Im Schatten des Domes - von Ramona Krippner

Die römische Deutzer Brücke

Klingt verwirrend, das geb ich zu. Und unsere Brücke stammt auch nicht mehr wirklich von den Römern. Aber tatsächlich befand sich in nur geringem Abstand zur heutigen Deutzer Brücke die um 310 von den Römern, unter Kaiser Konstantin, gebaute Bock- bzw. Jochbrücke, eine Holzkonstruktion auf steinernen Pfeilern. Und immerhin erst über 650 Jahre später veranlasste Erzbischof Bruno, dass die Brücke, bzw. die Reste der Pfeiler abgerissen werden, um einen reibungslosen Ablauf der Schifffahrt zu gewährleisten.

Nachdem seit ca. 1670 lediglich eine Art Fähre die Überquerung des Rheins an dieser Stelle ermöglichte, wurde am 16. November 1822 eine etwa 400 Meter lange Holzbrücke eingeweiht. Ein ungestörter Schiffsverkehr war allerdings auch jetzt nicht möglich, da das Mittelteil dieser von 40 Nachen (Kähne ohne Aufbau) getragenen Brücke dreimal täglich geöffnet werden musste, was bedeutete, dass dieses Mittelteil zur Seite geschwommen werden musste. Hochwasser oder Eis, was auf dem Rhein trieb, waren weitere Erschwernisse. Die perfekte Lösung war also auch das nicht.

Aber aufgeben war nicht. Also, vermutlich wurde damals so gedacht, denn von 1913 - 1915 entstand eine Kettenhängebrücke, die "Deutzer Hängebrücke" mit einem Gewicht von 6.200 Tonnen. 1935 wurde sie in "Hindenburgbrücke" umbenannt, nach dem 1934 verstorbenen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Diese hielt allerdings nicht lange. Am 28. Februar 1945 sollte sie repariert werden, stürzte aber ausgerechnet währenddessen zusammen. Wenn ihr die Brücke von der Domseite aus Richtung Deutz überquert, seht ihr eines der Kettenglieder dieser Konstruktion als Denkmal auf dem nördlichen Fußgängerweg.

Und so, wie wir sie heute kennen, wurde die Deutzer Brücke von 1947 - 1948 neu gebaut. Das heißt, einer der beiden Brückenzwillinge, aber dazu gleich mehr. Am 16. Oktober 1948 wurde die erste Stahlkastenträgerbrücke der Welt !! eingeweiht. Der Kölner Architekt Gerd Lohmer und Fritz Leonhardt hatten diese gemeinsam entworfen.

So, jetzt kommen wir zum Zwilling. Von 1976 bis 1980, viele von euch werden sich sicher noch erinnern, wurde die gleiche Brücke noch einmal gebaut, nur diesmal aus Spannbeton und unter großem Aufwand südlich an die bereits vorhandene Brücke rangeschoben. Die Stadtbahn bekam nun in der Mitte beider Zwillinge eigene Gleise, wohingegen rechts und links der Gleise Fahrbahnen, Rad- und Gehwege vorhanden waren...und sind, denn das ist nun unsere Deutzer Brücke. Insgesamt 437 Meter lang und 31,50 Meter breit.

Nun gibt es bei dieser Brücke eine Besonderheit. Sie ist nämlich von innen ebenfalls begehbar. Der Stahlbetonkasten enthält keine Einbauten und so befinden sich dort 3 begehbare Räume. Zwar ohne Tageslicht, aber wir sind ja in diesen Zeiten flexibel und wissen uns zu helfen. Und das ist auch gut so, denn in diesen Räumen finden oft Ausstellungen und Konzerte statt. Sehr außergewöhnlich an einem solchen Ort, aber...das ist Köln. Wie schrieb ich in einem etwas älteren Beitrag? Köln ist voller Geheimnisse. Dieses ist so eines.

Kleiner Seitenhieb: im Gegensatz zur Philharmonie darf man die Deutzer Brücke auch bei Konzerten überqueren 

Bis bald
Eure Ramona

Kurios, kurios

Bald ist es wieder soweit. Die schöne vorweihnachtliche Zeit beginnt und wir können durch festlich geschmückte Straßen und Gassen schlendern oder über einen der schönen Weihnachtsmärkte, wie zum Beispiel den Heinzelmännchen-Markt in der Altstadt. In der "Heimat der Heinzel" leiten uns die Heinzel mithilfe von Schildern, auf denen "Weihnachtsgasse" oder "Handwerkergasse" steht, über den Markt und man weiß sogleich, was in etwa man dort für Stände vorfindet.

Aber wie ist das eigentlich mit den Straßennamen in Köln? Wenn man so durch die Stadt spaziert, fällt einem schon der ein oder andere kuriose Name von Straßen oder Gassen ins Auge. Schauen wir uns doch mal einige dieser Namen etwas näher an.

Beginnen wir mit der Schaafenstraße. Schaf oder nicht Schaf, das ist hier die Frage...schreibt sich doch der Namensgeber, das liebe Vieh, nur mit einem a. Dennoch handelt es sich hier tatsächlich um die Strecke, auf der die Viehhändler im Mittelalter ihre Schafe bis zum Neumarkt trieben, damals dem größten Viehmarkt in Köln. Ursprünglich mußten die Tiere noch durch das Schaafentor, das existiert aber nicht mehr. Dass die Endstation der Schafe dann der Schlachthof war, blieb zu erwarten und der befand sich, wie könnte es anders sein, in der Fleischmengergasse.

Kommen wir zur Kostgasse. In dieser sich in der Nähe des Breslauer Platzes befindlichen Gasse haben die Metzger im Mittelalter Eingeweide und Abfälle des Schlachtviehs verarbeitet. Der ursprüngliche Name "Kotsgasse" kommt allerdings nicht, wie man jetzt bei dem Thema denken könnte, von sich übergeben, sondern war abgeleitet von dem mittelalterlichen Wort für Innereien "kut". Unserem guten Herrn Wallraff allerdings klang das zu unedel, daher nun der heutige Name.

Und wo wir gerade bei Wallraff sind...machen wir mit der "Hohe Straße" weiter, auch diesen Namen haben wir ihm zu verdanken. Schon in der Colonia Claudia Ara Agrippinensium spielte diese Verkehrsstraße eine wichtige Rolle, allerdings war sie im Mittelalter noch in Teilbereiche mit einzelnen anderen Namen untergliedert. Wallraff aber benannte diese große Straße, die bis zur "Hohen Pforte" führt, in "Hohe Straße".

Weiter gehts. Schau an, die Sachsen...nein, nicht wirklich. "Unter Sachsenhausen" hat mit den Sachsen nicht mal ansatzweise zu tun. In dieser Straße befand sich im 13. Jahrhundert die älteste Mietskaserne Kölns. Diese, bestehend aus 16 Häusern unter einem Dach, die der Patrizierfamilie Overstolzen gehörte, hieß "Unter Sechzehnhäusern" und wandelte sich später in "Unter Sachsenhausen". Ich finde es schwierig, manche Namenswandlungen nachzuvollziehen, aber wer sagt denn auch, dass man alles verstehen muss?

Wenden wir uns dem nächsten Kuriosum zu, dem Waidmarkt. Dass sich Textilwaren im mittelalterlichen Köln gut verkaufen ließen, ist ja bekannt, aber woher kommt der Begriff Waid? Waid ist eine Pflanze, deren Farbstoff die Blaufärber am Blaubach zum färben ihres Leinens nutzten. Und da die Bauern aus Jülich ihre Pflanzen an diesem Ort verkauften, bekam er den Namen Waidmarkt.

Gehen wir zum Himmelreich. Nein, so weit ist unser Spaziergang nicht, zum Glück. "Auf dem Himmelreich", damit ist der Ort gemeint, wo heute das Maritim-Hotel steht. Dort hatte im Mittelalter eine der 22 Gaffeln ihren Sitz. So romantisch das allerdings klingt, ist es aber gar nicht, denn man vermutet, dass der Name der Straße sich von "humelric" ableitete, und das bedeutet feuchte Erde oder Morast. 
Ihr seht, so manche Interpretationen können schon mal in die völlig falsche Richtung führen.

Ganz in der Nähe zum Heumarkt befindet sich der Alter Markt und die Straße dorthin heißt "Unter Käster". Dieser Name steht für die Kistenmacher, die dort im Mittelalter die Obst- und Gemüsekisten für die Händler hergestellt haben.

So, Ihr Lieben, zum Schluss ein kleines Rätsel...was hat es mit dem Straßennamen "Im Ferkulum" auf sich? Viel Spaß beim rausfinden...

Ein etwas anderes Köln

Ich bin unterwegs in Köln, wie schon so oft und gerne. Mein Weg führt mich diesmal nun zu einem weiteren "Heiligtum" der Kölner: dem Müngersdorfer Rhein-Energie-Stadion. Ich bin jetzt nicht unbedingt DER Fussballfan schlechthin, aber ich muss sagen, dieser Anblick, wenn man so direkt vorm Stadion steht, hat was. Zumal ich das Ganze in Ruhe genießen kann.

Es ist heiß, ich hab wohl für meinen Besuch hier einen der heißesten Tage überhaupt erwischt. Die Rasenflächen rechts und links von mir werden auch unablässig mit Wasser besprengt. 
Ins Stadion direkt rein kann ich zwar nicht, aber immerhin habe ich einen Blick durch eine Absperrung auf das Spielfeld erhaschen können, wo gerade der Rasen für die kommende Saison verlegt wird. Ich habe mir allerdings sagen lassen, dass es hier während der Saison zuweilen weit weniger beschaulich und sehr viel lauter zugeht, deshalb nutze ich meinen Besuch dort, und kann mich etwas genauer umsehen rund um das Stadion. Wie gesagt, in aller Ruhe.

Bei diesen Temperaturen ist man allerdings froh, irgendwann ein schattiges Plätzchen zu finden und so setze ich meinen Spaziergang fort. Den hinteren Teil des Stadions im Rücken liegt ein Waldgebiet vor mir und das wirkt direkt einladend, um mal aus der Sonne zu kommen. Zu überqueren ist dazu nur die Junkersdorfer Straße, dann sehe ich rechts noch ein Gelände, wo trotz der sengenden Hitze trainiert wird. Etwas weiter liegt dann links der Club Astoria, ein beliebtes Ausflugslokal.

Ich gehe noch einige Meter weiter und mir eröffnet sich ein Panorama, was ich hier so nicht erwartet habe. Ich stehe am Ufer des Adenauer Weihers und habe plötzlich überhaupt nicht mehr das Gefühl, mich mitten in einer Millionenstadt zu befinden. Für mich persönlich ist Köln sowieso nicht die typische Großstadt, aber mehr schreibe ich dazu jetzt nicht, sonst gerate ich wieder zu sehr ins schwärmen. Und hier geht es ja jetzt gerade mal um dieses herrliche Fleckchen Erde. Kaum vorstellbar, dass sich quasi hier um die Ecke das Rhein-Energie-Stadion befindet, dessen Lautstärkepegel während eines Spiels hier vielleicht noch abgeschwächt zu hören sein mag, trotzdem ist das hier eine ganz andere Welt.

Im Schatten auf einer Bank sitzend, genieße ich einfach nur noch den Ausblick auf das Wasser, eingerahmt von Bäumen. Hin und wieder verirren sich hier Jogger oder Radfahrer, die ihrem Bewegungsdrang trotz der hohen Temperaturen nicht widerstehen können. Ansonsten herrscht hier nur Stille. Ein Ort zum ausruhen. Ein Ort, um einfach mal die Seele baumeln zu lassen und Kraft zu tanken. Denn wo geht das besser als in der Natur und noch dazu in so schöner wie hier.

Entstanden ist dieser Weiher, der im östlichen Teil des Stadtwaldes liegt, und seinen Namen dem damaligen Oberbürgermeister der Stadt Köln, Konrad Adenauer, verdankt, übrigens in den 1920er Jahren, als der Stadtwald erweitert wurde. Adenauer setzte während seiner Amtszeit von 1917 bis 1933 sehr viel daran, Orte zur Erholung zu schaffen.

Rund um den über fünf Hektar großen Weiher, der am Rand des Stadtteils Lindenthal liegt, führt ein Weg, der sich perfekt für einen ausgedehnten Spaziergang eignet.
Und genau das werde ich nächstes Mal mal machen. Wenn es nicht mehr so heiß ist...

Die Geistermesse

Wir leben in einer Zeit, in der sich für die einen das meiste nur noch um Geld und Macht dreht, während andere sehen müssen, wie sie ihr Leben bestreiten. Eine nüchterne Welt, in der so manches, was früher einmal Bedeutung hatte, nicht mehr zählt, was die ganz Alten vielleicht noch wußten, wovon die Jungen heute aber nichts mehr hören wollen. Aber wer weiß schon, was es zwischen Himmel und Erde so alles gibt und was nicht? Vielleicht ist dem einen oder anderen von euch schonmal etwas widerfahren, wofür er keine logische Erklärung hatte? So ähnlich ging es auch Berthel, einem jungen Burschen aus Köln. Aber bedenkt eines: in jeder Legende steckt ein Fünkchen Wahrheit...

