlich unten genausoviel wie oben. Aber woher weiß man das alles? Archäologen haben vor 50 bis 60 Jahren mit Ausgrabungsarbeiten unter dem Dom begonnen. Dabei kamen aber nicht nur die unterirdischen mächtigen, tragenden Pfeiler zu Tage, sondern auch ein Teil der Geschichte Kölns.

In den durch die Ausgrabungen entstandenen Gewölben und Gängen fand und findet man Überreste uralter Zeiten und Kulturen. Und wenn man, wie ich erst vor kurzem, an einer Führung durch diese Ausgrabung teilnimmt und inmitten dieser Zeugnisse steht, packt einen blanke Ehrfurcht. Ehrfurcht vor dem, was sich hier vor so vielen Jahrhunderten, gar bis zu über 1.500 Jahren abspielte, ebenso vor dem, was die Archäologen hier geleistet haben.

Man fand zum Beispiel Reste einer römischen Fußbodenheizung, wunderschön verzierte Fußböden, die aber, als die Gebäude verfallen waren, zugeschüttet wurden. Ebenso wurden Mauern im Bereich unter dem Binnenchor entdeckt, die zu einem kleinen Gebetsraum gehört haben könnten. Leider läßt sich dieses nicht sicher belegen.

Umgeben von diesen Funden zeigen sich Überreste einer fränkischen Kirche und des karolingischen Doms, dem "Vorfahren" des heutigen gotischen Doms. 
Spektakulär sind die beiden Grabfunde aus der Frankenzeit. Vermutlich eine Mutter und ihr ca. 6 Jahre alter Sohn, samt Grabbeigaben, wie Gold, Schmuck, Holzmöbel, die allerdings inzwischen zerfallen sind, und ein Helm des Jungen.

Aber was auch immer die Archäologen bisher fanden und nachfolgende Generationen von Archäologen noch finden werden... steht man hier unten unter dem Dom, spürt man den Geist der Vergangenheit auf jedem Meter. 
Ich kann euch so eine Führung nur ans Herz legen. Sie wird euch diese unsere einzigartige Kathedrale noch näher bringen.

Die Uhr vom Kölner Dom

Wo um Himmels willen finde ich die? Himmel passt schon ganz gut, denn nach oben schauen muss ich wirklich. Wenn ich den Dom durch das Hauptportal betrete, gehe ich ca. 20 Meter Richtung Innenraum. Etwa auf dieser Höhe befindet sich rechts ein breiter Gang, das Südschiff. Dort angekommen, erblicke ich rechts oben in ca. 20 Metern Höhe eine schöne alte Uhr.

Und diese Uhr ist wahrhaftig etwas außergewöhnliches, denn sie stammt tatsächlich noch aus der Zeit der Domvollendung 1880. Seither hat sie dort ihren festen Platz.

Im Jahre 1876 wurde sie bei der bekannten Turmuhrenfabrik Johann Mannhardt aus München in Auftrag gegeben, von dieser 1878 im Dom errichtet und 1880 in Betrieb genommen. Und so besonders unser Dom ist, so besonders ist seine Uhr, denn sie besitzt noch ein mechanisches Uhrwerk. Solche Uhrwerke der gleichen Turmuhrenfabrik findet man sonst nur in der Frauenkirche in München, am Berliner Rathaus, in Venedig oder im Vatikan. Also eher selten.

Im zweiten Weltkrieg hat sie einiges abbekommen. Das Ziffernblatt wurde beschädigt und das Uhrwerk zerstört. Erst später wurde sie dann instandgesetzt. Ich persönlich freue mich sehr darüber, dass diese wunderschöne alte Uhr wiederhergestellt wurde, denn eine andere, modernere Uhr würde gar nicht zu unserem Dom passen.

Täglich muss sie von Hand aufgezogen werden. Damit die Uhrzeit dann auch wirklich stimmt, steht zur Orientierung eine kleine Funkuhr unterhalb des Räderwerks, denn schließlich sollen ja die Glocken pünktlich zur Viertelstunde und vollen Stunde schagen. Der Kölner an sich ist ja schon sehr gelassen, aber ein verspäteter Glockenschlag fällt dann eben doch auf.

Dem Dombaumeister fällt zwei mal im Jahr noch eine besondere Aufgabe zu. Nämlich dann, wenn im Frühjahr und Herbst die Uhr umgestellt werden muss. Das nennt man dann wohl "Tücken der Mechanik" 
Und wie macht der Dombaumeister das? Ist ja bald wieder soweit und die Uhr muss auf Winterzeit umgestellt werden. Ganz einfach. Er hält die Uhr an. Und setzt nach einer Stunde das Pendel wieder in Bewegung. Mehr ist es nicht.

Aber wie sieht so ein Uhrwerk eigentlich aus? In diesem Fall ist es eine Art Schrank aus Holz mit Verzierungen und Flügeltüren, etwa 3 Meter hoch. Ein Räderwerk mit Ketten und Pendeln befindet sich darin, welches man durch das Glas in der Holzverkleidung gut sehen kann. Die fünf Stahlseile, die zur Decke führen, sind mit Gewichten und dem Ziffernblatt sowie kleinen Glocken verbunden, welche alle Viertelstunde läuten.

Ein kleiner Tipp: besonders schön wirkt die Uhr abends, wenn sie beleuchtet ist. Schön anzusehen ist sie aber immer. Achtet doch bei euerm nächsten Besuch im Dom mal auf die etwas versteckte, aber wunderschöne Uhr in unserem wunderschönen Dom.

Wenn es Nacht wird

Wie ist das eigentlich...wenn es Nacht wird im Kölner Dom...

Am Tage ist er gefüllt mit Menschen. 20.000 jeden Tag. Sei es zum Besuch einer Messe, zur eigenen inneren Einkehr, zur Beichte, oder - und das ist der größte Teil - auch Touristen, die ihn einfach nur bestaunen wollen. 
Da ist er erfüllt von Geräuschen, wie das Klicken von Fotoapparaten, das Gehen über den Fußboden, das Rascheln von Taschen und von Stimmen. Leise, gedämpfte Stimmen, aber bei der Menge von Menschen doch gut vernehmbar.

Erst abends...wenn der letzte Besucher gegangen ist und die Türen geschlossen und auch verschlossen werden...wird es still. Und in dieser Stille wirkt er jetzt ganz anders. Er gehört nun für die Stunden der Nacht nur sich selbst. Selbst den Regen, der gegen die Scheiben prasselt, kann man jetzt hören, ebenso wie das Quietschen der Bremsen der einfahrenden Züge im nur wenige Meter entfernten Hauptbahnhof.

Wenn man sich tagsüber im Dom aufhält, fühlt man schon das Geheimnisvolle, das Mystische. Aber jetzt abends oder nachts, wenn alles still ist, spürt man den "Geist" des Kölner Doms noch sehr viel mehr. Es ist, als würde er nur dir allein seine Geschichte erzählen. Er läßt fühlen.