Es geschah vor langer Zeit. Berthel führte nicht gerade ein sehr gottesfürchtiges Leben, was soviel bedeutete, dass er dem Genuss des Alkohols oft nicht widerstand. Wenn er wieder einmal an einem Abend bei einer Feier im Wirtshaus reichlich getrunken hatte, war am nächsten Morgen an den Besuch der heiligen Messe im Gotteshaus nicht zu denken. So auch an jenem Abend. Berthel hatte mit einigen anderen den Geburtstag eines Freundes gefeiert und begab sich nun, mehr schwankend als geradeaus gehend, auf den Heimweg. Verheiratet war er nicht, die Frau war es also nicht, die zuhause verärgert auf den Trunkenbold wartete, aber er fürchtete die Strafe des Pfarrers, wenn er wieder verschlief und es nicht zum Gottesdienst schaffte.

So in seine Gedanken versunken, stolperte Berthel weiter über den Marktplatz. Auf dem Hügel vor ihm lag die Kirche St. Maria im Kapitol, die sich nun düster im Nachtlicht abzeichnete. Doch was war das? So düster sah sie heute gar nicht aus...
Kerzenschein war zu sehen und auch der Klang von Orgel und Gesang war zu vernehmen. Seltsam. Höchst verwirrt blieb Berthel stehen. Noch nie hatte er einen Gottesdienst um diese Zeit erlebt. Schließlich ging es auf Mitternacht zu. Fast schon hielt er dies für einen Wink des Himmels, jetzt diese Messe zu besuchen, um am nächsten Morgen nicht aufstehen zu müssen.

Von diesem Gedanken beseelt, ging er rasch den Hügel hinauf, öffnete leise die Tür zur Kirche und ging hinein. Damit hatte er nun allerdings nicht gerechnet. Er fand gerade noch ein freies Plätzchen in der letzten Bank, denn die Messe war außerordentlich gut besucht. Durch den Alkohol müde geworden, musste er aufpassen, nicht einzuschlafen, während vorne vertraute Worte gesprochen wurden.

Ein seltsamer Geruch, eine Mischung aus feuchter, vermoderter Erde und Weihrauch drangen an ihn heran und langsam bekam er das Gefühl, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. Aber was nur...was passierte hier? Warum kamen derart viele Menschen des Nachts in die Kirche?

Da plötzlich stieß ihn sein Banknachbar mit spitzem Ellbogen an: "Du musst jetzt gehen". Berthel jedoch nahm das gar nicht ernst, erst wollte er schließlich noch den Segen abwarten. Aber eine leichte Furcht machte sich dennoch langsam breit. Kurz danach wieder: "Du musst jetzt wirklich gehen". Diesmal klang die Aufforderung sehr einschüchternd und als Berthel dem Fremden ins Gesicht blickte, erschrak er fürchterlich. Das seltsame Gefühl, welches ihn während des gesamten Gottesdienstes begleitet hatte, wofür er jedoch keine Erklärung gefunden hatte, bestätigte sich jetzt, als er sah, dass die Gottesdienstbesucher allesamt im wahrsten Sinne des Wortes leichenblass waren. Auch sein Sitznachbar, welcher nun mit glühenden Augen und knochigem Zeigefinger zur Tür zeigte. Auch fiel Berthel jetzt erst auf, dass die Kleidung der Leute hier zerschlissen war und Jahrhunderte alt sein musste.

Ihn packte die nackte Angst. Wie vom Leibhaftigen persönlich gejagt, rannte er aus der Tür zur Kirche hinaus, gerade noch im rechten Moment. Denn als er sich noch einmal ganz kurz umdrehte, um sicherzugehen, dass er sich das alles nicht nur eingebildet hatte, löschte ein eisiger Luftzug die Kerzen in der Kirche und die Tür fiel mit einem gewaltigen Krachen ins Schloss.

Berthel machte in jener Nacht kein Auge zu. Bereits zur Frühmesse erschien er dann in der Kirche, und erzählte dem Pfarrer nach dem Gottesdienst, was er nachts erlebt hatte. Der Pfarrer offenbarte ihm, dass er großes Glück gehabt hatte. Denn Berthel war in eine der Geistermessen geraten, von denen man schon so manches mal gehört hatte. Und hätte er dank seines Banknachbarn die Kirche nicht rechtzeitig verlassen, wäre er mit all den Geistern auf ewig verschwunden.

Anstatt sich das eine Lehre sein zu lassen, führte Berthels erster Weg auf diesen Schreck hin direkt...ins nächste Wirtshaus.

Ihr Lieben, solltet ihr irgendwann nachts bzw. um Mitternacht von einer ausgelassenen Feier kommen und Licht in einer Kirche sehen, überlegt euch gut, ob ihr sie betreten wollt. Denn wie ich anfangs sagte: in jeder Legende steckt ein Fünkchen Wahrheit...

Der Schrecken der Kindheit

"Och nö, nicht ins Museum"...
"Museum ist doch so langweilig"...

Diese und andere entsetzte Aussagen kennen wir doch aus unserer Kindheit oder später von unseren Kindern alle. Und ich muss gestehen, auch bei mir war das nicht anders. Auf Klassenfahrten hatten unsere Lehrer nichts besseres zu tun, als uns von einem Museum ins nächste zu jagen. Es sei denn, wir hatten das große Glück und die Fahrt ging in die Berge oder ans Meer. Bei meiner Abschlussfahrt ging es aber dann leider nach Berlin und da hatten wir natürlich "das große Los gezogen". Unsere Lehrer kannten keine Gnade.

Aber irgendwie scheint sich das Interesse an den verschiedenen Völkern und Künsten, die in den vielen Museen ausgestellt sind, mit den Jahren zu ändern. Klar interessiert man sich auch dann nicht unbedingt dafür, sich in einem Museum für moderne Kunst einen roten Fleck auf blauem Untergrund anzusehen, aber das ein oder andere Thema betrachtet man nun doch aus einem anderen Blickwinkel. Mir zumindest es es so ergangen.

Wie sehr ich unser "Bahnhofskapellchen" liebe und wie gerne ich darüber schreibe, wisst ihr ja. Aber zwangsläufig, wenn man sich etwas intensiver damit beschäftigt, rutscht man auch in die geschichtlichen Hintergründe. Und das in diesem Fall eben nicht nur den Dom und seine Vorgeschichte betreffend, sondern auch die Geschichte unserer Stadt. Und unsere Colonia Claudia Ara Agrippinensium - oder heute dann Köln - hat da einiges zu erzählen.

Wie ihr in der letzten Zeit vielleicht schon gemerkt habt, zieht es mich auch immer wieder mal zu den Römern, die aus Köln überhaupt erst diese Stadt haben werden lassen. Und man nennt Köln nicht umsonst die nördlichste Stadt Italiens. Tatsächlich findet man an vielen Orten noch Überbleibsel aus römischer Zeit. Und so kam ich dann dieses Jahr endlich in den Genuss eines? Ja genau, eines Museumsbesuches. Um genauer zu sein, des Römisch-Germanischen Museums. Und ich war, und bin es immer noch, begeistert. Es ist schlichtweg beeindruckend, so in die Geschichte einzutauchen. Als erstes wollte ich das Dionysosmosaik sehen. Ich begab mich also eine Etage tiefer und schon von der Treppe aus hatte ich einen unwerfenden Blick darauf. Ich war so fasziniert, dass ich das direkt mir gegenüberliegende Grabmal des Poblicius, und ich muss dazu sagen, man KANN dieses Grabmal in monumentaler Größe eigentlich gar nicht übersehen, nicht wahrnahm. Erst als ich mir die untere Etage weiter ansehen wollte, und mich noch einmal umdrehte, sah ich es. Dieses Grabmal des Legionärs Lucius Poblicius stammt aus den ersten 50 Jahren nach Christus. Früher stand es am heutigen Chlodwigplatz, dort verlief die römische Fernstraße Köln-Bonn.

Unglaublich, dass wir heute das Glück haben, ein so altes Stück Geschichte betrachten zu können. Aber nicht nur das. Als ich weiterging, kam ich zu einem großen Zimmer, natürlich geschützt hinter Glas, dargestellt sind dort Tisch, Stühle, ein Mosaikfußboden usw. Man erhält tatsächlich einen Einblick, wie damals gelebt wurde. Natürlich findet man in verschiedenen Vitrinen auch diverse Dinge des damaligen Alltags. Die Krönung des Ganzen aber befindet sich im Obergeschoss des Museums. Hier gehen die Funde sogar noch weiter zurück, nämlich in die Ubierzeit. Was mich persönlich aber am meisten beeindruckte, ist der wieder aufgebaute originale Mittelbogen des Nordtors, auch Pfaffenpforte genannt, mit der Inschrift CCAA. 
Des Weiteren findet man hier Grabsteine samt Inschriften, Sarkophage, Säulen, Büsten und vieles andere mehr. Auch die Götterverehrung der damaligen Zeit kommt hier nicht zu kurz.

Mit dem Gefühl, "meiner" Stadt wieder in Stück näher gekommen zu sein, verließ ich das Museum. Aber ich bin sicher, ich komme wieder. Und einen Besuch hier kann ich euch nur empfehlen.

Die spinnen, die Römer!

Wer kennt ihn nicht, diesen inbrünstigen Ausruf des Galliers Obelix...fest steht jedoch, dass man diese Aussage nicht ganz so ernst nehmen sollte, denn es gibt einiges, was dagegen spricht. Allein bautechnisch gesehen waren die Römer Genies ihrer Zeit und selbst heute noch können wir die Überreste davon bewundern und bestaunen.

Heute geht es aber nicht um die allgemeine römische Baukunst, sondern um etwas spezielles...

Was machen wir, wenn wir Wasser brauchen, sei es zum trinken, Wäsche waschen, kochen, putzen oder duschen? Richtig. Wir drehen einfach den Hahn auf und es läuft. Ohne uns Gedanken zu machen - oder machen zu müssen - wo das Wasser herkommt und welche Wege es vielleicht bereits zurückgelegt hat. 
Aber wie war das eigentlich damals in Köln vor der und zur Römerzeit?

Ca. 30 n. Chr., die Ubierstadt war noch nicht zur römischen Colonia erhoben, nutzte man noch Quellen und saubere Bachläufe des Höhenzuges Ville als Leitung zur Wasser- bzw. Trinkwasserversorgung. Allerdings versickerten diese irgendwann. Als diese "Leitung" nicht mehr ausreichte, die Stadt, die rasch wuchs, mit Wasser zu versorgen, wurde eine neue Wasserleitung errichtet. Dieses geschah ca. im Jahre 80 n. Chr. durch die Römer. Da die Leitung bis in die Eifel reichte, hatte sie den Namen Eifelwasserleitung, oder auch Römerkanal. Man muss bedenken, dass diese Eifelwasserleitung sage und schreibe 95,4 km lang war und jeden Tag bis zu 20.000 Kubikmeter Wasser transportieren konnte.

Als Material für diese Wasserleitung verwendete man "Opus caementitium", wie die Römer sagen, einen betonähnlichen Werkstoff, sowie Naturstein. Und da nur das römische Heer über die entsprechenden Mittel verfügte, geht man sicher davon aus, dass die Errichtung dieser Wasserleitung diesem zuzuschreiben ist. Damit man nun diese Leitung schnellstmöglich nutzen konnte, unterteilte man die Strecke in sogenannte Baulose, oder einfacher gesagt, Abschnitte, an denen zeitgleich gearbeitet wurde. Klaus Grewe, ein deutscher Altertumsforscher, konnte zwei dieser Abschnittsgrenzen archäologisch nachweisen.

Ich finde es faszinierend, wie damals gedacht wurde, denn das Wasser floss rein durch das Gefälle der Leitung zu seinem Bestimmungsort. Es war den Römern also schon damals möglich, genau zu vermessen und physikalische Gesetze anzuwenden. 
180 Jahre lang war der Römerkanal in Betrieb, bevor die Franken Köln zerstörten. Genutzt wurde er danach nicht mehr. Die Stadt erholte sich jedoch schnell und wurde nun vom Duffesbach mit Wasser versorgt. Man war also quasi wieder soweit wie zu Ubierzeiten.

Interessant ist vielleicht noch zu wissen, dass die Eifelwasserleitung in einer U-förmigen Rinne verlief, und das ca. einen Meter unter der Erde, damit sie nicht zufrieren konnte. Selbst daran hatte man gedacht. Sie war innen ca. 70 cm breit und einen Meter hoch, man konnte sie also sogar begehen. Damit das Wasser auch sauber blieb, wurde sie von außen verputzt. Von innen wurde sie ebenfalls verputzt, damit kein Wasser verloren ging. Hochbauten dieser Leitung gab es nur wenige, da diese keine großen Täler überwinden musste.

Man sieht, und das ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen - so dusselig die Römer bei Asterix und Obelix dargestellt wurden - waren sie gar nicht.

Salve e salute
eure Ramona

Über den Tod hinaus

Jede Kirche hat ihre eigene Geschichte zu erzählen. Bei meinen bisherigen Besuchen in den großen romanischen Kirchen Kölns oder natürlich auch des Domes habe ich schon einiges darüber erfahren dürfen. Aber sie haben nicht nur ihre Geschichte. Jede einzelne, in der ich war, wirkt auch auf ihre eigene Art. Im Dom zum Beispiel fühle ich schon beim Betreten ein Geborgensein, ein Nachhausekommen. Oder St. Gereon...hier nimmt mich beim Betreten des Dekagons, also des zehneckigen Kuppelbaus mit seinen Farben, Nischen und Fenstern etwas gefangen, was ich nur sehr schwer in Worte fassen kann. Einfach nur wunderschön. Groß St. Martin...von außen mächtig und erhaben, so spürte ich im eher schlichten Innenraum so etwas wie Einsamkeit und Traurigkeit.

Was mir aber in keiner Kirche passiert ist, ist das, was ich in St. Maria im Kapitol gefühlt habe. Kurz zur Kirche selbst: Sie ist die größte (früh)romanische Kirche Kölns mit einer Länge von ca. 100 Metern und einer Breite von ca. 40 Metern. "Im Kapitol" bedeutet, dass die Basilika auf einer einst sich dort befindlichen römischen Tempelanlage erbaut wurde. Diese Tempelanlage wurde im ersten Jahrhundert n. Chr. für die in der Römerzeit bedeutendsten Götter Jupiter, Juno und Minerva errichtet. Zum Anlass des Baus nahm man die Erhebung zur Colonia römischen Rechts.

Aber weiter: Der Besuch dieser Kirche gestaltete sich für mich persönlich mehr als merkwürdig. Schon beim Eintreten bemerkte ich, dass ich mich dort nicht so wohl fühlte, wie in anderen Kirchen. Als ich dann aber durch die Kirche ging und in den hinteren Bereich mit dem Chorumgang kam, beschlich mich ein sehr unangenehmes Gefühl, ein fast schon angstmachendes, sodass ich meinen Rundgang dort beendete und die Kirche verließ. Wieder draußen, fragte ich mich natürlich, was das denn jetzt war und kam zu dem Schluss, dass ich mir das eingebildet haben muss.

Trotzdem ließ mir das Ganze keine Ruhe und ich begann, mich noch einmal näher mit St. Maria im Kapitol zu befassen. Im Zuge dessen stieß ich auf eine der Kölner Legenden und ich muss sagen, für mich die traurigste.

Wir befinden uns im Frankenreich. Aufgeteilt in drei Unterreiche, wurde jedes der drei Reiche von den mächtigsten Geschlechtern regiert. Und jeder wollte noch mächtiger als der andere sein. Morde, Hass und Verrat bestimmten alles. Selbst die eigene Familie wurde nicht verschont. War ein Vater endlich König, wurde das Reich unter den Söhnen neu aufgeteilt und die Kämpfe begannen von vorn. Auch untereinander. Der mächtigste Mann erhob sich zum "Hausmeier", zum Majordomus, das ist der lateinische Begriff dafür. Sollte vornehmer klingen. Das aber nur nebenbei.

Im 8. Jahrhundert schließlich, der bis dahin regierende Hausmeier Pippin II. war gerade gestorben, fürchteten sich die Bürger Kölns nun vor dessen Witwe, Plektrudis. Sie, als strenge und fromme Christin, führte ein Kloster, direkt hinter dem Palast gelegen. Ihre eigenen Söhne lebten nicht mehr, und so setzte sie ihren kleinen Enkel als Nachfolger ihres Mannes ein. Bis dieser aber alt genug war, wollte sie die Herrschaft übernehmen. Dabei im Weg war ihr einzig ihr ungeliebter Stiefsohn Karl, der Sohn Pippins, der aus einer Liebschaft Pippins mit einer anderen Frau hervorgegangen war. Für die herrschsüchtige Plektrudis kam dieser Karl natürlich überhaupt nicht als Regent in Frage, obwohl dieser der direkteste Nachkomme Pippins war, also ließ sie ihn kurzerhand in den Kerker werfen. Wochen vergingen. Nur der Gedanke an ein Mädchen, welches Karl kurz, bevor er weggesperrt wurde, ein einziges Mal in der Nähe von Plektrudis gesehen hatte, gab ihm Kraft durchzuhalten, denn dieser eine Moment hatte gereicht, um sein Herz an das Mädchen zu verlieren.

Dieses Mädchen war Ida, die Nichte der Plektrudis. Dieser war der kurze Moment zwischen Karl und Ida ebenfalls nicht entgangen. Sie jedoch hatte andere Pläne mit ihrer Nichte, die auf ihr Geheiß hin von Nonnen erzogen wurde. Ida sollte dem Mann gehören, den ihre Tante selbst auszuwählen gedachte. Aber Karl saß ja im Kerker, die Gefahr war also gebannt. Oder etwa nicht? Der Kerker nämlich lag zum Garten des Klosters hin, in dem Ida sich oft aufhielt. Und so hörte sie ihn eines Tages fluchen. Sie ging der Stimme nach, suchte unter den Büschen und fand schließlich den mit Gitterstäben gesicherten Kerker.

Sie versprach, ihn zu befreien und in einem unbeobachteten Moment brachte sie ihm einen Dolch, um das schon poröse Mauerwerk um die Gitterstäbe weiter lockern zu können, und ein Seil, an welchem sie ihm half, sich nach oben zu ziehen. Er war frei.

Frei, musste aber in den Krieg ziehen, um die ihm zustehende Herrschaft zurückzugewinnen. Plektrudis, die von Ida`s Tat erfahren hatte, befahl, dass Ida zur Strafe nun selbst Nonne werden mußte und das Kloster nicht mehr verlassen durfte. Karl, der Ida versprochen hatte, so schnell es geht zurückzukehren, kam nach 4 langen Jahren, und seinem Sieg zurück, um seine geliebte Ida zu holen, doch er kam zu spät. Ida, die jeden Tag im Klostergarten auf ihren Liebsten gewartet hatte, war an gebrochenem Herzen gestorben, nachdem ihre Tante ihr die Lüge vom Tode Karls überbracht hatte.

War nun mein Gefühl in dieser Kirche wirklich nur Einbildung? Denn die Gründerin von St. Maria im Kapitol war niemand anderes als: Plektrudis. Und hier lag sie einst begraben.

Der alte kölsche Adel

Wie dieser entstand? Tja, das ist eine weitere, wie ich finde, liebenswerte Kuriosität Kölns. Ich stelle immer wieder fest, dass in dieser Stadt einfach alles etwas anders ist. Sei es das Kinderkriegen, siehe Kunibertspütz oder die "Ernsthaftigkeit" gewisser Themen, die dann eigentlich gar nicht so ernst genommen oder gesehen werden. Und aus der Ruhe bringen läßt sich der Kölner schon gleich gar nicht. Und so ist es auch mit dem "echten alten kölschen Adel".

Hier sind jetzt nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, blaublütige Vorfahren mit deren Nachkommen gemeint, die hier weiter ihr Unwesen treiben. Nein, hier sind die Leute gemeint, die...und jetzt bitte doch mal ernst nehmen..."Schmitz" heißen. Selbst ein Blick ins Telefonbuch bestätigt das. Aber warum gerade Schmitz? Dazu gleich mehr...

Jupp Engels, Architekt und sehr interessiert an der Geschichte der Stadt war der Meinung, dem kölschen Adel gehört ein Denkmal gesetzt, nachdem man auf seinem Grundstück alte Steine der alten römischen Hafenanlage (heutiges Martinsviertel) ausgegraben hatte. So kamen die Kölner zur Schmitzsäule, auf der man vier Inschriften findet, die von verschiedenen Ereignissen berichten. Die eine erzählt von eben diesem Werdegang der Entstehung der Säule. Jupp Engels spendete bereits 1965 das Geld, errichtet wurde sie dann 1969.

So nun zum Namen Schmitz. Man hat, was die Kölner Ur-Ahnen betrifft, herausgefunden, und das besagt eine weitere Inschrift,dass in vorgenanntem römischen Hafen, gutaussehende römische Legionäre die dortigen Lagerhallen bewachten und des öfteren "Besuch" von Ubiermädchen erhielten. Bei diesen Schäferstündchen sollen die ersten Schmitzens entstanden sein. Woraus sich hier allerdings der Name Schmitz ableitet, erschließt sich mir nicht, also nehmen wir es mal so als gegeben hin.

Eine dritte Inschrift zeigt die Hochwassermarke des Rheins von 1784 und die vierte schließlich beschreibt ein ganz besonderes Detail. Typisch kölsch, kann ich da nur wieder sagen. Im selben Jahr nämlich wie der Errichtung der Schmitzsäule, 1969, betrat der erste Mensch den Mond und die Kölner ließen nun vom Institut für Weltraumforschung in Bochum genau den Abstand des linken Fussabdrucks von Mr. Neil Armstrong auf dem Mond zur Schmitzsäule ausrechnen. Und der beträgt 389.994 Kilometer und...100 Meter! Dä.

Und wo finden wir nun dieses besondere Denkmal? Die offizielle Adresse ist der Alter Markt 30. Aber da findet man es nicht, obwohl man doch eine 4,50 Meter hohe Säule eigentlich nicht übersehen kann. Weiter heißt es, sie befände sich in der Nähe von Tünnes und Schäl. Das wäre dann die Lintgasse 9. Aber auch da - Fehlanzeige. Nächster Tipp: An Groß St. Martin. Dort findet man aber nur die Umbauung des ehemaligen Klostergeländes von Groß St. Martin. Man braucht schon etwas Geduld, um irgendwann an der Westseite den Hinweis zu erhalten, dass man die Säule findet, wenn man VOR der romanischen Kirche steht. Aber vielleicht habe ich ja ein wenig eure Neugier geweckt und ihr begebt euch auf die Suche nach dem Denkmal des "alten kölschen Adels".

Königsweg

Der Platz, auf dem ich mich befinde, ist einer meiner persönlichen Lieblingsorte. Der Heinrich-Böll-Platz, mit dem Zugang zur Hohenzollernbrücke mit ihren unendlich vielen Liebesschlössern, den wunderbaren Ausblick auf den Rhein und das Panorama und auch die angrenzende Treppe direkt hinunter in die Stadt und zum Rheinufer.

Der Platz, der nach dem 1985 verstorbenen Ehrenbürger Kölns, und nicht zu vergessen auch Literaturnobelpreisträger, Heinrich Böll, benannt wurde, umfasst eine Fläche von ca. 5000 Quadratmetern. Für die Platzgestaltung zeichnet Dani Karavan verantwortlich, der die Umgebung zwischen dem Domchor, dem Museum Ludwig, dem Bahnhof und dem Rheingarten "Ma'alot" nennt, was auf hebräisch soviel die Stufe oder Terrasse bedeutet.

Was ich interessant finde: an dieser Stelle ging im mittelalterlichen Köln der Königsweg entlang. Mit dem Schiff kamen sie über den Rhein, schritten über Treppen hinauf zum Domhügel, wo sich damals noch die Kirche St. Maria ad Gradus befand (erinnert ihr euch? Eine Säule dieser Kirche befindet sich noch immer auf dem Domherrenfriedhof vor dem Domchor). Danach ging es dann weiter zum Dom.

Aber kommen wir wieder in die Gegenwart. Bei der Gestaltung des Areals hat sich der israelische Künstler Karavan etwas besonderes einfallen lassen, nämlich einen 10,80 m hohen Turm im Nordosten des Platzes. Auf einer Fläche von 2,70 m mal 2,70 m finden wir auf Vorder- und Rückseite Treppenstufen, das heißt, diese Skulptur ist begehbar. Wenn man den Turm auf der Seite mit der Hohenzollernbrücke im Rücken besteigt, bekommt man durch einen Schlitz einen mal etwas ungewöhnlicheren Blick auf den Dom. Absolut empfehlenswert!

Ihr seht, Köln hat so viele schöne Kleinode zu bieten, man muss sie nur sehen. Einzig ärgerlich an diesem Platz ist für mich und bestimmt viele andere auch der Umstand, dass man weite Teile nicht betreten darf, sobald der Konzertsaal der darunterliegenden Philharmonie genutzt wird. Aber wie heißt es so schön? Irgendwas ist ja immer...

In diesem Sinne bis bald
eure Ramona

Die älteste Legende Kölns

Wir schreiben das Jahr 69 n. Chr. Ein für das Geschehen in der großen Politik unbedeutender Hauptmann hatte für den Fall vorgesorgt, dass Köln einer Belagerung durch die Römer ausgesetzt sein könnte und dieser Umstand wurde auch tatsächlich erwartet. So ließ er Nahrungsmittel aller Art durch die Tore der Stadt bringen, auch viele Fässer Kölsch durften dabei nicht fehlen (nun gut, Kölsch wird es nicht wirklich gewesen sein, denn das gab es im Jahr 69 noch gar nicht, aber schließlich befinden wir uns in einer Kölner Legende).

Sein Name war Marsilius. Und so weitsichtig der Hauptmann auch war... eines hatte er vergessen...nämlich daran zu denken, auch für ausreichend Brennholz zu sorgen.
Aber warum bestand überhaupt die Sorge vor einer römischen Belagerung?

Nun, im Jahre 68 starb Kaiser Nero in Rom und aus den vier möglichen Nachfolgern ging Vespasian als neuer Kaiser hervor. Einem der drei noch verbliebenen anderen, Aulus Vitellius, passte das so gar nicht und so ließ er sich am 2. Januar 69 zum römischen Gegenkaiser ausrufen und wurde in der römischen Provinz Niedergermanien, dessen Hauptstadt die Colonia Claudia Ara Agrippinensium war, Oberbefehlshaber. Unseren eigensinnigen Kölnern gefiel es jedoch überhaupt nicht, irgendwelche Nicht-Kölner in ihrer Nähe zu wissen und einen Herrscher aus diesen Reihen akzeptieren zu sollen, kam auch nicht in Frage. Also taten sie alles mögliche, um den Römern den Zugang in ihre Stadt zu verweigern.