Andererseits ist es aber doch auch etwas unheimlich. Da knackt es überall, wenn zum Beispiel das Holz des mittelalterlichen Chorgestühls arbeitet. Geräusche, die man sonst nicht wahrnimmt. Geräusche, die jetzt nur der Domschweizer, der gerade den Nachtdienst im Dom antritt, hört. Vielleicht hab ich mal die Möglichkeit, mir von einem Domschweizer erzählen zu lassen, wie so eine ganze Nacht abläuft, was er fühlt allein im Dom und was ihn hat Domschweizer werden lassen. Auch, was er vielleicht während seiner Dienste schon so erlebt hat. Immerhin sorgt er unter anderem, wie auch seine Kollegen am Tage, für die Sicherheit im Dom. 
Eine seiner wichtigsten Aufgaben jetzt ist das Abräumen der vielen Kerzen, die die Menschen am Tag angezündet haben, verbunden mit Gedanken an ihre Lieben oder auch mit Gebeten. Stündlich dreht er dann seine Sicherheitsrunden durch den nächtlichen Dom. Was wirken die Säulen und die Gewölbedecken jetzt im Halbdunkel so riesig. Der Innenraum so viel größer...Erst nachts wird einem die volle Größe des Doms so richtig bewußt.
Die Ruhe und Stille der Nacht hat auch der Domorganist schon oft genutzt, um zu üben. Im leeren Dom wirkt der Klang der Kirchenorgel ganz anders, er erfüllt dann alles. 
Und was macht der Dom nachts mit einem selbst? Er beruhigt, läßt selbst stiller werden, entspannt. Läßt zu sich selbst kommen.

Bei einer der wenigen nächtlichen Führungen durch den Dom, bei denen auch nur ganz kleine Teilnehmerzahlen möglich sind, kann man all das erfahren.
Vielleicht kommt ihr ja einmal in diesen Genuss. Ich wünsche euch schon heute ein unvergessliches Erlebnis in unserem schönen Dom bei Nacht.

Bis bald
eure Ramona

Ein unglaublicher Raub

Ein Deutscher, ein Jugoslawe und ein Italiener...so könnte einer jener Witze beginnen, die wir alle seit vielen Jahren kennen.
In diesem Fall aber war der jugoslawisch-stämmige Deutsche der Kopf DER Diebesbande, die den Raub des Kölner Domschatzes beging und mit zwei Komplizen in die kriminalistische Geschichte Kölns eingegangen ist.
November 1975. Es ist kurz nach Mitternacht, die Nacht von Allerheiligen auf Allerseelen und es ist, wie für den November typisch, kalt und regnerisch. Außer drei jungen Leuten, zwei Brüder mit ihrer Schwester, die von einer Feier kommen und deren Heimweg zufällig über die Domplatte führt, ist niemand unterwegs. Das heißt - fast niemand. Denn da sind noch Ljubomir, Borislav und Vilijam, die drei, die sich gleich am Domschatz vergreifen werden.
Borislav und Vilijam allerdings haben erst heute am Tage erfahren, dass es sich bei dem anstehenden Raub um die Domschatzkammer handelt. Eigentlich wollen sie damit gar nichts zu tun haben, schließlich sind sie doch katholisch! 
Aber bei der Aussicht auf eine halbe Million Mark für jeden, die Ljubomir ihnen als Beute in Aussicht stellt, schwindet bei beiden wohl dann doch jeglicher Glaube...

Eigentlich klingt es wie in einem schlechten Krimi, aber die drei benötigen tatsächlich nur eine Strickleiter, ein Seil, Schraubenschlüssel, eine Höhlenforscherlampe, zwei Sprechfunkgeräte und einen Sack für die Beute. Erreicht werden soll die Schatzkammer durch einen, in sechs Meter Höhe in der Wand angebrachten Ventilatorschacht. 
Es ist soweit. Ljubomir und Vilijam (letzterer mit Borislav auf das Baugerüst geklettert) mit Funkgeräten ausgerüstet, überwachen von draußen den Polizeifunk, während Borislav, der schmalste von ihnen, sich durch den Schacht zur Schatzkammer zwängt. Er gelangt an ein Gitter, was aber nur kläglich durch Alarmdrähte gesichert ist, biegt diese nach oben und klettert in die Schatzkammer. Die beiden sich zu dieser Zeit in der Sakristei befindlichen Domwächter bekommen von all dem nichts mit. Noch nicht!
Denn nachdem Borislav eine Vitrine nach der anderen aufgebrochen und die Beute im Sack hat verschwinden lassen und sich gerade wieder auf den Rückweg machen will, fällt ihm eine Monstranz aus der Hand auf den Boden.

Es ist 00:25 Uhr. Die Domwächter hören den Lärm und da sie selbst keinen Schlüssel zur Schatzkammer besitzen, müssen sie den Küster verständigen. In dieser Zeit bindet Borislav den Sack mit der Beute an die Leine, läßt ihn von Vilijam hochziehen und klettert über die Strickleiter hinterher. Kurz darauf springen die beiden vom Baugerüst auf die Domplatte. Ihr Anführer hatte sich während des Raubes hinter einem Kiosk versteckt und aufgepaßt, ob nicht doch Polizisten in der Nähe sind. Gesehen worden sind die dreisten Räuber nur von den bereits erwähnten Geschwistern, vor dessen Füßen sie beim Sprung vom Baugerüst beinahe landen. Diese melden ihre Beobachtung der Bahnpolizei, welche sich aber als nicht zuständig erklärt (womit sie nicht ganz unrecht hat, wie der Name BAHNpolizei ja sagt)...
Das ganze Ausmaß des Schadens ist kaum abzusehen. Jahrhundertealte Schmuckstücke und viele andere wertvollen Gegenstände sind verschwunden.

Die Polizei kommt zwar durch schon früher von Ljubomir begangene Straftaten schnell auf die Verdächtigen, aber durch geschicktes Verstecken des Schatzes in einem fremden Keller kann zu diesem Zeitpunkt nichts bewiesen werden. Ljubomir setzt sich nach Jugoslawien ab, taucht aber drei Monate später wieder in Köln auf, und da findet die Polizei einen Erpresserbrief bei ihm. Der Kardinal soll eine Million Mark für die Beutestücke zahlen.
Dummerweise bietet Ljubomir als Beweis, dass er den Domschatz auch tatsächlich besitzt, einen Ring, der auf keiner Fahndungsmeldung ausgeschrieben ist, und niemand, außer den Wächtern der Schatzkammer und der Täter selbst, kann von diesem Ring wissen. Trotzdem kann man ihm aber mangels Beweise am Raub selbst nur Hehlerei vorwerfen. Bis... ja bis zu dem Tag, an dem bei seinen ehemaligen Komplizen, beim Versuch, mit einem gestohlenen Fahrzeug eine Grenze zu passieren, ein Beutel mit zerschlagenen Schmuckstücken gefunden wird. Beide gestehen.
Jetzt geht alles seinen Gang. Ljubomir, wie auch seine Komplizen werden zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Manches vom Domschatz kann sichergestellt werden, manches ist für immer verloren.

Heute wäre ein solcher Raub nicht mehr möglich, dafür hat man gesorgt. Zum Glück, denn der geschichtliche und ideelle Wert wäre unersetzlich. Und so können wir, und die, die nach uns kommen, auch weiterhin die Reliquien aus alten Zeiten bewundern.

Bis bald
eure Ramona

Magie des Lichts

Ja, magisch ist er...unser Dom. Aber was hat es mit dem Licht auf sich?

Es gibt nicht eine Wandzone im Kölner Dom - und auch das macht ihn so einzigartig - in der kein Fenster verbaut ist. 
10.000 qm Fensterfläche insgesamt, davon 1.500 qm noch aus dem Mittelalter, machen unseren Dom zu einem "Dom aus Licht".

Das älteste und zugleich auch ranghöchste Fenster ist das 2-bahnige Bibelfenster in der Dreikönigskapelle im Chor. Dieses 1260 vollendete Fenster wurde vielleicht sogar noch von Meister Gerhard mitgestaltet, bevor er kurz danach unter mysteriösen Umständen zu Tode kam.
Was für ein Gefühl, mit dem Wissen darüber, nun vor diesem Kunstwerk einer Zeit zu stehen, in der es noch neu war, solche monumentalen, bildgewaltigen Fenster erschaffen zu können. Mittelalterliche Glasmeister verbanden die einzelnen farbigen Glaselemente mit Bleiruten und so entstanden Glasfenster in nie gekannter Größe und Schönheit.