Kommen wir zurück zu dem Problem mit dem vergessenen Brennholz:

So kreativ unsere Kölner sind, so waren sie es auch damals schon. Jener genannte Hauptmann Marsilius nämlich steckte sämtliche kölschen Mädchen in germanische Rüstungen und setzte ihnen Helme auf, so dass man nicht erkennen konnte, dass das gar keine wirklichen Männer waren. Marsilius schickte diese nun mit Karren durch ein Stadttor in den Wald, es sah also so aus, als wollten sie Holz sammeln. Eher noch aber wirkten sie kriegslustig. 
Die Truppen des Kaisers Aulus Vitellius fielen auch tatsächlich darauf rein, und als sie die Mädchen in Rüstungen, die sie für Brennholz suchende Männer hielten überfallen wollten, kam Marsilius mit den wirklichen Soldaten von dem Wald gegenüberliegenden Stadttor in denselben, kreisten die Krieger des Möchtegern-Kaisers Vitellius ein und überfielen sie hinterrücks. Nach schrecklichem, aber gewonnenen Kampf nahm Hauptmann Marsilius den Vitellius gefangen.

Bis ihm am nächsten Tag der Garaus gemacht werden sollte - es sollte ihm auf dem Marktplatz der Kopf abgeschlagen werden - wurde Vitellius von Marsilius in einen Turm gesperrt.

Der nächste Tag kam und der ach so mächtige "Kaiser" jammerte und flehte um sein Leben. Kurz bevor das Beil des Henkers niedersauste, zeigten die Kölner Erbarmen mit dem armen Wicht, aber nicht, ohne den Verurteilten vorher zu etlichen Zugeständnissen zu ihren Gunsten zu bewegen, welche Vitellius mit Unterschrift und Siegel beglaubigen musste.

Das war die Legende zur Rettung der Stadt Köln durch den mutigen Hauptmann Marsilius. Seit jeher gilt der Pfingstdonnerstag als Holzfahrtag, der Tag des Sieges über die Mannen des Kaisers Vitellius. 
Am Gürzenich, über dem Eingang zum Weinkeller findet man ein Denkmal mit Inschrift für den tapferen Marsilius.
Und es gibt noch mehrere Orte, die ihm gedenken, z. B. die Marsiliusstraße oder direkt im Gürzenich der Marsilius-Saal. Man sagt ja, jede Legende beinhaltet immer auch ein Stückchen Wahrheit. Sicher auch hier, denn - mit einem Schmunzeln zu verstehen - wer weiß, was sonst aus unserer schönen Stadt geworden wäre.

Bis bald
eure Ramona

Eine Zeitreise

Was für ein klarer Abendhimmel, der Mond scheint in seiner ganzen Pracht. Es ist mild an diesem späten Abend im Juli. Wohlhabende Damen in kostbaren Tuniken unterhalten sich über die Geschehnisse des Tages, während die Männer, ebenfalls in Tuniken gehüllt, nur kürzer als die der Damen, in Beratungen und Plänen vertieft sind. Bedienstete versorgen die Herrschaft mit Wein und Trauben und allerlei anderen Köstlichkeiten...

So oder so ähnlich wird es wohl oft zugegangen sein im alten Rom. Aber nicht nur dort. Auch in einem bestimmten Haus, erbaut ca. 50 n. Chr. in der Colonia Claudia Ara Agrippinensium, der römischen Kolonie, aus der das heutige Köln entstanden ist. Unsere Szene aber spielt im Jahr 230 n. Chr., also 180 Jahre und einige Umbauten des Hauses später. Hier, unter den Füßen der feinen Gesellschaft befindet sich etwas, das wir heute, ca. 1.700 Jahre nach Entstehung dessen als Dionysosmosaik kennen. Dieses Mosaik, welches damals als Fußboden eines Speisesaals diente, befand sich in einem sogenannten Peristyl, einem rechteckigen Hof, der von Säulenhallen umgeben war, den Kolonnaden. In diesem Speisesaal wurden Speisesofas aus Holz errichtet, auf denen man mehr liegend als sitzend Speisen und Getränke zu sich nahm.

Man geht davon aus, dass es sich bei den Bewohnern um reiche Kaufleute gehandelt haben musste, denn dieser Innenhof gehörte zu einer ca. 2.600 Quadratmeter großen Stadtvilla. Bei einem Angriff der Franken auf das römische Köln im Jahre 355 brannte das Haus ab und das Mosaik wurde unter einer Schicht aus Schutt und Asche begraben. Zum Glück, muss man sagen, denn dieser Umstand hat dafür gesorgt, dass es bis heute erhalten geblieben ist.

Im Jahr 1941 beim Bau eines Luftschutzkellers, dem Dombunker, fand man diesen Fußboden, sowie Reste des Fundamentes. Und genau hier, vor 1.700 Jahren fanden diese Szenerien statt, die ich anfangs beschrieben habe.

Eine bewegende Vorstellung, dass man dieses Überbleibsel heute an genau der ursprünglichen Stelle, an der es einst entstanden ist, bewundern kann, denn das Dionysosmosaik ist ein Bestandteil der Ausstellung im Römisch-Germanischen Museum, wenn nicht DAS Denkmal schlechthin. Übrigens wurde das am 4. März 1974 eröffnete Museum über dem Mosaik errichtet und zeigt natürlich noch sehr viel mehr aus der Zeit der Römer und sogar der Ubier, aber das würde hier jetzt den Rahmen sprengen.

Widmen wir uns also nochmals dem Hauptdarsteller:

Unser Mosaik besteht aus 27 mehrfarbigen Medaillons. In der Mitte finden wir den, ich nenne es mal vom Wein beseelten Dionysos, dem griechischen Gott desselben. In den das Hauptbild umgebenden achteckigen Bildnissen befinden sich verschiedene Ansichten aus der Natur, die Jahreszeiten, ebenso, wie ein bocksfüßiger Pan mit einem Ziegenbock an der Leine oder ein weiblicher Panther mit blauem Halsband, um nur einige Beispiele zu nennen.
In den Randfeldern finden wir Abbildungen, die sich auf das beziehen, was der damalige Raum war, nämlich wie schon erwähnt, ein Speisesaal. So tummeln sich hier Enten, ein Pfau und Täubchen. Weiterhin sind Trauben, Spalierobst oder auch Erntegeräte zu sehen.

Dieses Mosaik mit einer Fläche von 70 bis 75 Quadratmetern besteht aus ca. 1,5 Millionen Mosaiksteinchen aus Glas, Ton und Naturstein und gehört damit zu den größten seiner Art nördlich der Alpen.

Begebt euch doch mal auf eine Reise in die römische Vergangenheit unserer Stadt und sie wird wieder lebendig werden.

Salve, wie der Römer sagt,
Eure Ramona

Der drüje Pitter

Unser Kölner Dom steht unter dem Patrozinium (Schutzherrschaft) des Apostels Petrus. Auch die erste Domglocke trägt den Namen des Heiligen. Und außerhalb des Domes finden wir in unmittelbarer Nähe etwas, das ebenfalls den Petrus im Namen hat. Den Petrusbrunnen, auch "drüje Pitter" genannt.

An der Südseite des Domes, auf der Papstterrasse, hat er seit 2010 seinen festen Platz, nachdem er schon einige Umzüge überstehen musste. 
Ursprünglich wurde er im Mai 1870 am Domchor aufgestellt. Für fließendes Wasser war die Stadt Köln zuständig, nur hat genau das nicht funktionert. Es gab zuerst keine Leitungen, und später wurden solche nicht richtig angedreht und der Erfolg der Wasserversorgung ließ zu wünschen übrig, da er auch dann lediglich nur getropft haben soll. So blieb er also ein Brunnen ohne Wasser, was ihm den Spitznamen "der drüje Pitter" einbrachte. Aber wie heißt es so schön? Einem geschenkten Gaul usw...

Nachdem kein Geld für den erdachten Brunnen da war, stiftete nämlich Königin Augusta, Gattin Wilhelm I. den Kölnern den Brunnen. Dieser wurde, nach einem Entwurf des damaligen Dombaumeisters Richard Voigtel, von dem Dombildhauer Peter Fuchs gefertigt. Zunächst sollte der Brunnen von Fantasiewesen, wie dem Greif, getragen werden. Als königliches Geschenk erschien das aber nicht angemessen, so dass man sich statt für diese Gestalten nun für Löwen entschied. Aber weiter in der Zeitleiste...

Als mehr oder weniger nicht zu gebrauchender Wasserspender stand der Petrusbrunnen dennoch bis zum Jahr 1960 an seinem Platz am Domchor (erinnert mich gerade ein kleines bißchen an den Dombau seinerzeit, sprich, an seine Zeit als Bauruine), bevor er auch dort weg musste. Dort wurde jetzt die Domplatte gebaut und die Treppenanlage beim Brunnen abgerissen. Der Brunnen konnte dort also nicht bleiben und wurde an eine andere Stelle verfrachtet, nämlich zwischen den Domchor und die Sakristei.

1999, also 39 Jahre, in denen der Petrusbrunnen auch dort nutzlos herumstand, begannen dort Baumaßnahmen, im Zuge derer er nun wieder einmal weichen musste, außerdem hatte das Material inzwischen sehr gelitten, Stein und Leitungen waren stark angegriffen. Der Petrusbrunnen wurde im Depot eingelagert. Für mehr als 10 Jahre.

Im Jahr 2010 wurde dann dank einer Spendensammlung der "Bürgergesellschaft Köln 1863" der restaurierte, neugotische Brunnen an seinem heutigen Standort zwischen Lang- und Querhaus
auf der Papstterrasse aufgestellt, wo er heute munter sprudelt.

Wenn ihr euch fragt, warum der Brunnen in seiner ganzen Optik und den Figuren dem Dom so ähnelt, das liegt daran, dass bei dessen Entwurf natürlich darauf geachtet wurde, dass er zur mittelalterlichen, gotischen Bauweise passte.

Vielleicht hätte man einen Platz finden können, an dem der drüje Pitter noch besser zur Geltung kommen würde, dennoch ist hier ein schöner Platz, um kurz innezuhalten und dem Spiel des Wassers zuzuschauen.
Ich wünsche euch schöne Momente am Petrusbrunnen an unserem Kölner Dom.

Wie die Jungfrau zu dem Kinde

So kam auch Köln zu den vielen Sagen und Legenden. 
Aber wo wir gerade bei Jungfrau sind...bleiben wir doch gleich dabei. Und weil eine allein langweilig ist, nehmen wir gleich derer elf, nämlich die heilige Ursula und ihre Gefährtinnen.

Das Grab der Märtyrerinnen soll sich unter der romanischen Basilika St. Ursula befinden, ihnen zu Ehren ist diese seinerzeit erbaut worden.

Im 5. Jahrhundert in England...König Deonetus, inzwischen Christ geworden, und seiner Frau wurde nach langem Warten eine Tochter geschenkt. Ursula. Dieses Kind wurde im christlichen Glauben erzogen. Immer wieder liess sie sich die Geschichten von Jesus Christus erzählen, und als sie zur jungen Frau herangewachsen war, las sie die Geschichten selbst in der Bibel. Sie war vom Leben und Wirken Christi derart ergriffen, dass sie erklärte, nur diesem einen König des Himmels gehören zu wollen, und ebenso Gutes zu tun.

Man sagt, sie sei von außerordentlicher Schönheit gewesen, doch jeder Prinz aus nah oder fern, der an den Hof kam und um ihre Hand anhalten wollte, musste unverrichteter Dinge und ohne Ursula wieder von dannen ziehen.

Nun gab es im nordischen Hochland, einen äußerst kampfwütigen König, dessen Sohn Ätherius das wilde und kriegerische Leben allerdings verabscheute. Er war eher sanfter Natur. Auch er hörte von der schönen Prinzessin und wollte um sie werben, also begab er sich auf die Reise durchs Land zu ihr. Als er sie gefunden hatte, erkannte Ursula ihn wieder, denn sie hatte ihn seit langer Zeit im Herzen, obwohl sie ihn nie zuvor gesehen hatte (ja, so sind Legenden).
Aber auch ihn schickte sie fort, mit der Erklärung, sich Jesus Christus versprochen zu haben.

Wieder im Norden angekommen, sah Ätherius' Vater das Leid seines Sohnes und fragte, was geschehen war. Ätherius berichtete ihm von der schönen Ursula in die er sich so sehr verliebt hatte, die sich aber dem König der Christen versprochen hatte. Der Vater, selbst Heide und dem Christentum alles andere als zugetan, versprach seinem Sohn die Heirat mit der schönen Prinzessin. Er schickte einige Abgesandte auf die Reise zum englischen Hof, um bei König Deonetus um die Hand seiner Tochter Ursula anzuhalten, gleichzeitig aber mit der Drohung, sollte er nicht einwilligen, würde es Krieg geben und Ursula mit Gewalt geholt. Die Tochter gab zunächst den flehenden Bitten des Vaters, angesichts des drohenden Krieges, nicht nach, entschied sich aber nach einem Traum in der folgenden Nacht dann doch dazu, Ätherius zu ehelichen. Allerdings stellte sie drei Bedingungen...