Aber wie ist es möglich gewesen, eine Kathedrale dieser Größe zu erschaffen, die nicht nur aus Stein besteht, um diese gewaltige Kraft tragen zu können...die Gotik, auch Zeit der Lichtmystik genannt, brachte eine ganz neue Art des bauens mit, das bauen mit Strebewerken, um die riesigen, auf dem Bauwerk lastenden Kräfte in die Erde abzuleiten. Ein solches Strebewerk ermöglichte es daher, in den Wänden des Doms so große Glasflächen einbauen zu können.

Ein ebenfalls besonderes Fenster im Dom ist das sogenannte "Richterfenster". Es befindet sich im Südquerhaus und besteht aus sage und schreibe 11.263 Farbquadraten auf einer Fläche von 106 Quadratmetern. Die 72 Farben, aus denen dieses Fenster erschaffen wurde, wurden aus den ca. 800 Farben gewählt, die in all den anderen Fenstern im Dom vorkommen. Die besondere Wirkung dieses Fensters entwickelt sich mit der Wanderung der Sonne. So entsteht ein wunderschönes Lichtspiel, was man mit etwas Glück bei Sonnenschein im Dom genießen kann.

Licht kann verzaubern. Und dass unser Meister Gerhard ein Genie war, wissen wir ja. Aber er hat noch etwas besonderes geschafft. Ein Schauspiel, welches zweimal im Jahr im Dom sichtbar wird. Allerdings nur bei schönem Wetter. Denn er hat bei der Vorbereitung zum Bau dieser wunderschönen Kathedrale so genau gemessen, dass jeweils zur Tag- und Nachtgleiche, im Frühjahr und Herbst, die Sonne exakt im Osten des Kölner Doms aufgeht. Und so fluten die Sonnenstrahlen durch das Fenster im Chorraum den Altarraum und das Kirchenschiff in einer klaren Linie.

Leider war es ihm selbst nicht vergönnt, dieses wunderbare Spiel des Lichts selbst zu erleben. Wir können es aber... die nächste Tag- und Nachtgleiche ist am 22. September. Und mit ein wenig Glück scheint dann für uns die Sonne...

Bis bald 
eure Ramona

Reise in die Vergangenheit

Die Domschatzkammer...von den vielen Schätzen im Untergrund des Kölner Doms habe ich bereits gelesen, auch habe ich mir Bilder im Internet angesehen. Und jetzt bin ich hier und kann mir die Reliquien alter Zeiten mit eigenen Augen ansehen.

Nachdem ich den Eintritt bezahlt habe, begebe ich mich auf eine Reise in vergangene Jahrhunderte. Allein die Atmosphäre in den Ausstellungsräumen zu spüren...die in gedämpftes Licht getaucht sind... läßt mich kaum wagen zu atmen, weil mir selbst das zu laut erscheint, angesichts der Stille hier. Ich habe das Glück, gerade ganz allein zu sein.
Ich fühle mich wieder, wie so oft hier im Dom, in eine andere Zeit und Welt versetzt, da sich die Domschatzkammer in mittelalterlichen Gewölberäumen befindet, die sich in sechs Räumen auf drei Etagen aufteilt. 
In der untersten Etage führt sie sogar bis auf einen Teil der noch erhaltenen römischen Stadtmauer, sowie einen römischen Abwasserkanal hinab - Zeugnisse Kölner Ursprungs. Denn schließlich bezeichnet man Köln ja nicht umsonst als nördlichste Stadt Italiens.

Faszinierend sind aber nun auch die hier aufbewahrten Gegenstände. Einige von Ihnen werden noch heute zu bestimmten Anlässen genutzt, wie etwa die Prunkmonstranz zur Fronleichnams-Prozession oder ein großes Smaragdkreuz, welches an Allerheiligen verwendet wird.

Es ist aber nicht nur das Staunen über den schier unermeßlichen materiellen Wert der mit Gold und Edelsteinen verzierten Kostbarkeiten, sondern vielmehr Demut , die ich angesichts des Alters und der Menschen, die all das erschaffen haben und durch deren Hände diese Werke schon gegangen sind, empfinde. Besonders ergreifend ist der Anblick eines der bedeutendsten Ausstellungsstücke...des Petrusstabs, der schon aus dem 4. Jahrhundert stammt.

Ich gehe weiter und in den verschiedenen Räumen kann ich prunkvolle Gewänder und Mitren mit Goldstickereien betrachten, kostbare Gegenstände, wie Monstranzen, Ringe, den Schrein des Heiligen Engelbert, sowie Handschriften und Insignien von Erzbischöfen und Geistlichen. Im Jahre 1959 wurden unter dem Dom sogar zwei Gräber, das einer Frau und das eines Knaben, aus der Zeit der Merowinger entdeckt, deren Funde sich in der untersten Etage befinden.

Gefesselt und berührt von diesen Eindrücken mache ich mich auf den Weg zum Ausgang mit dem Gefühl, wieder ein Stück Geschichte dieser Stadt und "meines" Doms in mir aufgenommen zu haben...

Bis bald 
eure Ramona

Eine (hoffentlich) unendliche Geschichte

Hier stehe ich...und die ältesten meiner Steine, aus denen ich entstanden bin, sind jetzt 769 Jahre alt. Mein Meister wußte bereits im Geiste, wie ich vollendet aussehen sollte. Er war Steinmetz, Architekt, Statiker...ein Meister in sich, ein Genie seiner Zeit. Und schaut mich an. Ich bin, was er wollte, dass ich werde...ein Stück Himmel auf Erden.

Aber es gab eine Zeit, in der ganz und gar nicht sicher war, dass ich es schaffen würde. 300 Jahre lang, um genau zu sein, sah es im Gegenteil so aus, als sollte ich nur Ruine bleiben. Und dass nicht ich, sondern der Kran auf meinem halbfertigen Turm Wahrzeichen meiner Stadt wird.

Ich habe viel gesehen in all der Zeit. Generation um Generation arbeitete daran, mich wachsen zu lassen, und das war mit den Mitteln, die damals zur Verfügung standen wahrlich nicht einfach. Irgendwann ging dann das Geld aus. Was sollte nun aus mir werden...
Ich sah Menschen kommen und gehen, Jahr um Jahr, ohne, dass sich noch jemand um mich scherte. Im Gegenteil, meine Adresse "Domkloster 4", wie sie heute lautet, war nicht unbedingt die beste in der Gegend. Um mich herum spannten Frauen höchstens noch Wäscheleinen, Kinder spielten in den schmutzigen Gassen um mich herum. Ich geriet vollkommen in Vergessenheit.

Doch irgendwann, und meine Hoffnung, dass ich eine Chance bekomme, doch noch zu der Kathedrale zu werden, die ich ursprünglich werden sollte, wuchs wieder, schenkte mir ein Kölner Kunsthändler Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit einem guten Freund gelang es ihm sogar, Grundrisspläne meiner Westfassade (wie man heute sagt) zu finden. 
Es grenzte an ein Wunder, denn eine der Hälften befand sich in Darmstadt, die andere in Paris. Eben dieser Mann war es auch, der nun auch dafür sorgte, dass die benötigten Gelder zusammenkamen. Sogar eine Lotterie wurde für mich ins Leben gerufen und nun dauerte es nicht mehr lange, bis man ein Gerüst anbrachte und ich Meter um Meter in die Höhe wuchs. Sogar der leidige, quietschende, alte Kran verschwand endlich von meinem Turm.

Im Oktober 1880 erstrahlte ich dann in voller Schönheit. Und noch heute sorgen so viele Menschen dafür, dass ich noch immer voller Stolz hier stehe...die beiden Planhälften, zusammengefügt und unter Glas hat man in einer meiner Chorkapellen zum Gedenken an meinen Meister Gerhard aufgehangen. Zum Schutz unter einem grünen Vorhang. Grün...die Farbe der Hoffnung - Zufall?

Heute kommen die Menschen zu Tausenden zu mir, sei es zum Gebet oder auch nur, um das Wunder meiner Existenz selbst zu erleben.
Diejenigen, die genau hinhören, können der Geschichte lauschen, die ich zu erzählen habe. Aber ihr lieben Menschen, die ihr zu mir kommt, ihr könnt meine Geschichte nicht nur hören...ihr könnt sie spüren. Ihr könnt meine 769 Jahre spüren. Und wenn ihr wieder geht, wird euch ein Gefühl von Glaube, Liebe und Hoffnung begleiten. Die Pfeiler, die mich haben werden lassen.

In diesem Sinne, bis bald
euer Dom 
(Spass, natürlich eure Ramona :-) ?)

Endlich wieder Köln

Es ist erst halb 12 Uhr mittags, als ich in Köln ankomme. Das erste Highlight ist wie immer schon die Einfahrt in den Hauptbahnhof, so nah am Dom vorbei. Eigentlich bin ich viel zu früh, denn mein Hotelzimmer, welches sich zum Glück direkt gegenüber des rückseitigen Ausgangs (Breslauer Platz) befindet, kann ich erst am Nachmittag beziehen. Mein Gepäck darf ich allerdings schon abgeben.

Von diesem befreit, mach ich mich auf, dahin, wo mich mein erster Weg in Köln jedesmal hinführt...genau, zum Dom. Das muss einfach sein. Darin eine Runde drehen, quasi, um Hallo zu sagen. Ich werde ja in den nächsten Tagen noch öfter herkommen, daher zünde ich noch eine Kerze an, denke an die Menschen, die ich liebe, nehme noch für einen Augenblick diese wundervolle Atmosphäre auf, die man im Dom spürt und trete wieder nach draußen.

Auf der Domplatte herrscht wie immer reges Treiben. Es gibt Musiker, diverse Straßenkünstler, unter anderem auch diese, die sich mit ihren unglaublich kunstvollen Kreidegemälden auf dem Boden verewigen. Bei einigen freskenartigen Bildern würde selbst Michelangelo vor Neid erblassen. Andere hingegen sind so genial in 3D gemalt, dass man zwischen Bild und Realität kaum unterscheiden kann.

Da sind Touristen, viele mit Fotoapparat bewaffnet, in dem verzweifelten Versuch, den Dom komplett aufs Bild zu bekommen, aber auch die, die einfach nur zum shoppen hergekommen sind. 
Und ich mittendrin. Ich komme, im Vergleich zu Köln aus einer eher schmal besiedelten Gegend, und zuhause würden mich diese Menschenmassen wahrscheinlich erschlagen. Hier ist das anders. Ich fühle mich einfach nur wohl hier. Die Menschen zu beobachten, dieses Staunen in den Gesichtern beim Anblick des Doms, den viele bisher nur von Bildern oder vielleicht aus dem Fernsehen kannten und nun feststellen, dass kein Bild der Welt wirklich wiedergibt, was man fühlt, wenn man dann wirklich vor diesem Riesen steht...
einfach die Umgebung auf mich wirken lassen, mit dem Gedanken, noch 3 Tage hier sein zu können...läßt mich glücklich sein.

Die ersten Stunden vergehen schnell und ich mache mich auf den Rückweg zum Hotel. Mein Zimmer ist jetzt bezugsfertig und als ich es betrete, stelle ich erfreut fest, dass ich eines mit Blick auf die ein- und ausfahrenden Züge und sogar den Dom bekommen habe.
Mit einem Lächeln auf den Lippen genieße ich diesen Ausblick und freue mich auf die Zeit in Köln...

Bis bald
Eure Ramona

Faszination Kölner Dom

Meine Lieben, über den Anlaß zum Bau des Kölner Doms und dessen Entstehungsgeschichte von der Grundsteinlegung 1248 bis zur Vollendung, soweit man das so nennen möchte, denn wirklich fertig ist er nie geworden, habe ich euch berichtet. Was aber ist es heute, das uns so in seinen Bann zieht?...

Jeder, der dieses Monument betritt, spürt sofort dessen Magie und Strahlkraft, ohne sich wirklich bewußt zu sein, warum genau das so ist. Sicher ist die Größe des Doms ein Faktor, wenn man bedenkt, dass bis zu dessen Vollendung die Pyramiden von Gizeh die höchsten von Menschenhand geschaffenen Bauwerke waren. Selbst heute noch gehört er zu den größten Kirchen der Welt und für mich ist sie die schönste überhaupt. 
Aber was ist es noch...
Es ist die Geschichte, die er uns erzählt. Er verkörpert die Vision eines Mannes, der schon bei Baubeginn wußte, dass er die Fertigstellung nicht erleben würde...Meister Gerhard. 
Er wollte ein Stück vom Himmel auf Erden erschaffen und es sollte die größte und höchste Kirche werden, die es jemals gegeben hat, dem Himmel so nahe...

5 statt 3 Kirchenschiffe...Türme über 150 Meter hoch. Aber interessanterweise bezog er noch andere Dinge mit ein:

12 Türen - das himmlische Jerusalem hat 12 Tore, 12 Apostel begleiten Jesu.
Der Kranz aus 7 Chorkapellen - die Summe aus 3, der Dreifaltigkeit und der 4...vier Evangelisten und vier Richtungen des Himmels. 
Die Länge des Doms: 144 Meter, angelehnt an die biblische Zahl 144.000...das ist die Zahl der Israeliten in der Offenbarung.
Die Gotik war die Zeit der Lichtmystik. Die Fensterflächen im Dom sind insgesamt 10.000 qm groß, was ihn zu einem Dom des Lichts macht. Das älteste Fenster stammt tatsächlich noch aus dem Jahr 1260.

Und als ob das alles noch nicht genug Magie erzeugen würde, befinden sich unter dem Mittelschiff mittelalterliche Fundamente. Spuren aus 2000 Jahren der Stadt Köln und seiner Bewohner, die hier vermutlich auch schon ihre ersten Gottesdienste im Vorfahren des heutigen Doms abgehalten haben...Wohnzimmer, die bemalt sind, sogar römische Fußbodenheizungen. Klingt etwas seltsam, denn automatisch kommen mir da Bilder von heutigen modernen Fußbodenheizungen in den Sinn.

Es ist schlicht beeindruckend. Und genau so ist es für mich im Dom. Bei jedem Schritt, den ich mache, habe ich das Gefühl, die Geschichte entführt mich in eine andere Zeit, in eine andere Welt. Eine Welt voller Mystik und Zauber.

Laßt euch auch einfach mal verzaubern, wenn ihr das nächste Mal da seid. Ich bin sicher, ihr werdet es genauso spüren wie ich...

Bis bald,
eure Ramona

Die Basilika im Dom oder...wie die heiligen drei Könige nach Köln kamen...

Meine Geschichte beginnt diesmal schon in einer Zeit, als an unseren Dom noch nicht zu denken war. Ohne die es ihn aber vermutlich heute nicht geben würde, denn ohne die heiligen drei Könige...kein Dom.