Sie wolle mit 10 weiteren Jungfrauen, die allesamt aus vornehmen Häusern stammen sollten, eine Pilgerreise nach Rom unternehmen, die 3 Jahre dauern würde und Ätherius solle auf sie warten. Des Weiteren würden elf Schiffe ausgerüstet werden müssen und Bedingung Nummer drei war, dass ihr zukünftiger Gemahl den christlichen Glauben annehmen solle.

Nachdem in alle Bedingungen eingewilligt worden war und die Vorbereitungen einige Monate später abgeschlossen waren, begann die Pilgerreise mit elf Schiffen, von denen jedes einzelne von einer Jungfrau geführt wurde. In Basel schließlich wurden die Schiffe vertäut und der Weg nach Rom zu Fuß fortgesetzt. Dort angekommen, erhielten die Gefährtinnen den Segen vom Papst. Ausgeruht und gestärkt, begannen sie den anstrengenden Rückweg über die Alpen bis nach Basel, wo sie die Reise dann mit den dort wartenden Schiffen fortsetzen konnten.

Ätherius, dessen Vater kurz zuvor verstorben war, hatte sich indes auf den Weg zu seiner Liebsten gemacht, ohne die Wartezeit von 3 Jahren abgewartet zu haben. Als er Ursula versprechen musste, vollends zu ihr zu gehören, setzten sie die Fahrt gemeinsam fort in Richtung Köln, wo sie auf dem Hinweg nur kurz Rast gemacht hatten. Attila, König der Hunnen aber war in die Stadt eingefallen und sorgte dort für Tod und Verwüstung. Am Ufer stehende Menschen warnten laut rufend davor, in Köln anzulegen, doch die Jungfrauen taten genau das. Ursula hatte zuvor in einem Traum den himmlischen Auftrag erhalten, dies zu tun und ihre Gefährtinnen folgten ihr...
Eine nach der anderen wurde getötet. Von Pfeilen durchbohrt endete ihr Leben. Auch Ätherius wurde getroffen und starb.

Als Attila Ursula erblickte, hielt er inne. Sie, so sagte er, wolle er verschonen und zur Frau nehmen. Als sie sich ihm verweigerte, kannte er keine Gnade und tötete auch sie.
Des Nachts im Traum erschien sie ihm. Sie und tausende bewaffnete Jungfrauen. Um genau zu sein...elftausend.
Von Angst gepeinigt, verschwanden Attila und seine Männer noch in derselben Nacht aus Köln. Die Stadt war gerettet.

Ob die Zahl elftausend nun tatsächlich Attilas Traum von elftausend Jungfrauen oder doch eher dem viel späteren Verkauf von "Knöchelchen" geschuldet ist...wer weiß das schon. Wir werden es nie erfahren. In diesem Sinne...träumt schön kommende Nacht...

Die Legende von St. Kunibert

Mit Geschwistern ist das ja so eine Sache. Ich selbst habe keine, aber man bekommt ja das ein oder andere so mit. Die einen lieben sie, die anderen würden am liebsten regelmäßig den Klapperstorch mit Steinen bewerfen. Im übertragenen Sinne natürlich. Obwohl - klar, wo die Kinder herkommen, ist hinreichend erklärt und jedem bekannt, aber es gibt in Köln, was das Kinderkriegen betrifft, einen ganz besonderen Ort, von dem ich euch erzählen möchte. Und ich bin hier jetzt in unmittelbarer Nachbarschaft zum "Weckschnapp", von dem euch Michael in seinem letzten Beitrag berichtet hat. Da ging es um den Kunibertsturm, heute um den Kunibertspütz und St. Kunibert selbst.
Aber was hat es nun damit auf sich?

Wir wissen ja, dass in Köln so einiges anders ist. Und entgegen den Erzählungen, der Storch würde die Kinder bringen, ist selbst das hier anders. Hier kommen diese nämlich nicht von oben per Luftfracht, sondern von unten. Um genau zu sein, aus 17 Metern Tiefe. Der Legende nach spielen die ungeborenen Kinder dort im Brunnen (Kunibertspütz) schon monatelang mit der Mutter Gottes. Dort ist es nicht dunkel oder feucht, wie ein Brunnen vermuten lassen würde, sondern es ist eine wunderschönen Umgebung. Sie werden gefüttert und umsorgt, bis ihre Mütter, also die zukünftigen, zu eben diesem Brunnen kommen und sie "abholen". Auch unfruchtbare Frauen haben hier, nach dem Genuss eines Bechers des Brunnenwassers in einer Vollmondnacht bald Nachwuchs zu erwarten. Paaren, die bislang kinderlos geblieben sind, wird noch heute von wissenden Kölnern geraten, einmal im Kunibertspütz nachzusehen.

Wo aber finden wir diesen sagenumwobenen Ort? In der Krypta von St. Kunibert, unter dem Chorraum (in diesem, vor dem Hochaltar findet sich übrigens eine Schieferplatte mit der Darstellung des Kindersegens).

Diese Kirche ist die jüngste der 12 großen romanischen Kirchen in Köln. Vollendet wurde sie 1247, im Jahr vor der Grundsteinlegung unseres Domes. Jung ist also hier relativ zu verstehen, es ist schlicht die zuletzt gebaute nach St. Aposteln und St. Gereon.
Die Legende vom Kunibertspütz aber geht laut Historikern auf eine viel frühere Zeit als die der Geschichte von St. Kunibert zurück. Es wird davon ausgegangen, dass der Vorgängerbau der heutigen Kirche dem heiligen Clemens (1. Jahrhundert n. Chr.) gewidmet war, der als Schutzpatron der Seeleute und gegen Wassergefahren gilt und eben aus diesem Grund über dem Brunnen mit dem besonderen, kindersegenbringenden Wasser errichtet wurde.

Wann mit dem Bau der heutigen Basilka begonnen wurde, weiß man nicht genau. Die Anfänge reichen bis ins 7. Jahrhundert, als der Kölner Bischof Kunibert eine Grabkapelle über einem Brunnen errichten ließ, welche dem Papst Clemens geweiht war. In der Geschichte wird im 9. Jahrhundert erstmals ein Stift erwähnt, das den Namen des heiligen Kuniberts trug. 
Erzbischof Theoderich von Trier, ehemaliger Propst dieses Stifts, legte dann den Grundstein. Die ersten Reliquien wurden 1222 im fertiggestellten Chor untergebracht und nach der Vollendung 1247 wurde St. Kunibert geweiht.

Aber auch diese Kirche wurde, wie viele andere auch, nicht von Katastrophen verschont. Das Jahrtausendhochwasser im Februar 1784 richtete große Schäden an, der Einsturz des Westturms folgte am 28. April 1830, wobei große Teile der Kirche zerstört wurden und dann wurde 1945 im 2. Weltkrieg wieder alles vernichtet. Erst seit 1992 sieht St. Kunibert wieder aus, wie ursprünglich erbaut.

Ihr seht, Köln ist voller Legenden, Geschichten und Geheimnissen.
Und wie beim Kunibertspütz auch: es lohnt sich, etwas tiefer zu schauen. Aber Vorsicht beim Brunnen...ihr wisst ja...

Bis bald
eure Ramona

Die Straße, die keine ist

Nein, ich rede nicht von dem kölschen Versuch, etwas rechtzeitig fertig zu bauen, was dann aber aufgrund der allzu langen Bauzeit zum scheitern verurteilt war. Dieser - ich nenne es mal "liebenswerte Wesenszug" dieser Stadt - bietet doch immer mal wieder den Anreiz, einen Scherz daraus zu machen. Aber diesen beiseite...

Die Rede ist von der alten römischen Hafenstraße. Oder eben dem, was man bei Ausgrabungsarbeiten 1969/1970 davon freigelegt hat. Etwa 65 Meter lang und ca. 5,5 Meter breit, ist dieses Teilstück der alten Hafenstraße eines der ältesten Teile Kölns. Diese Straße wirkt erst mal nicht besonders auffällig, jedoch entsprach sie den damals höchsten technischen Möglichkeiten. Durch eines der an der Rheinseite gelegenen Stadttore führte sie in den römischen Hafen, ebenso verlief unter ihr ein Abwasserkanal, an welchen die dort angesiedelten Häuser mit Leitungen aus Holz angeschlossen waren. Sogar einen Gully für das Abwasser war angelegt, sowie ein Brunnen mit dem Relief einer Flussgottmaske. Einen kleinen Teil dieses Abwasserkanals hat man neben dem Brunnen an der Straße wieder aufgebaut.

Irgendwie hat man das Gefühl, dass die alten Römer bautechnisch zu mehr in der Lage waren als die Bautechniker der heutigen Zeit. Erstens ging es wahrscheinlich schneller, sogar in Köln (da war es wieder), und zweitens gab es keinerlei computerbasierte Berechnungen oder Werkzeuge, die mit den heutigen vergleichbar gewesen wären. Von schwerem Gerät ganz abzusehen.
Sehr beachtlich, wenn man bedenkt, dass man hier immerhin von einer Zeit von vor über 2000 Jahren ausgehen muss.

Was jetzt aber interessant zu wissen ist: da, wo wir heute über dieses Stück römische/kölsche Geschichte gehen können, lag es gar nicht. Dieses Stück Straße wurde etwa 5 - 6 Meter weiter südlich verlegt, weil sie den Arbeiten zum Bau der Tiefgarage unter dem Dom im Weg war. Ich weiß nun nicht, wie ich folgendes nennen soll, ob peinlich, kurios oder schlicht und einfach nur lustig. Die Archäologen nummerierten damals die ausgegrabenen Steine, um später zu wissen, wo denn nun welcher Stein wieder hingehört, um dieselbe...oder eben das Stück dieser Straße zu ergeben, wie sie im Ursprung vorgefunden worden war. Nur taten sie dieses (zum Schutz des Materials) unseligerweise mit Kreide. Und was passiert mit Kreidezeichnungen auf der Straße, wenn es regnet? Sie...verschwinden.

Schon ein bisschen seltsam, dass man nicht einkalkulierte, dass es auch in Köln mal regnen könnte. So. Jetzt lagen da ein Haufen Steine und irgendwie versuchte man nun, da wieder was draus zu bauen. Was daraus entstanden ist, sieht zwar einigermaßen ähnlich aus, entspricht aber nicht mehr der römischen Straßenbaukunst, da weder die Anordnung der Steine stimmt und dementsprechend natürlich auch nicht die Verfugung.

Trotz allem hat dieses Stück Geschichte ihren Flair. Wenngleich ich persönlich die Stelle ihres Verbleibs als unangemessen empfinde. Ich könnte mir den Teil der römischen Hafenstraße gut als Verlängerung des Eingangs zum Römisch-Germanischen Museums vorstellen.

Was meint ihr?

Boisserée's Vermächtnis

Im Gegensatz zu den luftigen Höhen des Parkdecks, von dem mein letzter Beitrag handelte, befinde ich mich heute wieder in "sicheren Gefilden", sprich unterwegs in den Straßen der Stadt. Das heißt, eigentlich suche ich eine ganz bestimmte Straße: Blaubach, Hausnummer 14. Dort gibt es eine Gedenktafel an einen Mann, der bestimmt - nein, ganz sicher sogar - maßgeblich dafür gesorgt hat, dass unser Dom genau so da steht, wie wir ihn alle kennen und lieben. Sein Name: Sulpiz Boisserée. Ronald wies ja kürzlich darauf hin, dass ich euch von ihm berichten werde. Aber wer war dieser Mann?...

Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass Köln ohne ihn heute nicht das wäre, was es ist. Denn ein nicht vollendeter Dom, eine seit Jahrhunderten verwahrloste Ruine hätte aus Köln nicht die Stadt gemacht, die sie heute ist. Womit ich all den vielen anderen geschichtlichen Reliquien nicht die Bedeutung absprechen möchte. Köln hat völlig ohne Zweifel sehr viele davon zu bieten. Nur würden diese allein vermutlich nicht diese Massen an Besuchern in die Stadt locken. Mal davon abgesehen, dass diese wunderschöne Kathedrale eine unglaubliche Ausstrahlung und Wirkung auf die Menschen ausübt.

Sulpiz Boisserée, geboren am 2. August 1783, Kaufmannssohn aus Köln, ist selbst auch Kaufmann geworden, um mit seinen Brüdern in den elterlichen Betrieb einzusteigen. Glücklich aber war er damit nicht. Er gab seinen Beruf auf und begann im Alter von 19 Jahren zu studieren. Heute gilt er als Gemäldesammler, Kunst- und Architekturhistoriker.

Im Alter von 24 Jahren dann hatte Boisserée einen Traum, eine Vision, in deren Umsetzung er seine ganze Kraft steckte und die für ihn Lebensziel war. Die Vollendung des Kölner Domes.

Einfach war dieses Vorhaben nicht, die Zeit der Gotik war längst vorbei. Seit bald 300 Jahren war die begonnene Kathedrale nur noch eine Ruine, lediglich der Chor war fertig geworden. Und dann mußte das ganze ja auch noch finanziert werden. Dennoch schaffte Boisserée es, Johann Wolfgang von Goethe, seines Zeichens Dichter, aber auch Naturforscher und Gelehrter der Rechtswissenschaft, dem der Sinn eher nach der feinen italienischen Kunst stand, als nach alten halbfertigen Gemäuern, von seinem Vorhaben zu überzeugen und mit seiner Unterstützung Begeisterung am preußischen Hof zu wecken.

Auf einer seiner Reisen fand Boisserée in Paris eine Hälfte des über 4 Meter großen Fassadenplans des Dombaumeisters Johannes, nachdem sein Freund, der Oberbaudirektor Georg Moller in Darmstadt auf dem Speicher eines Gasthauses die andere Hälfte gefunden hatte. Er begann mit dem Baumeister Karl Friedrich Schinkel die Planung des Weiterbaus der Kathedrale, was sich natürlich aber auch nochmal über Jahre zog. Ab dem Jahr 1842 stand Boisserée dann Herrn Ernst Friedrich Zwirner, damaliger ausführender Dombaumeister, sowie König Wilhelm IV bei der Vollendung beratend zur Seite.
Finanziert wurde der Weiterbau vom Staat Preußen, sowie vom unter anderen von Sulpiz Boisserée gegründete Zentral-Dombau-Verein zu Köln, wo auch im Rahmen einer Lotterie Geld gesammelt wurde.

Ihr seht, er hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um seinen Traum wahr werden zu lassen. Erlebt hat er die Vollendung des Kölner Domes leider nicht mehr. Er starb am 2. Mai 1854.

An der Stelle, wo jetzt das Haus mit der Gedenktafel steht, stand übrigens einst das Geburtshaus Boisserée's. Achtet mal darauf, wenn ihr daran vorbei kommt.

Parkdeck 6

Ich habe mich schon oft gefragt: wo wurden diese Fotos gemacht?...

Sie zeigen den Dom in voller Breitseite, also muss dieser Ort schon etwas höher gelegen sein. Bis mir vor kurzem der Zufall zu Hilfe kam und ich im Internet - wieder bei einem solchen Panoramafoto - den Schriftzug an eben jenem Gebäude sah: Galeria Kaufhof. Eigentlich so naheliegend, aber meistens kommt man da ja erst später drauf.

Als ich kurze Zeit später wieder nach Köln kam, wollte ich es also in Angriff nehmen. 
Ich mußte dazu auf den höchstgelegenen Punkt des Kaufhauses, was bei einer leichten Höhenangst nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört (was auch erklärt, warum ich bis heute den Südturm "meines" Domes noch immer nicht erklommen habe). Aber wie sagte mir mal jemand? Für schöne Fotos muss man Opfer bringen. Also suchte ich nach dem Parkdeck, wo wo aus man diesen einzigartigen Blick haben sollte. Ich fand es auch, nur zu meinem Leidwesen führte ausgerechnet ein gläserner Außenaufzug bis ganz nach oben. Sehr hilfreich. Einfach nicht nach unten sehen, sagte ich mir...
Oben endlich angekommen, trat ich auf das Parkdeck und...hier konnte ich unmöglich richtig sein. Die Aussicht, die ich erwartet hatte, fand ich hier nicht.

Es war aber doch dieses Kaufhaus, gab es da noch eine andere Möglichkeit? Also wieder nach unten. Mit geschlossenen Augen versteht sich. Wieder festen Boden unter den Füssen ging ich nun direkt ins Kaufhaus, um mich dort nach diesem Parkdeck zu erkundigen. Eine sehr freundliche und hilfsbereite Mitarbeiterin beschrieb mir zwar den Weg nach oben, aber dass man von dort den Dom in seiner vollen Pracht sehen sollte, war auch ihr neu.
Sie sagte aber, nun selbst auch neugierig geworden, dass sie nach Feierabend dort hoch und nachsehen wollte. Und was soll ich sagen? Sollte sie tatsächlich gucken gegangen sein, ist sie sicher überrascht und nicht enttäuscht worden. So wie ich auch. Endlich!
Das Wetter war zwar nicht perfekt, aber wie heißt es so schön? Man kann ja nicht alles haben.

Nur mal am Rande: dort oben angekommen, sah ich, dass es eine Art Verbindungstunnel gibt, der beide Parkhäuser verbindet. Ich hätte es also auch leichter haben können. Aber so ist wenigstens die freundliche Verkäuferin von dem Kaufhaus auch zu dieser Aussicht gekommen.

Dass ich nicht wirklich nach unten gesehen habe, brauche ich an dieser Stelle glaube ich nicht zu erwähnen, aber das mußte ich auch gar nicht. Der Ausblick von diesem doch sehr weitläufigen, aber im Moment wenig frequentierten Parkdeck ist umwerfend. Schaut man nach Osten, erblickt man die Kranhäuser. Mal aus einer völlig anderen, untypischen Perspektive, ebenso, wie die Rheinbrücken. Und dann Richtung Norden...den Dom. Ich hatte es geschafft. 
Aber noch etwas anderes habe ich dort oben entdeckt. An einem Haus sind, fast so weit oben, wie ich mich dort befand, zwei römische Soldatenstatuen angebracht. Von unten würde die da wohl niemand vermuten.
Faszinierend, wo überall in dieser Stadt man auf die alte römische Geschichte trifft. Köln ist voller Geheimnisse, und ich hoffe, noch einige davon für mich (und euch) zu entdecken.

Solltet ihr auch mal das Parkdeck 6 besuchen wollen...genießt es. Es lohnt sich!

Bis bald
Eure Ramona

Von der Gaststätte zur Legende

Siegesstr. 18, 50679 Köln. Wir schreiben das Jahr 1959. Ein junger Mann übernimmt mit seiner Frau die Gaststätte von seinen Eltern, die diese seit 1945 geführt hatten. Ihre Namen: Hans und Annemie Lommerzheim...

Wie gesagt - eine ganz normale Gaststätte. Dass diese aber bereits nach wenigen Jahren schon Kultstatus besitzen würde, davon ahnten die beiden zu Beginn sicher nichts. Und bei meinem letzten Besuch in Köln kam ich dann endlich auch in den Genuss.

Ich dachte, ich sei vorbereitet. Aber im Nachhinhein muss ich gestehen...auf DAS konnte ich gar nicht vorbereitet sein. Öffnungszeit (offiziell): 16:30 Uhr. Bereits um 16:15 Uhr standen ca. 30 Leute vor der Tür. Und das hübsch in Reih und Glied und unglaublich geduldig.
16:25 Uhr. Die Schlange hinter mir ist mittlerweile länger als die vor mir. Da stehen tatsächlich um 16:30 Uhr zwischen 60 und 70 Leute, die darauf warten, dass geöffnet wird. Sowas kannte ich bisher höchstens vom Sonderpostentag bei Aldi. Nur mit dem Unterschied, dass hier nicht geschubst und gedrängelt wird.

Man kommt in Köln ja, wenn man in der Stadt unterwegs ist, mit dem einen oder anderen schon mal ins Gespräch (was hier nicht wirklich ein Problem darstellt) und viele, nein, eigentlich so ziemlich jeder wußte was zu erzählen, wenn das Gespräch auf Lommi kam. Dabei ist mir aufgefallen, dass die einzelnen Erzählungen sich allesamt deckten. Völlig unabhängig voneinander erzählten die Leute über diese Kneipe und ihren Wirt dasselbe. Ich hatte das Gefühl, jeder, der davon sprach, wurde in eine andere Zeit versetzt. Und jeder musste immer noch lachen über das, was er dort schon erlebt hatte. Ebenso erzählte wirklich jeder, dass Lommi eher sehr wortkarg war, für ihn aber seine Gäste an erster Stelle kamen und jeder gleich war. Ob Kölner oder Immi, ob einfacher Gast oder Präsident. Schade, dass ich ihn nicht kennengelernt habe, aber dafür war ich schon beim ersten Mal wohl mindestens 20 Jahre zu spät in dieser unglaublichen Stadt. So, weiter...

Selbst als dann geöffnet wurde, ging es noch mit Ruhe zu und jeder, der einen Sitzplatz ergattern konnte, durfte sich glücklich schätzen, denn der ca. 50 qm große Raum war schnell gefüllt. Und trotz dessen, selbst, wenn man mal kurz an die Luft wollte, oder ganz profan, schlicht zur Toilette musste, man wurde durchgelassen, ohne, dass da irgendein böses Wort fiel. Man geht freundlich miteinander um. Einfach nur schön. Wenn man sich hier umschaut, glaubt man, die Zeit wäre irgendwann einfach stehen geblieben. Aber genau das macht es ja aus. Man hält sich hier stundenlang auf und auch für einen selbst bleibt irgendwie die Zeit stehen. Man genießt einfach nur.

Wer keinen Platz mehr bekommen hat, ob nun im Keller oder oben im Gastraum bleibt eben einfach entweder an der Theke oder draußen vor der Tür stehen. Denn das wichtigste, ob nun sitzend oder stehend, drinnen oder draußen: es gibt Kölsch. Deswegen sind wir ja schließlich alle hier. Was ich wirklich klasse finde, sind die Köbesse. Trotz Hochbetrieb bester Laune, freundlich und vor allem...schnell. Das eine Kölsch ist noch nicht weg, da steht das nächste schon vor mir. Meinen Respekt und ein ganz großes Dankeschön an dieser Stelle an euch.

Kleine Bemerkung am Rande: das Essen hier schmeckt genial. Leid tun mir nur die armen Löwen, Tiger und Geparden im Zoo, denn wenn ich die Koteletts sehe, die hier auf Tellern an mir vorbeigetragen werden, dann können die nur aus dem Zoo entwendet worden sein und waren eigentlich zur Raubtierfütterung gedacht. 
Wenn man dann noch das Glück hat, so wie ich, die Zeit mit lieben Menschen zu verbringen, macht das Ganze doppelt Spass.

Zum Glück hat man die Möglichkeit überhaupt noch, denn es gab mal die irrwitzige Idee zweier Museen, das Lommerzheim ausstellen zu wollen, was sich aber zerschlagen hatte. Am 31.12.2004 um 14:25 Uhr verließ das letzte geleerte Fass Kölsch die Kneipe. Die Eheleute schlossen ihre Gaststätte aufgrund gesundheitlicher und altersbedingter Gründe. Ein halbes Jahr später starb der Wirt dieser legendären Gaststätte. Nachdem das Lommi vier lange Jahre leer stand, wurde es im März 2008 im Beisein von Annemie Lommerzheim unter der Führung eines neuen Wirtes wiedereröffnet. Und wenn ich mir Bilder anschaue von damals, hat sich nicht viel verändert. Und das ist gut so.

Wegen genau solcher Erlebnisse und der Tatsache, dass es in Köln einige Menschen gibt, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, fällt es mir jedesmal schwerer, hier wieder wegzufahren. Um so größer ist die Vorfreude aufs nächste Mal. Um diese Stadt, ihre Menschen und liebgewordene Freunde wiederzusehen.

Bis bald
eure (inzwischen wieder nüchterne) Ramona

 

Foto von Heinz Schramm (https://www.facebook.com/HeinzusFotografie/)

St. Matthaeus in fossa

Noch nie gehört? Das glaub ich gerne und doch kennt ihr sie...

"St. Matthaeus in fossa" bedeutet: Im Stadtgraben vor dem römischen Nordtor. Von den frühen Christen als Kapelle gegründet, und so, wie wir sie heute kennen im 13. Jahrhundert erbaut (mit Veränderungen)...die Dominikanerkirche St Andreas.
Woher die Kirche ihren Namen hat? Erzbischof Bruno ließ im 10. Jahrhundert einen Chorherrenstift mit Kanonikern aus St. Maria im Kapitol errichten. So kam es zum Neubau der Kirche und der Weihe mit dem Patrozinium des heiligen Andreas, welche im 11. Jahrhundert noch erweitert wurde.

Eine der zwölf großen romanischen Kirchen Kölns. Mittendrin, ebenso wie die anderen. Köln wirkt für mich nicht wie DIE typische Großstadt, da man hier nicht wie in anderen Städten von Hochhäusern in Banken- und Geschäftsvierteln erschlagen wird und dennoch...auch hier treffen Moderne, hektisches Treiben auf der einen Seite und alte Geschichte auf der anderen Seite aufeinander. Man könnte diese Kirchen auch als Ruhepole der Stadt bezeichnen. Geschichtliche Oasen. So, wie eben auch St. Andreas. Ganz in der Nähe, sozusagen tatsächlich und nicht nur sprichwörtlich im Schatten des Domes steht die gewölbte Pfeilerbasilika mit dem achteckigen Vierungsturm. Im Westen der Kirche befand sich ursprünglich ein Kreuzgang sowie das Stiftsgebäude. Ca. im Jahre 1400 wurden dann gotische Seitenkapellen angebaut. Im 15. Jahrhundert allerdings wurde der Langchor aus dem 11. Jahrhundert abgerissen, die damalige Krypta wurde aufgegeben. St. Andreas erhielt eine gotische Chorhalle.

Wie wir ja inzwischen von vielen Kirchen wissen, wurden diese im Laufe der Jahrhunderte immer wieder um- oder sogar neugebaut, erweitert oder verändert.
Alle Baumaßnahmen hier aufzuzählen, würde schlicht den Rahmen sprengen.