Es liegen zwar keine gesicherten Erkenntnisse vor, aber es soll die heilige Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, gewesen sein, die um das Jahr 326 in Palästina die Reliquien aufgefunden, an sich genommen und mit nach Konstantinopel genommen hat. Etwa 20 Jahre später wurden die Gebeine der heiligen drei Könige von dem Mailänder Bischof Eustorgius I. nach Mailand gebracht. Auch das sind nur Vermutungen, genaue Quellen aus dieser Zeit sind nicht bekannt. Sicher ist allerdings, dass die Überreste der heiligen drei Könige dann bis zur Zerstörung Mailands durch Friedrich Barbarossa dort aufbewahrt wurden.

Am 9. Juni 1164 überließ Friedrich Barbarossa seinem engen Vertrauten, dem Kölner Erzbischof und Kanzler von Italien, Rainald von Dassel, die Reliquien als Geschenk, oder wenn man es böse ausdrücken wollte, könnte man sie wohl eher als Kriegsbeute bezeichnen. Von Dassel brachte sie nach Köln, was, wie in einem meiner vorigen Berichte bereits erwähnt, der Anlaß für den Bau des Kölner Doms war.

Am 23. Juli 1164 erreichte er Köln, und die Gebeine, welche auf ihrer Reise von Mailand nach Köln gut geschützt vor Blicken und damit auch vor Dieben und Gesindel vermutlich in Säcken transportiert wurden, wurden in einem feierlichen Akt, aber nicht dem Wert des Inhaltes angemessen verwahrt, in der Mitte des alten Doms platziert.

Der Nachfolger Rainald von Dassels gab später dem Goldschmied Nikolaus von Verdun den Auftrag, einen Schrein zur Aufbewahrung der Reliquien zu bauen. Fast 40 Jahre sollte es dauern, bis dieser in Form einer Basilika, mit goldenen Figuren, Edelsteinen, Gemmen und Kameen verziert, fertig war. Darauf zu sehen ist die christliche Heilsgeschichte, beginnend beim alten Testament, bis zum jüngsten Gericht.
Zunächst aufgestellt im karolingischen, (oder auch alten Dom genannt), fand er im heutigen Dom erst unterschiedliche Standorte, bevor er seinen jetzigen Platz hinter dem Hochaltar 1948 einnahm.

Unser Dom hat viel zu erzählen...von seiner eigenen Geschichte selbst, aber auch von den Schätzen, die er birgt. Und damit meine ich nicht nur den ungeheuren materiellen Wert, sondern vielmehr auch das Gefühl, vor diesen Zeugnissen alter Zeit zu stehen, zum anfassen nah...und dieses Gefühl ist für mich unbeschreiblich. Es gibt noch viel zu erzählen über unsere, wie ich unseren Dom gerne liebevoll nenne, kleine Dorfkirche. Doch davon ein anderes mal mehr...

Bis bald
Eure Ramona

Asterix und Obelix mal anders - Unser Köln, das Gallien Deutschlands 

So ein bißchen erinnern Köln und seine Bewohner tatsächlich an dieses gallische Dorf, welches wir sicher seit unserer Kindheit alle kennen. Ein Völkchen, so ganz anders, allerdings äußerst liebenswert. Allein das unterscheidet Köln ja schon vom Rest der Nation. Nicht, dass es andernorts keine liebenswerten Menschen gibt...anders eben.
Sturheit und Verbissenheit sucht man hier vergebens. Einen Topf mit Zaubertrank, aus dem jeder seine Portion Kraft schöpft, um sich dem Leben zu stellen, gibt es hier zwar nicht, aber das ist auch gar nicht nötig. Was woanders vielleicht ein Problem wäre, wird hier mit Humor angegangen, frei nach dem Motto: "et hätt noch immer jot jejange"...

Aber was ist das eigentlich, was die Kölner wie eine einzige große Familie wirken läßt? Ist es die Offenheit und Toleranz der Menschen?...die kölsche Sprache?...das gemeinsam feiern können oder die unzähligen kölschen Lieder? Ich denke, man könnte immer weiter aufzählen, aber eines ist allem gemeinsam: es ist einfach ein Lebensgefühl, eine einzige Definition hierfür gibt es nicht.

Etwas gibt es aber doch, was unser Dorf um den Dom rum von Gallien unterscheidet. Fremde sind hier jederzeit willkommen und werden nicht, wie die Römer, nach Asterix und Obelix-Art mit Schimpf und Schande aus der Stadt gejagt 
Im Gegenteil. Fremde werden hier schnell zu Freunden, werden ohne Vorbehalte aufgenommen. 
Ich habe diese Stadt nun ein paarmal erleben dürfen und kann es nur immer wieder sagen. In Köln ist einfach alles...nein, nicht leichter, besser oder aufregender...aber anders. Ich bezeichne es gerne als ein Universum für sich und das trifft es, denke ich, ziemlich gut und jeder, der hier schon einmal war, wird verstehen, was ich meine...

Nun könnte man meinen, ich als Nicht-Kölnerin sehe das ein wenig durch eine rosarote Brille. Aber nein...auch ich weiß, dass Köln auch nicht so schöne Seiten hat. Aber dieser Stadt verzeiht man so manche Macke, wird man doch auf so vielfältige Art und Weise wieder dafür entschädigt. Sei es durch die Herzlichkeit der Menschen, durch einen Spaziergang durch die alten Gassen, den Blick auf den Rhein oder, ja, auch ihn muß ich wieder erwähnen, einen Besuch im Dom. Und nirgendwo anders kann man auf eine so lange und dramatische Geschichte eines Bauwerkes zurückblicken, wie hier. 
All das ist Köln...und auch jetzt beim schreiben merke ich wieder, dass es mal wieder Zeit wird... Zeit, zurückzukommen...

Bis bald,
Eure Ramona

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Asterix un Obelix ens anders - Uns Kölle, dat Gallie vun Deutschland. 

Esu e bessche erennert Kölle un si Bewonner ungeloge an dat gallische Dörp, wat mer secher sigg uns Kindheit all kenne. E Völkche, esu ganz anders, ävver üsserst leev. Allein dat ungerscheid Kölle jo ald vum Ress vun der Nation. Nit, dat et anderoots kei leev Minsche gitt... anders evvens.
Klotzigkeit un Verbessenheit sögk mer hee ömesöns. Ne Pott met Zauberdrank, us däm jeder si Schlag Kraff schepp, öm sich dem Levve zo stelle, gitt et hee zwor nit, ävver dat es och gar nit nüdig. Wat woanders vielleich Brasel wör, weed hee met Humor aangegange, frei noh däm Motto: " et hät noch immer god gegange"...

Ävver wat es dat eigentlich, wat die Kölsche wie ein einzig Famillich wirke lööt? Es et die Offenheid un Toleranz vun de Minsche?... dat gemeinsam fiere künne ov de unzällige kölsche Leeder? Ich denk, mer künnt immer wigger opzälle, ävver dat ein es all dem gemein: et es einfach e Levvensgeföhl, ein einzig Verklörung heeför gitt et nit.

Jet gitt et ävver doch, wat uns Dörp um de Dom röm vun Gallie ungerscheid. Fremde Lück sin hee jederzigg wellkumme un weede nit, wie die Römer, noh Asterix- un Obelix-Aad met Blamage un Schand us der Stadt gejag  .
Em Gägedeil. Fremde weede hee flöck zo Fründe, weede ohn Vürbehalde opgenomme.
Ich han die Stadt no e paar mol erlevve dörfe un kann et nor immer widder sage. In Kölle is einfach alles... nä, leider nit leichter, besser ov oprägender...ävver anders. Ich dun dat gään för en Universum für sich nööme un dat triff et, denk ich, zemlich god un jeder, dä hee schon ens wor, weed verstonn, wat ich mein...

Nö künnt mer meine, ich för en Nit-Kölsche sinn dat e winnig durch e rusarud Brell. Ävver nä... ich weiß, dat Kölle och nit esu schön Sigge hät. Ävver die Stadt deit so manch e Mack verzeihe, weed mer doch op su villfäldige Aat un Wies widder doför avgefunge. Sei et durch die Hätzlichkeit vun de Minsche, durch e Promenad durch die ahle Gasse, dä Bleck op der Rhing ov, jo, och in muss ich widder erwähne, ene Besök em Dom. Un nirgendwo anders kann mer op ein su lang un dramatisch Geschicht vun e Bauwerk zeröckblecke, wie hee.
Al l dat is Kölle... un och jetz, wann ich schrieve, merk ich widder, dat et ens widder Zigg weed... Zigg, zeröckzekumme.

Bes baal
Üür Ramona

Vielen lieben Dank für die kölsche Übersetzung an unseren Mechel ?

I'm singing in the rain...

Naja, mit singen hat das an diesem Tag im März nicht viel zu tun. Viel eher hab ich geschimpft wie ein Rohrspatz und der Song "gone with the wind" kommt mir in den Sinn...

Es ist Samstag morgen, ich sitze beim Frühstück im Hotel und... es regnet. Da ich aber nunmal nur 3 Tage in Köln habe, beschließe ich, trotzdem loszugehen. Dann halt mit Schirm...so mein Gedanke.

Mein Weg führt mich zum Rheinauhafen, weil ich dort unbedingt noch ein paar Fotos machen will. Nun zurück zu dem Gedanken "dann halt mit Schirm"...denn dummerweise regnet es nicht nur, es ist auch sehr windig, um nicht zu sagen stürmisch. Da steh ich nun, in einer Hand den Schirm, in der anderen das Handy. Den Fotoapparat habe ich heute wohlweislich gar nicht erst dabei. Ich versuche, das Handy stillzuhalten, um mein gewünschtes Motiv, eines der Kranhäuser, möglichst unverwackelt fotografiert zu bekommen. Gar nicht so einfach, der Wind macht nämlich mit dem Schirm in meiner anderen Hand gerade, was er will. Also Handy in die Tasche und versuchen, den Schirm zu retten. Ich flüchte mich unter die Severinsbrücke, aber irgendwann muss ich da ja wieder raus. Und was passiert? Beim ersten Schritt ins Ungeschützte klappt mein Schirm nach außen um und ist hinüber. Unter dem jetzt noch vorhandenen Rest und den verständlicherweise belustigen Blicken der mir entgegenkommenden Passanten gehe ich zurück und komme an einem Schiffsanleger vorbei, dessen Ausflugsschiff gleich zu einer einstündigen Panoramafahrt ausläuft. Wie schön. Die mach ich mit und in der Zeit könnte ich glatt wieder trocknen.
Die Fahrt entschädigt mich dann aber doch trotz des Wetters noch und ich komme sogar zu einigen schönen Fotos. Ja, Köln verzeihe ich sogar Regen und Sturm ?...

Als die Schifffahrt vorbei ist, hat es sogar (kurzfristig) aufgehört zu regnen, so dass ich es trockenen Fußes ins Hotel schaffe. Dort angekommen muss ich lachen. Was für ein Tag. Ich beschließe, am Nachmittag in die Stadt zu gehen. Neuen Schirm kaufen. Man weiß ja nie...und wie sollte es auch anders sein, als ich dann tatsächlich unterwegs in die Stadt bin, regnet und stürmt es wieder. Aber was soll's! Bin ja gleich in meinem Lieblingssouvenirladen angekommen und jetzt kaufe ich mir erst recht einen Schirm mit dem Schriftzug "Kölnerin". Denn Köln ist ja schließlich bei jedem Wetter schön. Davon können mich auch Regen und "ein bisschen Wind" nicht abhalten. Einen Spaziergang durch Köln bei Sonnenschein kennen wir alle. Aber versucht es mal im Regen. Hat was!!

Bis bald 
Eure Ramona

Wenn der Dom fertig ist, geht die Welt unter...

...so besagt es ein Kölner Sprichwort...

Da können wir ja von Glück sprechen, dass es schon mal 632 Jahre gedauert hat, bis er überhaupt in der heutigen Form vor uns stehen konnte. Und selbst diese "Fertigstellung" im Jahre 1880 liegt nun schon knappe 140 Jahre zurück. Ja, erst seit 140 Jahren steht er so da, wie wir ihn kennen. Und von Anfang an musste er gehegt und gepflegt werden. Was hat er nicht schon alles erdulden müssen unser Koloss. 70 Treffer durch Bombenangriffe auf Köln im zweiten Weltkrieg, die ihn aber nicht in die Knie zwingen konnten. Welchem glücklichen Umstand das zu verdanken ist...tja, das weiß wohl nur der Himmel.
Zunehmende Umwelteinflüsse, wie damals noch durch Dampfloks, Kohleheizungen und Fabrikschornsteine produzierten Ruß. Was auch der Grund für seine Farbe ist. Reinigen? Fehlanzeige. Zu teuer und außerdem wäre das Ergebnis - sagen wir - unerwartet. Denn unter der schmutzigen Schicht liegt kein heller Dom verborgen. Eher würde durch die vielen verschieden verbauten Gesteinsarten ein eher scheckiges Bauwerk erscheinen. Also bleibt er so. Aber das ist auch gut so, schließlich kennen und lieben wir ihn genau so.

Dennoch sind unzählige Menschen und Dombaumeister seit Generationen damit beschäftigt, die Welt vor dem Untergang - sprich, der endgültigen Fertigstellung des Doms - zu bewahren, indem immer wieder das Gemäuer auf schadhafte Stellen untersucht und, wenn nötig, instandgesetzt wird...Skulpturen, Fialen und selbst Kreuzblumen neu erschaffen werden. Und zwar nach alter Handwerkskunst, sodass die Herstellung eines einzigen Stückes nicht selten monatelange, aber auch liebevolle Arbeit bedeutet. Und wären die neu erschaffenen Kopien der einstigen Skulpturen nicht so hell, wir würden den Unterschied nicht erkennen können.
Diesen Menschen gebürt mein Respekt, denn sie sind es, die dafür sorgen, dass unser Dom nicht verfällt.

Was ich an dieser Stelle aber ebenfalls erwähnen möchte, ist der Zentral-Dombau-Verein zu Köln, kurz ZDV genannt, dessen Mitglied auch ich seit gut 2 Jahren bin. Dieser Verein begeht in diesem Jahr sein 175-jähriges Jubiläum und ohne Förderer und Mitglieder dieses Vereins wäre es nicht möglich, die Arbeiten am Dom fortführen zu können, denn er trägt rund 60 % der Kosten hierfür. Davon abgesehen war auch, wie bereits erwähnt, eine durch ihn durchgeführte Lotterie im 19. Jahrhundert maßgeblich daran beteiligt, dass diese wunderschöne Kathedrale vollendet werden konnte.

All diesen Menschen, seien es diejenigen, die tagtäglich mit der Erhaltung des Doms beschäftigt sind, oder jenen, die den Dombauverein unterstützen, und sei es auch nur mit einem kleinen Beitrag...von ganzem Herzen DANKE.
Möge es Euch immer geben.