St. Andreas...der heilige Andreas...diese Kirche kann noch einen weiteren Heiligen nennen...und er hat unter ihrem Dach seine letzte Ruhestätte gefunden. Albertus Magnus, deutscher Gelehrter und Bischof. Er wirkte auch in Köln, selbst in den Anfängen des Baus des Kölner Doms war er zugegen. Gestorben 1280, wurde er 1622 selig- und 1931 von Papst Pius XI. heiliggesprochen und zum Kirchenlehrer erklärt. 1941 ernannte Papst Pius XII. ihn zum Schutzpatron der Naturwissenschaftler. In der Walhalla in Regensburg findet sich eine Gedenktafel an ihn. 
Nachdem die Krypta aus dem 11. Jahrhundert in den Jahren 1953-1955 von Karl Band wieder freigelegt wurde, wurde diese durch die Grabkapelle erweitert, in welcher die Gebeine des Dominikaners Albertus Magnus nun seit 1954 in einem römischen Sarkophag ruhen.

Zwei Jahre nach Kriegsende, St. Andreas hatte den zweiten Weltkrieg beinahe unbeschadet überstanden, übergab Kardinal Frings den Dominikanern die Seelsorge an die Kirche. Die Predigerbrüder, die hier seither wirken, leben im an die Kirche angrenzenden Kloster.

Sie ist eine der zwölf großen Kirchen Kölns...und jede einzelne hat ihre eigene Geschichte...Geschichte - wir können sie hier überall spüren, in jedem Winkel der Stadt finden.
Möge sie auch all die, die uns folgen, so faszinieren und in ihren Bann ziehen...

Roncalli & Co.

Schon seltsam, was sich um unseren Dom herum so tummelt. Eine Schlange hab ich entdeckt, einen Hahn und Rosen. Sogar Päpste. Nein, ich hatte nicht zwei Kölsch zuviel...

Ich befinde mich auf der Südseite des Domes, am Roncalliplatz. Und genau hier läßt sich all das finden. Hier wurde, nein anders...MUSSTE leider vor 22 Jahren, im April 1996, ein Zaun errichtet werden, um den Dom vor Vandalismus zu schützen. Dieser Zaun mit allerlei Verzierungen, wie eben genannter Schlange zum Beispiel oder auch den Rosen entstammt der Metallwerkstatt der Wesselinger Kunstschmiede Paul Nagel und Michael Hammers. Acht Schmiede arbeiteten an dem 58 m langen Zaun, der um das gesamte Südportal reicht.

Etwas weiter links kommen wir zu besagten Päpsten. Wir finden hier zwei Gedenktafeln vor. Auf der ersten wird des Namensgebers des Platzes gedacht, auf dem ich stehe. Und auch wenn ich, man möge es mir verzeihen, zu meinen "Köln-Anfängen" noch den Zirkus Roncalli damit in Verbindung brachte, ist es doch jemand anderes gewesen, dem dieser Platz seinen Namen verdankt, nämlich Papst Johannes XXIII. Bürgerlicher Name: Angelo Giuseppe Roncalli. Bereits 1921 kam der damalige Priester (in seiner Eigenschaft als Präsident des Zentralrates des Päpstlichen Missionswerkes in Italien und zum Monsignore erhoben) zu Besuch nach Köln und feierte am 27. Dezember im Dom die heilige Messe. Am 28. Oktober 1958 wurde er zum Papst gewählt.

Die zweite Gedenktafel, an einem Strebepfeiler der Langhaussüdseite auf der Papstterrasse, zeigt die Übergabe des Logos zum 20. Weltjugendtag von Papst Johannes Paul II an Papst Benedikt XVI. Im Hintergrund erkennt man den Petersdom und den Kölner Dom. Zu ihren Füßen sieht man die Mitras mit den Wappen beider Päpste.

Wenn ich jetzt ein paar Meter zurücktrete und mein "Kapellchen" so betrachte, empfinde ich diesen Anblick wieder (oder besser gesagt, wie immer) einfach nur gigantisch. Und himmlisch. Apropos himmlisch. Das bietet eine gute Überleitung zum dem Kunstwerk, welches sich hinter mir befindet. "Columne pro Caela", wie der Künstler Heinz Mack sein Werk nennt. Besser bekannt aber wahrscheinlich als "Himmelssäule". 1984 wurde die Säule als Geschenk des Lions-Clubs an die Stadt Köln dort errichtet. Eine Himmelssäule am Kölner Dom. Passt!

Zum Abschluss meines heutigen Ausfluges um den Dom herum, mache ich mich auf den kurzen Weg über die Domplatte und stehe vor einer originalgetreuen Kopie einer Kreuzblume. Das heißt, eigentlich ist dies schon die zweite Kopie, denn die erste, die aus Kunststoff bestand, wurde in einem Sturm in der Nacht zum 1. März 1990 völlig zerstört. Deshalb fertigte man die zweite aus Beton. 
Die Kreuzblume ist ein Denkmal (gestiftet vom Verkehrsamt für die Stadt Köln anläßlich der 100-Jahr-Feier zur Domvollendung, an welchem rundherum Tafeln in verschiedenen Sprachen dazu angebracht sind. Eine davon sogar auf kölsch.

Die Umgebung des Domes bietet noch einiges sehens- und wissenswertes. Doch davon erzähle ich ein anderes Mal.

Noch ein Wahrzeichen

Ja, so würde auch ich sie bezeichnen. Denn egal, ob auf Postkarten, selbst gemachten Fotos oder einfach nur, wenn man, wie ich gerade, den Rheinboulevard entlang geht...und sie betrachtet, sie fällt genauso ins Auge und gehört zu diesem gewohnten Bild wie ihr großer Bruder, der Dom. Wen ich meine? Groß St. Martin, eine der zwölf großen romanischen Kirchen der Stadt. Und auch wenn ich den Dom eben als großen Bruder bezeichnet habe...ist Groß St. Martin doch die ältere unter den "Geschwistern". Eingebettet in Wohn- und Geschäftshäuser steht die dreischiffige Basilika mit dem Chor in Kleeblattform (Dreikonchenchor) in der Kölner Altstadt, im Martinsviertel direkt in Rheinnähe.

In römischer Zeit befand sich dort eine vorgelagerte Insel. Wie man bei Ausgrabungen in den 1970er Jahren herausfand, hatten die Römer im ersten Jahrhundert dort sogar eine Sportanlage mit Schwimmbecken gebaut. Ein knappes Jahrhundert später allerdings blühte der Handel in Köln derart, dass auf diesem Platz eine Lagerhalle errichtet wurde. Nachdem die Franken im 5. Jahrhundert dann die Herrschaft übernommen hatten, entstand aus dieser Halle die erste dem heiligen Martin geweihte Kirche.

500 Jahre nach dem ersten Bau entstand auf den Grundmauern der römischen (ehemaligen) Lagerhalle ein Neubau der Kirche. Allerdings wurde auch dieser nicht sehr alt, denn bereits 1150 sorgte ein großer Stadtbrand dafür, dass die Martinskirche wieder vernichtet wurde. Man wartete jedoch nicht lange mit dem Wiederaufbau und machte sich sofort an die Arbeit. Das Langschiff des Neubaus wurde ebenfalls auf den Grundmauern der römischen Lagerhalle errichtet. Der Dreikonchenchor konnte schon 1172 geweiht werden (für Kölner keine schlechte Bauzeit, das aber nur am Rande).

Nicht lange danach entstand der überdimensionale Vierungsturm mit seinen vier Türmchen (zur Erklärung: Vierung bedeutet, dass hier im Kirchenraum Haupt- und Querschiff zusammentreffen. In Kirchen mit dem Grundriss eines Kreuzes wird also dort der Chor vom Langhaus getrennt. Daher nennt man den Turm, der sich direkt über dieser Stelle befindet, Vierungsturm. Bei unserem Dömchen ist das übrigens genauso, achtet mal darauf).

Ich bin inzwischen über die Hohenzollernbrücke auf die andere Seite spaziert und stehe nun unterhalb von Groß St. Martin. Diese Kulisse mit den bunten Häuschen davor ist schon was Besonderes. Der Turm bietet wirklich einen mächtigen Anblick und ist aus der Kölner Skyline nicht wegzudenken. Im Gegensatz zu Meister Gerhard, der beim Dom genauer kaum hätte rechnen können, hatten sich hier die Baumeister allerdings etwas vertan, denn der Turm war zu hoch geworden und dementsprechend auch zu schwer. Aus statischen Gründen - die westlichen Türmchen stürzten in den Jahrhunderten nämlich mehrmals ein - wurde beim Neuaufbau nach dem zweiten Weltkrieg, bei dem die Kirche zu großen Teilen, mal wieder, zerstört wurde, eine unsichtbare Verstärkung aus Beton eingebracht.

Als ich die Basilika betrete, erwartet mich schlichte Schönheit. So imposant Groß St. Martin von außen wirkt, so schlicht ist sie innen gestaltet und strahlt dabei doch etwas aus. Ich denke, der Innenraum wirkt auf die Menschen in verschiedener Weise. Zum einen erhaben, zum anderen, und so habe ich es in diesem Moment empfunden, auch einsam. Das aber muss jeder für sich selbst herausfinden. Einen Besuch dort kann ich euch nur empfehlen. Übrigens: In der Krypta unter dem Chor kann man die Fundamente aus römischer Zeit bewundern.

So "Kleine", du wirst zwar immer im Schatten deines großen Bruders stehen...aber du bist ebenso ein Teil dieser wunderbaren Stadt, die so viel zu erzählen hat.

Wer es wagt...

Es ist Nacht in Köln. Neblig. Wenn überhaupt, sieht man durch den Nebel nur schummriges Licht. Die Gassen, durch die ich muss, sind menschenleer. Ich bin allein, komme von einer Veranstaltung und bin unterwegs zurück zu meinem Hotel. Und so langsam bereue ich, nicht ein etwas näher gelegenes Hotel gebucht zu haben. Ich war schon einige Male hier und ich liebe diese Stadt. Aber jetzt in der Nacht wirkt alles so anders. Der Mond bricht gerade durch die Wolken und läßt Häuser und Bäume unheimliche Schatten werfen. Ich beschleunige meine Schritte, ich möchte nur endlich im Hotel ankommen. Plötzlich fühle ich mich beobachtet. Ich schaue auf und blicke in ein finster dreinblickendes Gesicht mit dunklen Augenhöhlen. Mir stockt der Atem, bis ich erkenne, was mich da anschaut. Dieses Gesicht und einige andere dieser Art habe ich doch hier schon öfter gesehen, aber dann bei Tageslicht. Es sind die sogenannten Grinköpfe, auch Annoköpfe genannt. Warum aber sind diese Köpfe mit den seltsamen Augen über einigen Türen in der Altstadt angebracht?

Gegen Ende des elften Jahrhunderts, Anno war Erzbischof von Köln, gab es ebendort einen jungen Kaufmann namens Richmut. Er hatte einst das Geschäft seines Vaters übernommen, der bei seiner Kundschaft stets angesehen war, aufgrund seiner Freundlichkeit und Ehrlichkeit. Leider hatte Richmut diese Eigenschaften seines Vaters nicht geerbt. Mürrisch war er in seiner Art. Aber was viel schlimmer war...er war hinterhältig und verlogen. Es heißt, eines Tages kam eine alte Frau, eine Witwe, die bereits Kundin bei seinem Vater war, zu ihm ins Geschäft, um Vorräte für den Winter zu bestellen. Wie von jeher gewohnt, zahlte sie diese im voraus und verließ sich darauf, dann auch ihre Waren ordnungsgemäß geliefert zu bekommen, sobald der Kaufmann diese beisammen hatte.

Das aber war ein Fehler, denn als einige Zeit vergangen war, fragte sie bei Richmut nach, wo denn ihre Vorräte blieben. Der Kaufmann behauptete daraufhin, nie eine Bestellung und somit auch kein Geld von ihr erhalten zu haben. Die alte Frau war sehr erzürnt und verlangte entweder nun die Waren oder ihr Geld zurück. Wieder behauptete Richmut, sie müsse sich irren, er habe keinen Auftrag von ihr erhalten. Zornig rief sie beim Verlassen des Geschäftes, dass Gott ihn für seine Tat strafen möge. Darauf liess sie es aber nicht beruhen. Und so trug sie ihre Beschwerde den zwölf Schöffen beim städtischen Gericht vor. Damit war sie nicht die erste. Doch die Schöffen waren bestechlich und Richmut kam so jedesmal ohne Strafe davon. Leider schien es diesmal wieder so auszugehen. Auch hier schrie die Alte voller Zorn, dass Gott sie alle zwölf für ihre Tat strafen möge. Aber was nun...es blieb nur noch eine einzige Möglichkeit, für Gerechtigkeit zu sorgen. Sie musste ihre Beschwerde gegen die Übeltäter in Köln, die sie so schändlich behandelt hatten, Erzbischof Anno vortragen. Dafür reiste sie sogar zur Abtei Siegburg, Anno hielt sich damals gerade dort auf.

Der Erzbischof tobte und schrie, als er die Vorwürfe hörte, dass er so etwas in seinem heiligen Köln nicht dulden würde. Und er veranlasste, dass der Kaufmann und die Schöffen verhaftet wurden. Ihm vorgeführt, stritten sie nun aber ihre Tat ab. Bis auf einen, der vor lauter Angst schließlich gestand, dass die alte Frau die Wahrheit gesagt hatte. Anno sprach eine grauenvolle Strafe aus. Allen, bis auf den einen, der gestanden hatte, sollten mit glühenden Eisenstangen die Augen ausgestochen werden. Der eine durfte ein Auge behalten, um seinesgleichen zurück nach Köln zu bringen. Zudem musste er an seinem und den Häusern der zwölf anderen Übeltätern steinerne Fratzen anbringen, als Warnung an die Kölner Bürger, Unrecht zu begehen und um zu zeigen, wo die schlechten Menschen wohnen...