Bis bald,
Eure Ramona

 
 

Der Kölner Dom IV - dem Himmel so nah...die Vision erfüllt sich...

...da sind sie nun...zwei Teile eines Planes, zusammengefügt als Grundriss, die Westfassade des Kölner Doms zeigend. Was jetzt noch benötigt wird, ist Geld.
Selbst die Zeitung "Rheinischer Merkur" erklärt in seiner Ausgabe vom 20.11.1814 den Weiterbau des Doms zur nationalen Angelegenheit.

Sulpiz Boisserée, der zwar inzwischen in der Politik diesbezüglich Gehör gefunden hat, wendet sich dennoch an seinen Freund, Johann Wolfgang von Goethe. Der Geheimrat, der vielmehr der italienischen Kunst zugewandt ist, kommt zuerst nur widerwillig nach Köln, um die gotische Ruine zu begutachten. Als er die unvollendete Kathedrale aber betritt, kann auch er sich der Magie nicht entziehen. Staunend steht er im bereits fertigen Chor, den Blick nach oben gerichtet, und ihn befällt die gleiche Ehrfurcht, wie wir sie heute im Inneren des Doms spüren.

Sein Zuspruch und seine Unterstützung sind Boisserée sicher. Kurz darauf legt Goethe beim preußischen König ein gutes Wort für den Weiterbau ein. Dieser stimmt zu und stellt mehr als die Hälfte der Gelder für die Südseite mit der aufwändigeren Fassade zur Verfügung. Den Rest, sprich die kostengünstigere Nordseite soll über eine Lotterie des Dombauvereins finanziert werden.
Das Geld ist nun da. Da es bisher nur Pläne der Vorderseite gibt, entstehen nun, auch wieder mit Hilfe Boisserée's, Berechnungen und Pläne. Gerüste in 155 m Höhe, was es zuvor nie gab, werden freischwingend angebracht und endlich, nach 300 Jahren gehen die Arbeiten zur Vollendung von Meister Gerhards Vision weiter.

Am Abend des 15. Oktobers 1880 wird der Dom vom deutschen Kaiser Wilhelm I. eingeweiht. Sulpiz Boisserée darf dieses Ereignis nicht mehr erleben. Er stirbt 26 Jahre vor Vollendung seines Traumes.

Meister Gerhards Vision und Boisserée's Traum...es gab viele Menschen, die am Bau des Kölner Doms beteiligt waren...aber diesen beiden haben wir es zu verdanken, dass wir heute eine Kathedrale betreten dürfen, die uns bei jedem Besuch ihre Geschichte erzählt und uns ihre Magie fühlen läßt. Das ist der Grund, warum ich immer wieder hierherkommen werde. Denn wer das einmal gefühlt hat, kommt davon nicht mehr los.

Das war sie...die Geschichte unseres Doms. Ein Bauwerk, an dem noch immer viele Menschen arbeiten, um es uns und nachfolgenden Generationen zu erhalten. Danke auch diesen Menschen, über die ich sehr gerne nächstes mal berichten werde...

Eure Ramona

 

 

 

Der Kölner Dom III - Und die Zeit steht still

Nach dem Tod Meister Gerhards führen noch Generationen von Dombaumeistern die Arbeiten am Bau des Doms im Sinne dessen fort..bis im Jahre 1560 das nötige Geld ausgeht. Briefe zum Erlass der Sünden lassen sich nicht mehr verkaufen, denn die Angst der Kölner vor der Strafe Gottes ist in diesen Zeiten nicht mehr wirklich vorhanden. Auch der gotische Baustil ist längst aus der Mode gekommen und eher peinlich, als dass man stolz auf "seinen Dom" wäre. Die Arbeiten kommen zum erliegen und der Kran auf dem Südturm wird zum Wahrzeichen Kölns. Der längst nicht fertige Dom fällt für rund 300 Jahre in einen tiefen Schlaf...

...wir befinden uns im Jahre 1808, als der Kölner Kunsthändler Sulpiz Boisserée von der Vollendung des Doms träumt. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Architekten Dr. Georg Moller, der unter anderem für den Fürsten von Metternich tätig ist, hält er sich immer wieder an der Dom-Ruine auf, um zu überlegen, wie Meister Gerhard seinen Dom wohl vollendet hätte. 
Erst im September 1814 kommt den Freunden ein unglaublicher Zufall zu Hilfe. Der Zimmergeselle Johannes Fuhrer entdeckt auf dem Dachboden eines Darmstädter Gasthauses ein altes Pergament, aufgespannt, um Bohnen zu trocknen. Darauf zu sehen ein Bauplan. Über seinen Chef gelangt dieses Pergament letztlich in die Hände Mollers. Und auch Georg Moller ist es, der glaubt, auch die zweite Hälfte des Bauplans in Paris entdeckt zu haben und teilt dies Sulpiz Boisserée mit, welcher aufgrund seiner guten Kontakte tatsächlich bei einem Pariser Kunsthändler fündig wird...

Von meiner Ehrfurcht, wenn ich heute im Kölner Dom stehe, habe ich bereits berichtet. Ebenso empfinde ich aber große Dankbarkeit diesen Menschen gegenüber, die ihren Traum - die Vision Meister Gerhards wieder zum Leben zu erwecken - nie aufgegeben haben. Faszinierenderweise befinden sich beide Teile des Original-Bauplans heute hinter Glas und durch einen Vorhang vor Licht geschützt, im Kölner Dom.

Von den letzten Schritten zur Vollendung dieses Meisterwerkes, wie wir ihn heute kennen und lieben...nächstes Mal mehr.

Eure Ramona

Der Kölner Dom II - Meister Gerhard und der Pakt mit dem Teufel

Gerhard von Rile - oder besser bekannt als Meister Gerhard, ist der erste Dombaumeister in der Geschichte des Kölner Doms.
Er, vom Erzbischof von Köln, Konrad von Hochstaden, als Baumeister nach Köln geholt, ist es nun, der die Vision eines himmlischen Jerusalem auf Erden in Form einer Kirche - nein, als Kathedrale in nie gekanntem Ausmaß in Größe und Erhabenheit umsetzen will. 
Ihm, der als Steinmetz in seinen Lehr- und Wanderjahren verschiedene Baustellen in Frankreich besuchte, wird der Auftrag für den Bau des Doms erteilt.
Eine gute Wahl, wie sich herausstellen soll, denn er hat in Frankreich die gotische Bauweise studiert und setzt nun durch, die neue Kathedrale in eben diesem Stil zu errichten.Vorbild für den Kölner Dom wird unter anderem die Kathedrale von Amiens in Nordfrankreich sein, bei dessen Bau er Steinmetz war. 
Meister Gerhard ist für seine Arbeitswut bekannt und so stehen die sieben Kapellen im Ostchor und die Fundamente des Querhauses binnen weniger Jahre.
Sein Selbstvertrauen, dass nur er allein den Dom vollenden könne, ist unerschütterlich. Unter den Kölnern wird gemunkelt, dass er, da sie sich die Schnelle seines Vorankommens nicht anders erklären können, einen Pakt mit dem Teufel in Form eines Wettstreits geschlossen hat, welcher der Leibhaftige durch eine List gewinnt.
Als Meister Gerhard von dessen Sieg erfährt, stürzt er in einer stürmischen Nacht, am 25. April 1271, bei einem Kontrollgang unter mysteriösen Umständen vom Baugerüst seines Doms in den Tod...

Wenn ich heute im Dom stehe, dessen Vollendung Meister Gerhard nicht erleben durfte, ist doch dessen Geist und Wirken in diesen Gemäuern deutlich für mich spürbar. Doch die Geschichte seiner Entstehung ist auch hier noch nicht zu Ende.
Die Faszination, die dieses, wenn auch im 16. Jahrhundert eigentlich schon aufgegebene Bauwerk ausstrahlt, soll Anfang des 19. Jahrhunderts Menschen erreichen, die dafür sorgen werden, dass die Magie des Kölner Doms, der in seiner jetzigen Form so erst seit gut 130 Jahren besteht, noch heute lebt. Doch davon ein anderes mal mehr.

Eure Ramona

Der Kölner Dom - wie es begann...

 

...wir schreiben das Jahr 1164. Genauer gesagt, den 23. Juli 1164.

Rainald von Dassel, Erzbischof von Köln und Erzkanzler von Italien bringt als Kriegsbeute die Gebeine der Heiligen drei Könige von Mailand nach Köln und erhebt Köln damit zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte des Mittelalters.

...

Im damaligen karolingischen Dom, dem Hildebold-Dom oder auch Alten Dom genannt, werden die Reliquien im Dreikönigenschrein aufbewahrt und die Menschen pilgern, als es bekannt wird, in großen Mengen zum Dom. Es kommt, wie es kommen muss. Der Alte Dom kann die Heerscharen von Menschen nicht mehr aufnehmen. Ein neuer und über die Maßen großer Dom muss her. Es ist die Zeit der Gotik. Und die Geburtsstunde der Hohen Domkirche Sankt Petrus, oder - wie wir ihn heute alle kennen - des Kölner Doms.

Am 15. August 1248 ist es soweit. Erzbischof von Köln, Konrad von Hochstaden, legt den Grundstein für ein Bauwerk, dass die Menschheit bis zum heutigen Tage in seinen Bann zieht...

 

...mich ebenso, seit ich zum ersten Mal diese Kathedrale betreten habe. Mir verschlägt es noch heute die Sprache, beim Bewusstwerden seiner Anfänge, die so weit zurückliegen. Ehrfurcht macht sich breit. Nicht nur bei mir immer wieder, man sieht es auch in den Gesichtern der zahlreichen Besucher. Und da steh ich nun, demütig und bewegt, inmitten dieses Kolosses, von dessen Geschichte seiner weiteren Entstehung ich an anderer Stelle weiter erzählen werde.

Eure Ramona

Lokalpatrioten...

 

...ja, da zähle ich mich auch zu. Aber nicht, wie man vermuten könnte, dort, wo ich wohne. Klar - hier bin ich aufgewachsen, hier lebe ich, hier sind Menschen, die ich liebe.
Aber diesen Lokalpatriotismus verspüre ich, wenn ich in Köln bin oder zuhause daran denke. Die Verbundenheit der Menschen zu ihrer Stadt, die nicht einfach nur eine Stadt ist, sondern vielmehr ein Gefühl, ist einzigartig.

...

Manche mögen sagen, Köln ist keine Schönheit. Aber gerade diese Unperfektheit, dieses irgendwie nie wirklich fertig werden...die Gelassenheit, das nun mal gerade nicht zu ändern könnende, einfach hinzunehmen und zu akzeptieren...das ist die kölsche Seele.


Und das ist es, was diese Stadt - abgesehen vom Dom (wie könnte ich ihn unerwähnt lassen, das für mich schönste und beeindruckendste Bauwerk der Menschheit), den Brücken, dem Ufer des Rheins, den vielen schönen Plätzen - so unvergleichlich macht.

 

Wenn ihr mal nach Köln kommt und vielleicht sogar einige Tage dort verbringt, werdet ihr wissen, was ich meine. Und wenn es mir als Besucher schon so geht, kann man sich in etwa vorstellen, was der Kölner fühlt, wenn er an seine Stadt denkt. Deshalb kehren auch so viele, die es aus verschiedensten Gründen woanders hin verschlagen hat, immer wieder gern zurück. Denn wie heisst es? Man bekommt vielleicht einen Kölner aus Köln...aber niemals Köln aus einem Kölner.

 

Freut euch auf einen Besuch in dieser einzigartigen Stadt. Ich tu es jetzt schon.

 

Bis bald und ganz liebe Grüße
Eure Ramona

"Souvenirs, Souvenirs"...

 

Wie könnte ich Köln nach einem Besuch verlassen, ohne mir ein Stück "Erinnerung" mitzunehmen...da darf dann alles dabei sein: das handbemalte Teelicht zur Weihnachtszeit, den Dom als Bausatz in Miniaturformat, der nun stolz in meinem Wohnzimmer auf dem Regal thront. Oder der Regenschirm mit Köln-Motiv, weil mein alter Schirm sich passenderweise gerade bei einem Spaziergang durch den Rheinauhafen bei Regen und Wind verabschiedet hat.


Eine weitere Tass...e mit "Köln"-Schriftzug oder dem kölschen Grundgesetz versehen, weil der Kaffee dann doch sowieso viel besser schmeckt.

Bei meinen Spaziergängen durch die Kölner Altstadt kann ich an den vielen kleinen und größeren Souvenirläden kaum vorbeigehen. So wie mir scheint es aber sehr vielen Leuten zu gehen, denn die Läden sind immer gut besucht. Was ja kein Wunder ist, wer möchte nicht irgendwas, was zuhause an diese einzigartige Stadt mit ihren wunderbaren Menschen erinnert, mit zurücknehmen.

 

Der Rückweg meiner Spaziergänge führt mich dann, wie könnte es anders sein, wieder am Dom vorbei. Oft auch noch für einen kurzen Moment rein, um diese besondere Stimmung aufzunehmen. Ich setze mich und höre zu, wenn er von sich erzählt.

Wenn ihr das nächste mal den Dom besucht, setzt euch doch auch für einen Moment...und lauscht seiner Geschichte...einer Geschichte, die von Visionen erzählt, die wahr wurden.

Bis bald und liebe Grüße
Eure Ramona

   "Köln im Herzen, im Herzen Kölnerin"

 

Ich möchte mich kurz vorstellen: Mein Name ist Ramona und ich komme aus Hessen. Mittlerweile ist es fast 4 Jahre her, dass mich mein Weg zum ersten Mal nach Köln führte. Was soll ich sagen? Diese Stadt mit ihren Menschen, ihrem Dom, ihren Brücken, ihrem unverwechselbaren Charme...diese perfekt unperfekte und deshalb so liebenswerte Stadt hat mich in ihren Bann gezogen und bis heute nicht mehr losgelassen.

 

Mir geht es inzwischen so, dass ich das Gefühl habe, nach Hause zu kommen, sobald ich mit dem Zug über die Hohenzollernbrücke nach Köln fahre.

Allein die Einfahrt in den Hauptbahnhof, direkt am Dom vorbei, dem für mich erhabensten und beeindruckendsten, je von Menschenhand geschaffenen Bauwerk, ist nicht in Worte zu fassen.


Da ich leidenschaftlich gerne fotografiere, versuche ich bei jedem Besuch so viele "Köln-Momente" wie möglich mit der Kamera festzuhalten. Motive gibt es unzählige, angefangen natürlich beim Dom, dann Kölns berühmte Brücken, die urigen Gassen ebenso, wie die vielen Zeugnisse vergangener Zeiten.

 

Wenn man mich nun fragen würde, wie ich Köln beschreiben würde, müsste ich antworten: Köln kann man nicht beschreiben, man kann es nur erleben und fühlen. Denn wie heißt es? Kölle is e Jeföhl...und ich komme ganz sicher wieder.

 

Liebe Grüsse

Eure Ramona