Erleichtert, diese unheimliche Stimmung hinter mir gelassen zu haben, erreiche ich endlich mein Hotel. Und ich glaube, nächstes Mal nehme ich ein Taxi.

Zwischen den Welten

Ich bin auf einem meiner Spaziergänge durch Köln. Viele schöne Kirchen gibt es hier. Den Dom, die zwölf großen romanischen Kirchen und bestimmt habt auch ihr eine Lieblingskirche. Meine kennt ihr ja.

Noch beeindruckt von dem einen oder anderen Anblick dieser Bauten, die überall in der Stadt verteilt sind, bummel ich weiter durch die Straßen und Gassen und fast hätte ich sie übersehen. Hier hätte ich allerdings auch nicht wirklich mit einer weiteren Kirche gerechnet. Oder vielmehr dem, was davon noch übrig ist. Nur der Torso und eine unscheinbare Fassade existieren noch. Dabei ist sie eine der ältesten Pfarrkirchen der Stadt...St. Alban, oder besser - Alt St. Alban. Man schätzt, dass der ursprüngliche Bau bereits aus dem Jahre 850 stammt, der Turm wurde aber erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts errichtet. Die Kirche wurde wohl bis ins 17. Jahrhundert mehrfach umgebaut und leider im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. Aufgebaut wurde sie nicht mehr, es wurde nur gesichert, was noch da war. 1959 wurde St. Alban zur Gedenkstätte der Opfer beider Weltkriege erklärt.

Ein beklemmendes Gefühl macht sich breit, schaut man jetzt zwischen Gitterstäben hindurch in den offen gehaltenen Innenraum, selbst ein Dach gibt es nicht mehr. Eine Gedenkstätte, die an die Gefallenen erinnern soll und das tut sie, denn in diesem Innenraum befinden sich zwei lebensgroße Figuren, die man die "trauernden Eltern" nennt. Dieses Kunstwerk zeigt sehr deutlich das Leid dieser Zeit, da bedarf es keiner weiteren Worte.

Käthe Kollwitz, deren Sohn auf dem Soldatenfriedhof in Vladslo/Belgien im ersten Weltkrieg beerdigt wurde, erschuf das Original, welches sich auch auf eben diesem Friedhof befindet. Die Kopie, die sich in Alt St. Alban befindet, wurde 1953 von Joseph Beuys und Erwin Heerich angefertigt, beides Schüler von Ewald Mataré, der den Taubenbrunnen vor der Westfassade des Kölner Domes errichtet hat.
Übrigens: Eine Kirche St. Alban gibt es dennoch. Ende der Fünfziger Jahre wurde Neu St. Alban in der Nordstadt Nord errichtet.

Um mich herum der Trubel dieser außergewöhnlichen Stadt und mittendrin - fast versteckt - dieser bewegende Ort für die, die nicht vergessen sein sollen. In Gedanken bei dieser Szene der "trauernden Eltern" bleibe ich noch eine Weile stehen, bevor ich meinen Spaziergang fortsetze...in der Hoffnung, dass irgendwann endlich überall Frieden herrscht.

Ein Märtyrer vor dem Herrn

So. Jetzt aber. Nachdem ich in meinem letzten Beitrag eine andere Heilige vorgezogen hatte, geht es diesmal aber wirklich um den heiligen Gereon.

Es war auf einem Feld bei Köln, später Mechtern (abgeleitet aus dem lateinischen "ad martyres", woraus schon das Wort Märtyrer herauszulesen ist), heutiges Gebiet zwischen Thebäer- und Mechternstraße in Köln-Ehrenfeld, wo Hauptmann Gereon, zusammen mit seinen Mitstreitern sein Leben verloren haben soll. Eine andere Version der Legende besagt, dass Gereon am Gereonsdriesch gestorben ist. Welche nun stimmt, vermag ich leider aufgrund meiner damaligen Abwesenheit (Spass) nicht zu sagen. Das aber nur nebenbei.

Was passiert war? Nun, er hatte sich seinen Glauben an Gott nicht nehmen lassen. Aber zum Anfang...

Gegen Ende des 3. Jahrhunderts gab es zwei große Kaiser, die sich die Herrschaft über das römische Reich teilten. Diokletian im Osten, Maximian im Westen. Durch ein strenges Regiment gelang es ihnen, dem Weltreich, welches längst nicht mehr auf festem Fundament gebaut war, wieder zu Reichtum und Glanz zu verhelfen. Strenges Regiment bedeutete, daß mit Waffengewalt dafür gesorgt wurde, dass die geschaffenen Gesetze auch eingehalten wurden. Dann aber geschah etwas, was die Menschheit auch heute noch kennt. All der Reichtum genügte den beiden Kaisern nicht mehr. Sie strebten nach mehr. 
Und so ernannten sie sich selbst zu Göttern, die von ihren Untergebenen von nun an angebetet werden wollten. Und zwar nur noch sie und den gläubigen Christen drohte bei Zuwiderhandlung, sprich bei Glauben an den einen eigenen Gott, die Hinrichtung. Kirchen wurden verschlossen oder sogar zerstört.

Was folgte, war eine erbarmungslose Hetzjagd auf die Christen im ganzen Reich. Es wurde so schlimm, dass Kaiser Diokletian Speziallegionen zu Kaiser Maximian schickte, um auch die Gläubigen jenseits der Alpen zu eliminieren. Die Männer dieser Legionen stammten aus dem ägyptischen Theben, und sie waren gefürchtet...denn sie hatten den Ruf, keine Scheu vor dem Töten zu haben.

Maximian entsandte Teile der Truppen aus der Schweiz nun nach Trier, Xanten, Bonn - und jetzt kommen wir zu unserem Protagonisten - nach Köln. Hauptmann Gereon zog mit 318 Mann in Köln ein, wo er sich gleich nach Ankunft seiner Truppe beim Unterfeldherrn Rictius zu melden hatte.
Während er auf seinen Befehl wartete, welchen er zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte, schauten sich er und einige seiner Männer ein wenig in der Gegend um und sie waren verwundert, warum alle Menschen dort große Angst zu haben schienen und teilweise sogar vor ihnen fortliefen. Die kleine Gruppe um Gereon suchte ein Gotteshaus, um zu beten, und als sie endlich eines gefunden hatten, welches aber verschlossen war, knieten sie kurzerhand vor dem Eingang nieder und beteten dort. Aus einiger Entfernung rief jemand das Wort "Heuchler". Gereon verstand wieder nicht und auf seine Nachfrage bekam er zu hören: "heute betet ihr und morgen tötet ihr uns". Gereon wies dies zurück, garantiert würden sie keine Christen umbringen und er konnte selbst einen kleinen ängstlichen Jungen, der ihn mit einem Stein bewerfen wollte, davon überzeugen, selbst Christ zu sein und an Gott zu glauben.

Dann kam der nächste Tag...

Unterfeldherr Rictius erteilte Hauptmann Gereon den Auftrag, alle gläubigen Christen Kölns zu vernichten. Die Menschen, die das hörten, weinten und waren der Verzweiflung nahe, aber es geschah etwas unerwartetes. Hauptmann Gereon, sowie sämtliche Legionäre seiner Truppe verweigerten den Gehorsam. Er würde keine Menschen anbeten, denn nichts anderes als das waren die selbsternannten "Götter" Diokletian und Maximian, ebenso würde er keine Gläubigen töten. Der erzürnte Unterfeldherr ließ daraufhin einen nach dem anderen der Gefolgsleute Gereons enthaupten, während die noch Lebenden laut und provokativ das "Vater unser" beteten.
Gereon starb als letzter.

Der Legende nach erlitt er sein Martyrium an der sich heute im Inneren der Kirche St. Gereon befindlichen Blutsäule, welcher daraufhin bis zum heutigen Tage die Fähigkeit zugesprochen wird, zwischen Gut und böse unterscheiden zu können.

Rictius stellte lautstark klar, dass so wie Gereon alle Christen sterben würden, doch seine Legionäre fanden keinen einzigen Gläubigen mehr in der ganzen Stadt. Gereon hatte ihnen die Angst genommen und so blieben sie, anstatt zu fliehen. Bis die Herrschaft der beiden mächtigen Kaiser zu Ende ging, lebten sie, gegenseitig geschützt und heimlich weiter glaubend, in der Stadt und unter dem neuen Kaiser Konstantin durften Christen endlich wieder Christen sein.

Der heilige Gereon ist der Patron von Köln, der Soldaten und, ja ich weiß, es klingt seltsam, der gegen Kopfschmerzen. Aber was wir von Gereon lernen dürfen, ist, uns nicht von anderen von dem abbringen zu lassen, woran wir glauben.

Nächstes Mal, wenn ich in Köln bin, werde ich wieder St. Gereon besuchen, die für mich persönlich schönste romanische Kirche Kölns, aber sicherlich nicht, ohne meine Gedanken zu dieser Legende schweifen zu lassen. Ich bin sicher, euch wird es genauso gehen.

Hinter den Kulissen

Vor einigen Wochen habe ich über St. Gereon und die Blutsäule geschrieben, auch mit dem Hinweis, dass ich über die Legende des heiligen Gereon später noch schreiben würde. Eigentlich hatte ich dieses heute vor, aber dem kam beim Sichten meiner Fotos nun eine andere Heilige zuvor. Wer? Eine Heilige, die sich an vielen Orten finden läßt, die man aber vielleicht in diesem Fall, am Gereonsdriesch, vor der imposanten Kulisse von St. Gereon und dem steinernen überdimensionalen Kopf des Namenspatrons kaum bis gar nicht wahrnimmt. Maria. Denn richtet man den Blick mal nach links, steht in nicht allzu großer Entfernung (neben der Blutsäule im Inneren der Kirche) eine weitere Säule. Eine Mariensäule. Aber nicht irgendeine, nein, sie ist eine der ältesten rheinischen Mariensäulen. Von Vincenz Statz wurde die neugotische Säule entworfen, und 1858 aus Udelfanger Sandstein hergestellt.

Aber wie kam es in dieser Zeit eigentlich zu dieser verstärkten Marienverehrung? Es war die Folge des von Papst Pius am 08.12.1854 verkündeten Dogmas über die unbefleckte Empfängnis der Maria. Im katholischen Köln, dessen Bürger seit 1815 mit ihrer preußischen Stadtverwaltung haderten, entstand 1855 ein Verein zur Errichtung eines Standbildes Maria Immaculata (die Unbefleckte). Weil diese Idee eines Standbildes aber bei der Bevölkerung umstritten war, weil unpraktisch, was sollte man denn mit einer Säule anfangen, erwog man sogar als Alternative den Bau eines Krankenhauses. Der Kölner Dom war ja, wie wir wissen, noch nicht fertig.

Der Verein gab jedoch nicht auf, und so wurde, im "Kampfblatt für Neugotiker", ein Blatt des Organs für christliche Kunst, ein Entwurf der Säule von Vincenz Statz veröffentlich. Und hier zeigten sich jetzt die Gegensätze der Stadt, denn mit den Planungen zur Errichtung der Mariensäule wurde bekannt, dass die Stadt Köln sich mit dem Gedanken an die Errichtung eines großen Reiterdenkmals für den Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. trug.
Preußische Verwaltung, mit dem Bürgermeister Hermann Joseph Stupp und dem Reiterdenkmal einerseits, die katholischen Bürger Kölns mit der neugotischen Mariensäule andererseits. Schutzherr und Beschützerin der Stadt und des Erzbistums Köln.

Nachdem am 2. Juni 1857 ca. 25.000 Menschen die Grundsteinlegung der Säule feierten, wurde sie im Mai 1858 fertiggestellt, eingeweiht jedoch erst im September 1858 bei der 10. General-versammlung der katholischen Vereine Deutschlands.

Von dem Wunschstandort "Alter Markt" wollte die Stadtverwaltung nichts wissen und lehnte diesen ab. Und so wurde als Standort ein Platz in der Gereonstraße gewählt, vor dem erzbischöflichen Palais. Allerdings mußte die Säule im Zuge des Fortschritts, oder eher gesagt, der "Fortfahrt" dort zu Anfang des 20. Jahrhunderts weichen, als die Straßenbahn ausgebaut wurde und der Platz für einen Schienenstrang benötigt wurde. 1901 bekam sie also ihren noch heutigen Platz am Gereonsdriesch, südöstlich vor dem Chor von St. Gereon, oder einfacher gesagt - links vom Eingang. Sie wirkt durch ihren neugotischen Baustil ein wenig, als hätte man ein Stück vom Dom hierher verfrachtet und da sind wir auch wieder...im Schatten des Domes...denn selbst, wenn die Mariensäule nichts mit ihm zu tun hat, verbindet man doch ihre Optik mit ihm.

Vielleicht verbindet ihr ja einfach mal einen Spaziergang durch die Stadt mit einem Besuch bei der heiligen Maria. Es lohnt sich, denn mit dem Wissen um etwas, betrachtet man es doch nochmal ein wenig anders.